Regensburg diskutiert Stadtratsantrag
"Lady-Zonen" im Stadtbus?

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Regensburg
19.01.2016
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Geschlechtertrennung im Bus? Ihm gehe es um das Sicherheitsbedürfnis von Frauen und Mädchen, sagt der Regensburger Stadtrat Christian Janele. Deshalb schlägt er vor, abends und nachts "Lady-Zonen" im Stadtbus einzuführen.

Die Geschlechtertrennung bei der nächtlichen Stadtbusfahrt in Regensburg könnte mit pinkfarbenen Markierungen funktionieren. So zeigt es die Stadtratsfraktion der Christlich-Sozialen Bürger (CSB) mit einer Fotomontage auf ihrer Facebook-Seite. Das sei freilich nur ein Vorschlag, heißt es. Auch eine andere Farbe sei möglich.

Stadtratsmitglied Christian Janele hat im Herbst 2015 einen Antrag gestellt, mit der er dem Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung Rechnung tragen will, wie er sagt. Seine Idee: Damit Frauen und Mädchen auf dem Nachhauseweg abends oder in der Nacht keine Angst vor Übergriffen haben müssen, sollen sie auf spezielle "Frauen-Taxis" zurückgreifen können. Dort säße dann eine Frau am Steuer, die Kommune würde einen Zuschuss zum Fahrpreis leisten. In Heidelberg laufe ein ähnliches Projekt schon seit Jahren.

Und in den Stadtbussen könnten spezielle "Lady-Zonen" ausgewiesen werden, in denen sich abends und nachts nur Frauen aufhalten dürften. Janele hat seinen Antrag schon lange vor den massenhaften sexuellen Übergriffen am Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht formuliert. Das ist ihm wichtig. In Gesprächen mit Bürgern sei er auf deren Sicherheitsbedenken aufmerksam geworden, schildert er: "Wie kommt meine Tochter, wie kommt meine Frau abends oder nachts sicher nach Hause?" Diese Ängste der Bevölkerung müsse man ernst nehmen.

Dass gerade sein Vorschlag zu den "Lady-Zonen" daran erinnern könnte, dass einst etwa in US-Bundesstaaten Schwarze nur bestimmte Bereiche in öffentlichen Bussen nutzen durften, weist Janele zurück. Ihm gehe es allein darum, "dass viele Frauen sich unsicher im Bus fühlen". Das gelte übrigens auch für Senioren. Markierungen am Boden der Busse seien mit wenig Aufwand anzubringen - und müssten auch nur nachts oder abends ihre Gültigkeit haben. "Tagsüber ist das Thema ja meist nicht so relevant." Am Dienstag wollte der Stadtplanungsausschuss über das Thema sprechen.

Der Regensburger Verkehrsverbund (RVV) hält jedoch wenig von dem Vorschlag. "Dazu besteht grundsätzlich keine Notwendigkeit, wir haben an dieser Stelle keine Probleme", sagt Geschäftsführer Kai Müller-Eberstein.

Beim Bundesverband der Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe heißt es: "Selbstverständlich können Frauenräume wie Frauentaxis oder -parklätze eine sinnvolle Maßnahme sein, damit Frauen sich sicherer fühlen im öffentlichen Raum." Allerdings weist Sprecherin Katja Grieger auch darauf hin, dass solche Forderungen die Debatte in eine falsche Richtung lenken könnten: "Denn Studien belegen ganz eindeutig, dass die allermeisten Übergriffe im sozialen Nahraum stattfinden und der Tatort oft die Wohnung ist. Es braucht eine gesellschaftliche Gesamtstrategie gegen sexualisierte Gewalt, egal wo sie stattfindet."

Sexuelle Übergriffe in öffentlichen Verkehrsmitteln sind immer wieder ein Thema. So startete Anfang November in Paris das Nahverkehrsunternehmen RATP eine Kampagne, um etwa belästigende Sprüche in Bussen, Metro-Zügen oder Straßenbahnen einzudämmen. In einer Umfrage hatten 71 Prozent der befragten Frauen angegeben, mindestens einmal Opfer sexueller Belästigung in öffentlichen Verkehrsmitteln geworden zu sein.

Und in Wien hat die Stadtverwaltung Verhaltenstipps für Frauen veröffentlicht: "Wenn Sie an einer Haltestelle warten, kann es sinnvoll sein, mit dem Rücken an der Wand zu stehen oder sich in der Nähe anderer Menschen aufzuhalten." Ein weiterer Rat: Frauen sollten sich bei nächtlichen Fahrten mit Bus, Straßenbahn oder U-Bahn in die Nähe des Fahrers setzen oder in einen Waggon mit mehreren Fahrgästen. (dpa)
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