Regensburg erhält bis 2019 ein neues jüdisches Gemeindezentrum
Der erste Stein ist gesetzt

OB Joachim Wolbergs, Schirmherrin Adele Neuhauser, Ilse Danziger, Dieter Weber und Hanna Zisler (von links) legten den Grundstein für die neue Synagoge. Bild: Gibbs
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Regensburg
19.10.2016
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Ein Herzenswunsch ist für die Jüdische Gemeinde in Erfüllung gegangen. Am Mittwoch wurde der Grundstein für ein neues Gemeindezentrum samt Synagoge gelegt. 2019 soll es fertig werden. Von einem "historischen Tag" sprach Ilse Danziger, Vorstandsmitglied der Gemeinde. Zum dritten Mal entstehe in der Stadt eine freistehende Synagoge. Bei den Vorbereitungsarbeiten seien die Fundamente des früheren Gebäudes aus dem Jahr 1912 zutage getreten. In der Reichspogromnacht wurde es von den Nazis verwüstet und brannte ab. Bereits 1519 war die erste Synagoge am Neupfarrplatz zerstört worden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann der Wiederaufbau: 350 überlebende Juden gründeten im Oktober 1945 eine "Jewish Community" für die Oberpfalz und Niederbayern. Viele wanderten später nach Israel oder in die USA aus. Ende der 1980er Jahre zählte die Gemeinde nur noch 117 Mitglieder - dann folgte die große Wende: Mit der Auflösung der Sowjetunion kamen viele Juden aus dem Ostblock nach Deutschland. Die Gemeinde wuchs auf 1000 Mitglieder an - und kommuniziert heute in Deutsch und Russisch. Mit dem Zuwachs kamen die Raumprobleme - ein Neubau musste her. Ein Förderverein, bestehend aus 50 nichtjüdischen Bürgern, formierte sich. "Es entwickelte sich eine ungeheure Dynamik", sagte dessen Vorsitzender Dieter Weber. Bis heute seien über 300 000 Euro an Spenden zusammengekommen. Die Kosten für den fünf Millionen Euro teuren Neubau, der auch ein offenes Café beherbergen soll, teilen sich Bund und Stadt. Zur 2,5 Millionen Euro teuren Renovierung des Altbaus steuert Bayern die Hälfte bei, für die andere Hälfte werden noch Spenden gebraucht.

An die historische Verantwortung Regensburgs erinnerte OB Joachim Wolbergs: "Es ist das Mindeste, dass wir der jüdischen Gemeinde ihre Synagoge zurückgeben." Die Gemeinde in Regensburg gehöre zu den ältesten in Deutschland, sagte Hanna Zisler, Vizepräsidentin des Landesverbands der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern. "Unser Herz quillt über, sagte Rabbiner Josef Bloch. Die Grundsteinlegung bedeute den Beginn des Wiederaufbaus des Gotteshauses, das aus fast 78-jähriger Asche wieder auferstehe. Schirmherrin des Projekts ist Schauspielerin Adele Neuhauser.

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Weitere Informationen:

www.synagoge-regensburg.de
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