Pilotprojekt „InGym“ für leistungsstarke Flüchtlings- und Migrantenkinder
Mit Deutsch-Nachhilfe aufs Gymnasium

Wir reden viel über Notfallszenarien, aber nicht genug über die spannende Frage, wie es mit den Flüchtlingen, die bei uns bleiben, weitergeht.
Vermischtes
Regensburg
23.02.2016
193
0

Wenn es um die Beschulung von Flüchtlings- und Migrantenkindern geht, stehen meist Grund- Mittel- und Berufsschulen im Fokus. Das Projekt "InGym" will leistungsstarken Schülern nun beim Sprung aufs Gymnasium helfen. Eine der fünf beteiligten Pilotschulen ist das Werner-von-Siemens-Gymnasium in Regensburg.

Was Multikulti bedeutet, erlebte Staatssekretär Georg Eisenreich am Montagmorgen beim Projektstart in Regensburg. Die teilnehmenden Schüler begrüßten ihn in ihren jeweiligen Landessprachen. Dazu spielte das Musikensemble der Schule einen bayerischen Zwiefachen. "Wir wollen die nach Bayern eingewanderten jungen Menschen mit hoher Bleibeperspektive bestmöglich fördern", sagte Eisenreich. Für diejenigen, die eine mit dem Gymnasium vergleichbare Vorbildung, aber noch nicht die erforderlichen Deutschkenntnisse haben, gebe es mit den InGym-Klassen ein gutes Angebot.

Fünf Projektschulen


Oberbürgermeister Joachim Wolbergs freute sich, dass das Werner-von-Siemens-Gymnasium zu den bayernweit fünf Pilotschulen gehört. Daneben nehmen Gymnasien in München, Nürnberg, Augsburg und Würzburg teil. "Wir reden viel über Notfall-Szenarien, aber nicht genug über die spannende Frage, wie es mit den Flüchtlingen, die bei uns bleiben, weitergeht", sagte er.

Gerade um die jungen Menschen müssten sich alle Beteiligten besonders bemühen. "Sie sind genauso viel wert wie unsere Kinder und haben die gleichen Chancen verdient", betonte der Oberbürgermeister.

"Das Thema Flucht geht mittlerweile alle an, auch Gymnasiallehrer", sagte Landrätin Tanja Schweiger. Den jungen Projektteilnehmern wünschte sie, dass sie nicht nur Deutsch lernen, sondern auch so viel wie möglich vom deutschen Lebensalltag mitbekommen. Schweiger betonte die enge Zusammenarbeit von Stadt und Landkreis beim Thema Bildung. Etliche Schüler werden nach der Projektphase am Werner-von-Siemens-Gymnasium an ein wohnortnahes Gymnasium im Landkreis wechseln.

Ein halbes Jahr dauert die Projektphase, in der die 28 teilnehmenden Schüler zwischen 11 und 16 Jahren intensiv ganztags vor allem in Deutsch, aber auch in anderen Fächern unterrichtet werden. Unterteilt sind sie in eine Junior- und eine Senior-Gruppe, erklärte Projektleiterin Daniela Baumer im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Schüler stammen zum Großteil aus Syrien, aber auch aus der Slowakei, Rumänien, Tschechien, Tunesien oder Lettland. Dass sie so unterschiedliche Sprachen sprechen, sieht Baumer als Anreiz, schnell Deutsch zu lernen, "damit sie sich untereinander unterhalten können."

Dankbare Schüler


Wie werden die Teilnehmer ausgewählt? Entweder sie können aus ihrem Heimatland eine Bestätigung über ihre gymnasiale Vorbildung vorweisen oder sie werden wegen ihrer guten Leistungen von einer Mittelschule ans Gymnasium empfohlen, wo sie getestet werden. Das Lehrerteam sei jedenfalls hochmotiviert, berichtete Baumer. "Das ist eine spannende Aufgabe, und die Schüler sind sehr dankbar."
Wir reden viel über Notfallszenarien, aber nicht genug über die spannende Frage, wie es mit den Flüchtlingen, die bei uns bleiben, weitergeht.Joachim Wolbergs, Oberbürgermeister Regensburg
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.