Pflegevorschule für Flüchtlinge und Migranten
Flüchtlinge als Pfleger

Bezirkstagspräsident Franz Löffler besuchte die Pflegevorschule für Flüchtlinge am Bezirksklinikum. Bild: bdl
Vermischtes
Regensburg
27.09.2016
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Ban spricht in der Gruppe am besten Deutsch. Deshalb soll sie mit dem Radiojournalisten reden. Ban kommt aus dem Irak. Am Freitag hat sie am Bezirksklinikum Regensburg mit der Pflegevorschule begonnen, einer Ausbildung für Flüchtlinge und Migranten.

Die Pflegevorschule soll die Teilnehmer befähigen, die einjährige Ausbildung zum Pflegefachhelfer oder die dreijährige Ausbildung zum Krankenpfleger zu machen. Momentan werden hier sieben Schüler unterschiedlichster Herkunft unterrichtet, zwei Syrer kommen noch dazu.

Bezirkstagspräsident Franz Löffler hatte am Montag die Presse eingeladen, um das neue Projekt vorzustellen. Die Zielgruppe sind anerkannte Flüchtlinge mit Aufenthaltserlaubnis, Asylsuchende mit Aufenthaltsgestattung und Asylsuchende mit Duldungsstatus, sowie Migranten. "Die Pflegeschule holt die Teilnehmer da ab, wo sie stehen", sagte Löffler. Die Qualifizierung erfolge "passgenau".

Neuland "Pflege"


In den Ländern, aus denen die Flüchtlinge stammen, sei "Pflege" völlig unbekannt. Die Teilnehmer müssten sich erst mit dem deutschen Gesundheitssystem vertraut machen. In einem ersten Modul lernen die Schüler Grundkenntnisse in Deutsch und Fachbegriffe aus der Krankenpflege. Bei einem Praktikum können sie ihre Kenntnisse dann in der Praxis vertiefen. Im zweiten Modul werden Pflegekenntnisse vermittelt, im dritten dann soziale alltagspraktische Kompetenzen, wie das Rollenverständnis in Deutschland und IT- Grundkenntnisse sowie wie Behördengänge zu erledigen sind.

So biete das Projekt eine erfolgreiche, nachhaltige Integration, sagte Löffler, es stehe aber auch der Eigennutz für den Bezirk dahinter, "denn qualifizierte Pflegekräfte werden dringend gebraucht". Von den Gesamtkosten von 92 000 Euro übernimmt 62 000 Euro das Jobcenter.

Am Montagvormittag sitzen die sieben Schüler - drei Frauen und vier Männer im Alter zwischen 18 und knapp 50 Jahren - im Unterrichtszimmer und haben Wörter auf bunte Zettel geschrieben. Sie kommen aus Somalia, Syrien, dem Irak, Bulgarien, Rumänien und Russland. "Sie sind alle sehr motiviert", sagt die Lehrerin. Aber ohne die Pflegevorschule würden sie die Voraussetzungen für den Pflegeberuf nicht erfüllen können. Für die Pflegevorschule müssen sie einen Abschluss der Mittelschule haben, einfache Sprache verstehen können, Interesse am Pflegeberuf haben und mindestens 16 Jahre alt sein.

Deutsche Kultur


"Die Vorschule bietet den Teilnehmern eine sicher Beschäftigungsperspektive und gute Aufstiegsmöglichkeiten", sagte Löffler. Eine Sozialpädagogin unterstützt sie bei der Bewältigung des Alltags, wie Behördengängen. Zudem gibt es ein begleitetes Freizeitangebot. Auch werde nach Paten gesucht, die helfen, die deutsche Kultur besser kennenzulernen.

Löffler ist sich aber sicher, dass die künftigen Pflegekräfte das Pflegeumfeld bereichern werden. Sei es, weil auch Patienten aus einem ähnlichen Kulturkreis kommen und ein Stück Heimat erfahren, oder weil eine fremde Kultur eine Bereicherung ist.
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