Psychologe Christian Kreuzer: Brachiale Verbote bringen nichts
Mädchen, 15 Jahre, handysüchtig

"Der Draht zu den Kindern darf nicht verloren gehen." Zitat: Psychologe Christian Kreuzer von der Caritas-Fachambulanz für Suchtprobleme
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Regensburg
13.07.2016
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Handy, den ganzen Tag Handy. Immer mehr Eltern verzweifeln, weil ihre Kinder stundenlang in ihr Smartphone starren. Spiele wie das gerade boomende "Pokemon Go" erhöhen die Verweildauer immer weiter. Psychologe Christian Kreuzer von der Caritas-Fachambulanz für Suchtprobleme in Regensburg, sieht in radikalen Verboten keine Lösung.

Kann man tatsächlich von einer Handy-Sucht sprechen?

Kreuzer: Ja. Es hat sich seit drei bis vier Jahren verlagert. Vorher war der Schwerpunkt der Spielsucht bei Spielekonsolen oder am Computer. Jetzt sind es die Smartphones. Die Spielmöglichkeiten sind vor allem für junge Leute sehr attraktiv. Auch das Verweilen in sozialen Netzwerken wie Facebook kann stark abhängig machen.

Welche Kinder sind besonders gefährdet?

Mädchen im Alter zwischen 15 und 17 Jahren. Hier kommen die meisten Eltern zu uns. Sie sind oft ratlos. Für 30 bis 60 Jahre alte Leute gelten heute einfach andere Regeln.

Wie erkenne ich als Vater oder Mutter eine Handy-Sucht?

Zum Beispiel wenn die Schulleistungen abstürzen. Oder wenn das Kind keinen sozialen Bezug mehr hat, keine Freunde mehr trifft. Oder nicht mehr zu den Mahlzeiten erscheint.

Was können die Eltern für Maßnahmen ergreifen?

Brachiale Methoden, wie totale Verbote, kommen nicht an. Für die Kinder ist das Handy wie ein Körperteil. Ist es weg, leiden sie. Es ist wichtig, über das Problem zu reden. Wie kann ich Grenzen setzen? Der Draht zu den Kindern darf nicht verloren gehen.

Haben Sie schon extreme Fälle erlebt?

Ja. Die Kinder reagieren dann nicht mehr nur mit verbaler Gewalt.

Ihre Lösung dann?

Im Extremfall werden Sie in die Kinder- und Jugendpsychiatrie eingewiesen. Bei den Betroffenen ist dabei meistens wenig Problembewusstsein vorhanden. Das ist wie bei Haschisch-Rauchern. Eltern sehen das alles anders. Sie fragen uns, wie sie reagieren sollen.

Der Draht zu den Kindern darf nicht verloren gehen.Psychologe Christian Kreuzer von der Caritas-Fachambulanz für Suchtprobleme
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