Prozessbeginn in Regensburg
Erfundene Vergewaltigung vor Gericht

Vermischtes
Regensburg
08.08.2016
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Seit Montag muss sich eine 24-Jährige wegen Vortäuschens einer Straftat und Betrugs vor dem Amtsgericht Regensburg verantworten. Weil sie offenbar einen sexuellen Übergriff erfunden hat, droht ihr eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren.

Die Geschichte, mit der die Angeklagte am 27. Juli 2014 bei der Polizei in Regensburg aufwartete, sorgte für überregionales Medieninteresse. Gegen 2.45 Uhr war sie zusammen mit einem Bekannten in der Polizeiinspektion aufgetaucht und hatte behauptet, dass sie zu mitternächtlicher Stunde allein spazieren gegangen sei. Drei maskierte Männer hätten sie in ein Auto gezogen, einer der Männer habe sie auf dem Rücksitz vergewaltigt. Ihre Peiniger hätten sie anschließend völlig nackt auf die Straße gesetzt.

Viele Männergeschichten


Wie die zuständige Sachbearbeiterin der Kripo als Zeugin berichtete, wurde bereits am darauffolgenden Tag eine Sonderkommission gebildet. Erste Zweifel, dass sich das Tatgeschehen so abgespielt hatte, kamen den Ermittlern bei der Tat-Rekonstruktion. Sehr aufschlussreich war für die sie die 1396 Seiten umfassende Auswertung des Chat-Verhaltens der Angeklagten in einem Datingportal. Hier offenbarte die damals 22-Jährige, dass sie zahlreiche Männerbekanntschaften knüpfte, bei denen es "schnell zur Sache" ging.

Als sie rund fünf Wochen später erfuhr, dass sich bei der Polizei ein Zeuge gemeldet hatte, dem sie ihre Lüge gebeichtet hatte, beging die ausgebildete Krankenschwester vermeintlich einen Suizidversuch. Rettungssanitäter hatten allerdings den Eindruck, dass sie simuliert.

Vom Vater missbraucht


Sofort nach Verlesen der Anklageschrift stellte die Verteidigerin Claudia Schenk den Antrag, für die Dauer der Befragung ihrer Mandantin die Öffentlichkeit auszuschließen. Die Tat sei auf traumatische Kindheitserlebnisse der Angeklagten zurückzuführen, hervorgerufen durch den sexuellen Missbrauch durch ihren Vater In Anwesenheit von Zuhörern könne sie ihren psychischen Zustand nicht schildern, sondern müsse - falls ihr Antrag abgelehnt wird - von ihrem Schweigerecht Gebrauch machen.

Dem trat Staatsanwältin Christine Müller entgegen. Die Angeklagte könne keine Bedingungen stellen, zumal sie selbst die Öffentlichkeit in den sozialen Netzwerken gesucht habe. Diesen Argumenten schloss sich die Strafrichterin an.

Der im Anschluss gehörten psychologischen Sachverständigen hatte die Angeklagte von einem "grenzüberschreitenden Verhalten" ihres Vaters berichtet, dem sie als Neun- und 15-jährige ausgesetzt gewesen sei. Allenfalls, so die Expertin, liege bei der Angeklagten die Nuance einer Persönlichkeitsstörung vor, nicht jedoch ein Störungsbild, das auf eine Schuldunfähigkeit oder verminderte Schuldfähigkeit schließen lässt. Der Prozess wird fortgesetzt.
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