Prozessauftakt
Kaufmann betrügt die eigene Schwester

Vermischtes
Regensburg
13.09.2016
83
0

Mit seiner ersten Firma erlitt ein heute 38 Jahre alter Kaufmann aus dem Kreis Regensburg Schiffbruch. Doch seine Schwester gab ihm eine zweite Chance. Die nutzte er - um sie übers Ohr zu hauen.

Seit Dienstag sitzt der Mann auf der Anklagebank der für Wirtschaftsstrafsachen zuständigen 6. Strafkammer des Landgerichts Regensburg. Die Staatsanwaltschaft legt ihm vorsätzlichen Bankrott mit falscher Versicherung an Eides statt zur Last, zudem 13 Fälle von Urkundenfälschung und Fahren ohne Fahrerlaubnis in acht Fällen.

Der Anklageschrift zu Folge hatte der Kaufmann bereits 2006 beim Insolvenzgericht Regensburg für sich ein Verbraucher-Insolvenzverfahren beantragt. Bei dessen Abschluss hatte er noch knapp 100 000 Euro Schulden, daher konnte er keine neue Firma gründen. Seine Schwester ließ sich breitschlagen und meldete für ihn unter ihrem Namen ein neues Gewerbe an.

Unterschrift gefälscht


Die Geschäfte liefen offenbar mehr als gut: Allein in den Jahren 2012 bis 2015 soll der Angeklagte einen Gesamtgewinn von 969 543 Euro erwirtschaftet haben - davon bekam seine Schwester knapp 30 000 Euro. Den Rest hatte er zu seiner freien Verfügung. Ein Umstand, den er gegenüber den Gerichtsvollziehern und dem Insolvenzgericht verschwieg. Stattdessen gab er in eidesstattlichen Erklärungen an, dass er zwischen 800 und 1300 Euro verdiene, wodurch er einen Zugriff der Gläubiger auf sein Vermögen verhinderte. Zudem soll er ohne das Wissen seiner Schwester Konten eröffnet und Kreditkarten beantragt haben, wobei er ihre Unterschrift fälschte.

Die Staatsanwaltschaft legt ihm außerdem zur Last, er habe mit der gleichen Masche Autos geleast und gekauft sowie ein Einfamilienhaus gemietet. Zudem soll er die auf den Unternehmensgewinn entfallenen Steuern nicht bezahlt haben.

Angeklagter will schweigen


Zum Prozessauftakt ließ der Angeklagte über seine Verteidiger erklären, dass er vorerst schweigen werde. Der als Zeuge vernommene Sachbearbeiter der Kripo berichtete, dass im Februar die Schwester des Angeklagten bei der Polizei erschienen sei, um Anzeige zu erstatten. Ihr sei zu Ohren gekommen, dass ihr Bruder mit der gleichen Masche ein Darlehen über 400 000 Euro auf ihren Namen beantragt habe. Auch soll er geäußert haben: "Statt in den Knast zu gehen setze ich mich lieber nach Paraguay ab."

Eine Bank bestätigte die Geschichte mit dem Darlehensantrag, der Kaufmann wurde festgenommen und befindet sich seitdem in Untersuchungshaft. Bei den Durchsuchungen des Wohnhauses, der Geschäftsräume und der Kanzlei des Steuerberaters fanden die Ermittler lediglich 19 400 Euro Bargeld, eine Rolex-Uhr und vier Fahrzeugbriefe - ausgestellt auf den Namen der Schwester. Die Privatkonten des Angeklagten seien leer gewesen. Der Prozess wird am 23. September fortgesetzt.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.