Regensburger Biologe über die Mücken-Plage in Bayern
Stiche im Sekundentakt

In Bayern gibt es in diesem Jahr so viele Mücken wie lange nicht mehr.
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Regensburg
06.08.2016
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Ein hochfrequentes Surren kündigt sie an: Im Freistaat gibt es in diesem Jahr so viele Mücken wie lange nicht mehr. Entwarnung gibt ein Experte noch nicht: Neue Larven sind schon geschlüpft.

Besonders betroffen sind Überschwemmungs-Gebiete. «Vor allem am Starnberger See, in Weltenburg und in Neuburg an der Donau haben wir es mit so vielen Mücken zu tun wie schon lange nicht mehr», sagte der Regensburger Biologe Martin Geier der Deutschen Presse-Agentur.

500 statt 15 Mücken in der Falle


In diesen Regionen wären an Spitzentagen theoretisch Stiche im Sekundentakt durch die unliebsamen Insekten durchaus möglich gewesen. Geier betreut in Bayern die Stationen eines bundesweiten Mücken-Monitorings. «Besonders schlimm war die Situation Anfang Juni. Da haben wir in unseren Mückenfallen knapp 500 Mücken in 15 Minuten gezählt», berichtete er. Normal seien höchstens 15.

Im Juli habe sich die Lage zwar insgesamt etwas entspannt, begünstigt durch neue, teils kräftige Niederschläge gibt es aber genügend Mücken-Nachwuchs: «Am Starnberger See habe ich in Pfützen neue Larven gesehen, dort könnte es zum Beispiel nun noch einmal zu einem Anstieg der Mückenzahlen kommen», berichtete Geier.

Eier überlegen jahrelang


Wie der Experte erläuterte, legen Überschwemmungs-Mücken ihre Eier üblicherweise in Wiesen ab. Werden die Wiesen überschwemmt, schlüpfen die Larven. «Die Eier können bis zu fünf Jahre überleben», sagte Geier. «Gibt es nach langer Zeit wieder eine Überschwemmung, schlüpfen die Larven gleich mehrerer Jahre.» Dadurch komme es dann zu einer Mücken-Plage. Auch ein sehr kalter Winter führe üblicherweise nicht zum Absterben der Eier.

Während die Überschwemmungs-Mücken vor allem in ländlichen Gebieten vorkommen und es auf Wanderer und Radfahrer abgesehen haben, sind es Hausmücken, die viele Menschen nachts durch ihr Surren um den Schlaf bringen. «Regentonnen im Garten begünstigen ihre Vermehrung, denn Hausmücken legen ihre Eier direkt im Wasser ab», erklärte Geier.

Uni Regensburg entwickelte Fallen


Die in Bayern installierten Mückenfallen kann der Biologe vom seinem Büro aus fernsteuern. Das dafür zugrundeliegende Fangprinzip wurde an der Universität Regensburg entwickelt. Die Fallen stoßen per Fernsteuerung Kohlendioxid aus. Dadurch wird das menschliche Ausatmen nachgeahmt, das die Mücken anlockt. In diesem Jahr können die Daten von zwei Mückenfallen in Bayern erstmals auch über das Internet abgerufen werden - auch für den besonders betroffenen Starnberger See.

Richtig abflauen wird die Mückenplage voraussichtlich erst im Herbst: «Die Mücken können je nach Wetter bis in den September hinein aktiv sein», sagte Geier.
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