Regensburg will Spitzensport

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Regensburg
24.10.2014
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In Regensburg hat das Stadtmarketing eine neue Initiative in Richtung "Sportstadt" gestartet - die Spitzensportvereine sollen sich in einer Arbeitsgemeinschaft austauschen und Synergien nutzen.

Spitzensport ist ein wichtiger gesellschaftlicher, aber auch ökonomischer Schwerpunkt der Region. Der Stadionneubau in Regensburg, die künftige Continental-Arena an der Autobahn A3, könnte dabei durchaus eine Strahlkraft für ganz Ostbayern entwickeln. In Regensburg selbst gibt es freilich nicht nur immer mehr markante Leuchtturm-Projekte. Darüberhinaus hat sich Stadtmarketing-Chef Michael Quast erst kürzlich dazu entschlossen, die Spitzensportvereine sowie das Sportamt in einer "Arbeitsgemeinschaft Sport" zu bündeln.

Als Ziel dieser Initiative schwebt Quast die Vernetzung der Spitzensportvereine untereinander vor, worunter er den Austausch über die jeweilige Vereinsstruktur oder auch die Schaffung und Förderung von Synergien bei der Nachwuchsgewinnung und -förderung versteht. Aber auch die Optimierung der Vermarktung sowie die Steigerung der Attraktivität der Sportstadt Regensburg hat man sich zum Ziel gesetzt. Ergänzt werden diese Aktivitäten durch eine neue Internetseite (www.Sportstadt-Regensburg.de), die derzeit entwickelt wird. Unter anderem schwebt Michael Quast und seinen Mitstreitern auch die Idee einer Sponsoring-Börse für Vereine und Unternehmen vor, die sich im Sportbereich engagieren möchten.

Mehr als nur Bewegung

Dass Sport mehr als nur Bewegung ist, wird uns insbesondere dann bewusst, wenn "wir" wieder mal Fußball-Weltmeister geworden sind oder Athleten aus der Oberpfalz wie die Leichtathleten von TelisFinanz um Corinna Harrer und Florian Orth bei Olympischen Spielen und Europa- Titelkämpfen mitwirken, die Tennisdamen von TC Rotblau als Eckert-Team in die Erste Bundesliga aufsteigen, Regensburgs Eishockeycracks davon vorerst nur träumen können, die Buchbinder-Legionäre heuer an einer weiteren Deutschen Meisterschaft vorbeischrammten oder auch der SSV Jahn Regensburg verzweifelt versucht, sich dauerhaft im Profifußball zu etablieren - all diese Aspekte machen erst zusammen den Reiz einer Sportstadt aus.

Deshalb macht die 50 Millionen Euro-Investition der Stadt Regensburg durchaus Sinn. Auch wenn derartige Investitionen in die Infrastruktur eines Standortes eher aus Beton bestehen, also aus harten Fakten, so ist dieses Projekt aus Sicht einer Stadt oder einer ganzen Region durchaus ein "weicher Faktor". Jedenfalls zählt der Sport immer mehr zum wichtigen Kriterium "Freizeitwert" eines Standortes, insbesondere in seiner Ausgestaltung als Profi- und Leistungssport.

"Gewinnt mal schön, dann bauen wir euch auch ein Stadion" - nach diesem Muster geht nun mal nichts. Die Attraktivität eines Wirtschaftsraums wird nicht zuletzt auch auf den Sportseiten einer Zeitung abgebildet, freilich durchaus in beide Richtungen.

Voraussetzung für eine solche Zusammenarbeit von Sportvereinen und öffentlicher Hand, sprich Steuerzahler, ist natürlich, dass beide Partner, in unserem Fall insbesondere der Traditionsclub "Jahn", strategische Ziele verfolgen. Und da scheint man sogar auf dem richtigen Weg zu sein. Zumindest hat die Vereinsführung unter Leitung des Vorstandsvorsitzenden Hans Rothammer und des sportlichen wie strategischen Managers Dr. Christian Keller sich der Mühe unterzogen, Konzepte für die Zukunft des Vereins auszuarbeiten.

Die langfristige Zielsetzung der Marke "SSV Jahn Regensburg" klingt jedenfalls plausibel und zukunftsorientiert, was angesichts eines zumeist ja kurzfristig ausgerichteten Umfelds im "Volkssport" Fußball nicht leicht ist.

Visuelle Präsenz

Dass mit der Continental AG einer der größten Arbeitgeber der Region die Namensrechte der in Oberisling gerade im Bau befindlichen Arena erworben hat, scheint diesem Konzept recht zu geben. Wie der Regensburger Standort- und Werkleiter Thomas Ebenhöch erläutert, sei für sein Unternehmen vor allem die Nutzung des in der Arena vorgesehenen Tagungs- und Veranstaltungszentrums von größter Bedeutung.

Mitarbeiter-Veranstaltungen, Kundenpräsentationen, Lieferanten-Tage, aber auch Messen und Kongresse sind aus Conti-Sicht in der Arena geplant. Aber auch die "visuelle Präsenz" direkt an der Autobahn A3 habe die Entscheidung für Continental sehr erleichtert.

Dass auch Vereine wie die Buchbinder Legionäre Regensburg, die seit Jahren Deutschlands Baseballsport dominieren, immer wieder von neuem Konzepte entwickeln, spricht für die Ernsthaftigkeit, mit der in der Sportstadt Regensburg schon heute gearbeitet wird. Wie Armin Zimmermann, der zusammen mit Martin Brunner und anderen für die Erfolgsgeschichte dieser Sportart in der Oberpfalz verantwortlich ist, erläutert, habe man sich jetzt entschlossen, durch das Instrument spezialisierter Trainingsgruppen nicht nur die Qualität der Trainer in ihren Bereichen und der besseren Qualität des Trainings zu verbessern, sondern dadurch vor allem auch einen wesentlich besseren Wissens- und Erfahrungstransfer von den alten erfahrenen Spielern auf die jungen Spieler zu bewirken.

Um dieses Konzept auch verwirklichen zu können, scheuten die Buchbinder-Legionäre nicht einmal davor zurück, ihren Erfolgscoach Martin Helmig (seit 2008 fünfmal Deutscher Meister) durch Ivan Rodriguez auszutauschen.

Ausgetauscht wurden in der von faszinierenden Aufs und deprimierenden Abs geprägten Eishockeygeschichte Regensburgs schon so manche. Derzeit duellieren sich in der Oberliga der früher auch in der Rolle von Eisbären auftretende EVR mit den "Blue Devils" aus Weiden, was zwar den Charme eines Oberpfälzer Lokalderbys vermittelt, das Selbstverständnis der Regensburger jedoch eher nicht befriedigt. Schließlich waren die Oberpfälzer einst durchaus auf Augenhöhe mit Straubing und Ingolstadt. Während die Nieder- und Oberbayern gleich nach ganz oben, in die DEL, durchstarteten, ging es für den EV Regensburg sogar durch die Hölle der Insolvenz, nicht unähnlich der Situation im Fußball, wo die einstigen Rivalen Augsburg und Ingolstadt die Regensburger ebenfalls längst hinter sich gelassen haben.

Konzeptarbeit beeindruckt

Bleiben für die Sportstadt Regensburg letzten Endes vor allem die Individualsportarten Leichtathletik und Tennis, wo freilich der Erfolg nicht zuletzt durch "mannschaftliche Geschlossenheit" zustande kam. Kurt Ring, Norbert Lieske und ihre Vorgänger schufen durch effiziente Konzeptarbeit die Voraussetzungen dafür, dass eigener Nachwuchs sich entwickeln konnte und gleichzeitig talentierte, ja sogar renommierte Athleten von außen hinzukamen.

Was bei den Leichtathleten die TelisFinanz ist, heißt bei den heuer in die 1. Bundesliga aufgestiegenen Tennisdamen des TC Rotblau "Eckert Schulen". Beide Firmengruppen, ebenso wie der Autovermieter Buchbinder bei den "Legionären", waren nicht allein von den Leistungen der Sportler selbst fasziniert, sondern vor allem von der Konzeptarbeit der Vereine beeindruckt.

Spitzentennis mit Stars

Der TC Rotblau, so Dr. Markus Witt und Claudia Fritsch, legt dabei auch weiterhin seinen Schwerpunkt auf Familie und Breitensport und hat mit seiner "Kids Academy" im Nachwuchsbereich sehr gute Erfolge eingefahren. Gleichzeitig wird gerade im kommenden Jahr Spitzentennis mit Weltklassespielerinnen geboten: "Die Neuverpflichtung von Julia Görges ist nur ein Schritt", betont Teamcoach Michael Geserer, und Vereinsvorsitzender Markus Witt möchte das Vereinsziel "Familien für sich zu gewinnen" keinesfalls aus dem Auge verlieren: "Durch diesen Spitzensport wollen wir Anreize schaffen und Lust auf das eigene Spielen machen!"

Wenn das keine Steilvorlage für die "Sportstadt" ist - nicht nur in Regensburg.
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