Podiumsdiskussion in Regensburg
„Noten sind nicht verlässlich“

Die Podiumsrunde (von links): RUL-Vorsitzender Professor Karsten Rincke, Schulleiter Franz-Xaver Huber, stellvertretender Bezirksschülersprecher Kilian Gradl, Kathrin Plank vom alternativen Schulprojekt "Karfunkel", ISB-Vertreterin Ursula Weier und Rektorin Cäcilia Mischko. Bild: Gibbs
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Regensburg
21.03.2016
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Eine "1" auf dem Aufsatz sorgt für Freudenstrahlen, eine "5" auf der Mathematik-Schulaufgabe für Kummer bei Schüler und Eltern. Wie sinnvoll sind Noten in der Schule? Darüber diskutierten Studenten, Lehrer und Wissenschaftler an der Uni Regensburg.

Gibt es längst bessere Konzepte, um Schüler zu bewerten und zu motivieren? "Noten sind weder objektiv noch verlässlich", meinte Kathrin Plank von der Projektgruppe "Karfunkel", die in Pielenhofen (Kreis Regensburg) eine "freie, demokratische und inklusive Schule" plant. Zensuren würden - selbst bei guten Schülern - Ängste und Leistungsdruck auslösen. Diese belastende emotionale Situation könne sich negativ auf die Persönlichkeitsbildung auswirken, sagte Plank bei einer Podiumsdiskussion beim Thementag "Theorie-Praxis" am Regensburger Universitätszentrum für Lehrerbildung (RUL).

Etwas an die Hand geben


Als Rektorin der staatlichen Grundschule Burgweinting widersprach Cäcilia Mischko deutlich. Eine Leistungsbeurteilung sei notwendig und werde sowohl von den Kindern als auch von den Eltern eingefordert. "Dafür müssen wir ihnen etwas an die Hand geben." Wichtig sei dabei, dass die Kriterien transparent sind und ein Bewertungstext die Ziffernnote ergänzt.

Franz-Xaver Huber, Leiter des Johann-Andreas-Schmeller-Gymnasiums in Nabburg (Kreis Schwandorf), warb für Vertrauen in die Urteilskraft des pädagogisch geschulten Personals. Er bedauerte, dass Misstrauen gegenüber den Lehrern mitschwinge, wenn die Notengebung in Frage gestellt werde. Huber wies daraufhin, dass auch alternative Schulformen meist nach einigen Jahren ohne Zensuren zu Noten zurückkehren.

Der Schulleiter hält es daher für besser, Schüler frühzeitig an die Notenvergabe heranzuführen, auch im Hinblick auf das Lernverhalten. Huber sieht eine Note nicht als ein "auf ewig festgelegtes Urteil", sondern vielmehr als Zwischenstation. "Danach geht die pädagogische Arbeit erst richtig los."

Vorsichtige Zweifel meldete RUL-Vorsitzender Professor Karsten Rincke an, was die stete Objektivität der Lehrer bei der Notenvergabe angeht. Es gelinge im dreigliedrigen Schulsystem nicht in jedem Fall, das Kind anhand der Grundschulnoten Mittelschule, Realschule oder Gymnasium richtig zuzuordnen. Zuhörer untermauerten diese These mit Beispielen.

Schulsystem selektiv


Rincke weiter: "Es müsste Noten nicht geben, aber in unserem selektiven Schulsystem muss es sie geben." In anderen Ländern werde der Selektionsprozess "ausgelagert", indem die Universitäten etwa ihre Studenten per Zugangsprüfung auswählen. Als Verfechter von Zensuren entpuppte sich der stellvertretende Bezirksschülersprecher Kilian Gradl (Johann-Andreas-Schmeller-Gymnasium, Nabburg). Noten seien für ihn eine Motivation. "So kann ich gezielt gegen Schwächen vorgehen."

Als Signal für die Lehrer betrachtet Ursula Weier vom Bayerischen Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung die Zensuren. "Wenn bei einem Test reihenweise schlechte Noten herauskommen, muss ich mir über meinen Unterricht Gedanken machen." Die Note allein reiche aber als Feedback nicht aus. "Wenn ich in der Schule meine Note auf dem Aufsatz sah, hat mir das noch nicht viel geholfen." Erst die schriftliche Bewertungsbegründung.
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