Regensburg wächst in alle Richtungen

Vermischtes
Regensburg
24.10.2014
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Neue Stadtteile und die Revitalisierung alter Quartiere sorgen in der Bezirkshauptstadt für Aufbruchstimmung.

Rund 2000 Jahre hat es gedauert, bis eine Stadt wie Regensburg zu dem wurde, was sie heute darstellt. Alles zusammen - das ewige Auf und Ab mit positivem wie auch oft schmerzhaftem Einfluss von außen, eigener Schlafmützigkeit und nicht minder ausgeprägter Aufbruchstimmung - gilt inzwischen als Welterbe. Die deutschlandweit wohl am besten erhaltene mittelalterliche Großstadt wurde 2006 von der UNESCO mit dem Welterbetitel bedacht, wobei häufig übersehen wird, dass in diese Auszeichnung auch Stadtamhof miteinbezogen wurde, ein Stadtteil also, der erst seit 1924 überhaupt zu Regensburg gehört.

"Machen Sie mit!"

Und nun ergibt sich für uns Heutige eine Chance, wie sie lange unvorstellbar erschien: Das aktive Mitmachen bei einer Entwicklung, die wir bisher nur über Generationen hinweg passiv hinnehmen mussten. Im Osten Regensburgs entsteht schließlich ein neuer Stadtteil. Heute entwickeln hier Ferdinand und Martin Schmack gemeinsam mit starken Partnern den neuen grünen Osten Regensburgs mit dem Namen "Candis", und möchten dies gerade nicht allein, über die Köpfe der Bürger hinweg. Deshalb ihr Appell: "Reden wir miteinander, machen Sie mit! Es lohnt sich."

Und die Stadt, so Oberbürgermeister Joachim Wolbergs, trägt offenbar im Kern mit, "was die Schmacks hier im Stadtosten machen". Die Ferdinand Schmack jun. GmbH selbst geht davon aus, dass es sich bei der Entwicklung im Candisquartier um eine überaus wichtige Rahmenplanung handelt. Jedenfalls könne es nicht nur darum gehen, Wohnungen auf ein Areal zu stellen, das nun bereits schneller als ursprünglich vorgesehen, nämlich Mitte 2017, von der Südzucker AG komplett geschlossen wird.

Christine Schimpfermann, die Planungs- und Baureferentin der Stadt, denkt natürlich nicht nur in eine Richtung. Sie muss vielmehr Leitprojekte für die Gesamtstadt entwickeln, und zwar hinsichtlich der Schwerpunkte Wohnen und Gewerbe ebenso wie mit Blick auf Freiflächen für Park-, Sport- und Freizeitanlagen. Und so nennt Schimpfermann als Schwerpunkt-Planungsgebiete neben dem Inneren Osten, wozu außer "Candis" das Marina-Quartier mit dem unter Denkmalschutz stehenden ehemaligen Schlachthof oder der Business Park gehören, auch den Inneren Westen von der Ladehofstraße bis zum Areal des Jahnstadions, wo auf den ehemaligen Bahnfläche eine innenstadtnahe Wohn- und Gewerbegebietsentwicklung geplant ist.

Viele Schwerpunkte

Weitere Schwerpunkte besonderer Planungs- und Bautätigkeit sind der Donaumarkt, auf dem das "Museum der bayerischen Geschichte" entsteht, und das Gelände der ehemaligen Nibelungenkaserne mit gewerblicher und universitärer Nutzung (BOS/FOS und Technologiepark). Hier wie in Stadtteil Burgweinting werden weitere Wohnstandorte entwickelt, erläutert Christine Schimpfermann.

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung, die Regensburg zu einem der dynamischsten Standorte Deutschlands wachsen ließ, "mit einem idealen Gleichklang zwischen demografischer und wirtschaftlicher Entwicklung", wie dies der Prognos-Projektleiter Tobias Koch formuliert hat, sind natürlich gerade die Architekten gefordert. Wie Manfred Blasch, der langjährige Vorsitzender des Architekturkreises Regensburg, betont sei es wichtig, ein Gespür für den Ort und für die Aufgabe zu entwickeln - und dem Betrachter zu ermöglichen, die Stadtgeschichte, die sich ja aus den verschiedensten Epochen zusammensetzt, im Straßenbild auch abzulesen: "Man ist als Architekt verpflichtet, mit seinen Bauten die stadtgeschichtliche Wahrheit zu vermitteln!"

Gewaltige Chancen

Thomas Eckert, dem Vorstandsmitglied der Dömges Architekten AG, ist dieser Aspekt nicht nur deshalb ein Anliegen, weil er als gebürtiger Regensburger, der in Stadtamhof aufgewachsen ist ("also zwischen den steinernen Zeugen unserer Geschichte"), das Städtische einfach mag. Vielmehr sagt ihm gerade der Sachverstand des Architekten, welch hoher Wert in einer über Jahrhunderte hinweg fortgeschrittenen Entwicklung einer Kommune steckt. "Das ist mir nach meiner Rückkehr besonders bewusst geworden", erzählt Thomas Eckert, der die Studienjahre und ersten beruflichen Stationen in Berlin, Zürich und Darmstadt verbracht hatte.

Und nun erlebt Thomas Eckert, dass sich ausgerechnet in seiner Heimatstadt Regensburg gewaltige Chancen auftun. Für den Berufsstand des Architekten, so erscheint es dem Dömges-Vorstand, sei es zumindest eine bemerkenswerte Herausforderung, wenn man beobachten könne, dass hier ganze Stadtteile aus dem Boden gestampft werden oder ältere Quartiere sich neu positionieren. Sich zumal als Architekt an dieser Umgestaltung einer 2000-jährigen Stadt nicht maßgeblich beteiligen zu wollen, wäre ein verhängnisvoller Fehler zulasten beider Seiten, der Stadt ebenso wie aus Sicht der Architekten und Baumeister.
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