Regensburg will den Krebs besiegen

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Regensburg
27.11.2015
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Der internationalen Krebsforschung sind in den vergangenen Jahren entscheidende Durchbrüche gelungen. Die Regensburger Universität ist bei der Entwicklung neuer Behandlungsmöglichkeiten vorne mit dabei.

Der Schlüssel zum Erfolg im Kampf gegen den Krebs scheint in der Immunmedizin zu liegen. "War ab einem gewissen Stadium bei Krebserkrankungen lange Zeit keine Heilung mehr denkbar, so ist es heute in vielen Fällen auch bei fortgeschrittenem Krebs möglich, Tumore zum Schrumpfen zu bringen", freut sich Professor Dr. Phillip Beckhove, der seit März den an der Universität in Regensburg neu geschaffenen Lehrstuhl für "Interventionelle Immunologie" besetzt. "Der Patient kann so längerfristig überleben, die Erkrankung vielleicht sogar geheilt werden."

Stopp-Moleküle

Möglich geworden sei dies durch ein besseres Verständnis des Immunsystems, erklärt Professor Beckhove, der auch das "Regensburger Centrum für Interventionelle Immunologie" (RCI) leitet. "Man hat entdeckt, dass sich Krebszellen mit Eiweiß-Molekülen, sogenannten Stopp-Molekülen, vor den Attacken des körpereigenen Immunsystems schützen können." In der Folge konnten Medikamente entwickelt werden, die die Abwehrzellen für die Krebszelle "unsichtbar" werden ließen. "Das Immunsystem kann so wieder selbst gegen die Krebszellen vorgehen", erklärt Beckhove. "Bei einem Teil der Patienten werden so selbst große Metastasen vernichtet." Nicht bei jedem Tumor, nicht bei jedem Patienten, dennoch ein Durchbruch. Vorreiter der Entwicklung sind die Vereinigten Staaten, erste Wirkstoff-Zulassungen gibt es aber auch bereits in Europa. "Wir wissen, dass wir so effektiv gegen den Krebs vorgehen können", freut sich Beckhove, der selbst in den USA forschte und international gut vernetzt ist.

Immunzellen infundieren

Ein anderer Ansatzpunkt "bei sehr weit fortgeschrittenen Tumoren ist eine massive Intervention mit Immunzellen", fährt der Wissenschaftler fort. "Dabei werden Killerzellen, die mit Eiweiß-Molekülen Tumorzellen erkennen und zerstören können, außerhalb des Patienten vermehrt und dann als Infusion in dessen Blutkreislauf gebracht." Hier arbeite man momentan allerdings noch an klinischen Studien.

Das RCI ist forschend an der Weiterentwicklung beider Ansätze beteiligt. "Wir suchen etwa nach neuen Stopp-Molekülen, beschäftigen uns mit der Frage, wie T-Zellen an den Tumor gebracht werden können und arbeiten an neuen Medikamenten." Bereits seit 2010 wird das Regensburger Centrum für Interventionelle Immunologie umfassend durch den Freistaat gefördert. So sollen neben Beckhoves Lehrstuhl drei weitere Lehrstühle besetzt werden, die an der Entwicklung der Immuntherapie mitwirken. Neben der Onkologie ("Krebsforschung") stehen dabei auch Autoimmunerkrankungen und die Transplantationsmedizin im Fokus. "Ziel ist es, Patienten schnellstmöglich Zugang zu neuen Therapien gegen Krebs und Immundefekte zu ermöglichen."

An der Front

Beckhove kann bei seiner Arbeit im Kampf gegen den Krebs auf seine eigene langjährige Forschungserfahrung bauen, aber auch auf das Renommee des RCI, das dank der Erfolge seines Vorgängers Professor Dr. Reinhard Andreesen in der deutschen Wissenslandschaft ein Begriff ist. Gute Rahmenbedingungen für einen selbstbewussten Auftritt des RCI: "Die Durchbrüche gelangen zwar in den Vereinigten Staaten, trotz allem ist das RCI ganz vorne an der Front der Entwicklung." Können wir den Krebs schon bald besiegen, Herr Professor? "Vielleicht ja. Wir sind so nah dran, wie noch nie zuvor."
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