„Regensburger Gespräch“
Wohnen in der Stadt der Zukunft

Diskutierten über bezahlbaren Wohnraum: (von links) Bürgermeister Jürgen Huber, Staatssekretär Florian Pronold, Moderator Harald Zintl und Iris Behr vom Darmstädter Institut Wohnen und Umwelt. Bild: Gibbs
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Regensburg
06.03.2016
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Beim "Regensburger Gespräch" entstand eine Vision, wie Menschen künftig in Städten wohnen.

Der Flüchtlingsstrom nach Deutschland ist nicht der Grund dafür, dass bezahlbarer Wohnraum in den Städten knapp wird. Darüber waren sich die Podiumsteilnehmer am Dienstagabend beim 46. "Regensburger Gespräch" der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) im Salzstadel einig: Der grundsätzliche Mangel aber werde dadurch sichtbar.

Singles unterschätzt


"Man hat unterschätzt, dass die Leute auf doppelt so viel Wohnraum leben wollen", beschreibt Florian Pronold, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesbauministerium (SPD), eine Fehleinschätzung der 50er Jahre. Angesichts der schrumpfenden Bevölkerung würde Wohnungsknappheit kein Problem mehr darstellen. Der Trend zur Single-Wohnung war nicht absehbar. Ab den 90er Jahren habe sich der Staat zudem aus dem sozialen Wohnungsbau zurückgezogen. "Das rächt sich heute bitter."

"Intelligente Nachverdichtung" nennt Pronold einen Schlüssel zur Lösung: Mehrfamilienhäuser könnten in Holzbauweise um zwei Etagen aufgestockt und mit einem Aufzug versehen werden. So könnte bezahlbarer, barrierefreier Wohnraum ohne Grunderwerb entstehen. Angst vor der Höhe hat Pronold nicht: "Städte wie Paris und Wien sind viel höher gebaut, aber nicht unattraktiv."

Viel zu schade sei der Stadtraum für Parkplätze, meinte Iris Behr vom Darmstädter Institut Wohnen und Umwelt. Sie setzt auf radikale Verlagerung auf den öffentlichen Nahverkehr sowie Fuß- und Radverkehr.

"Es braucht Mut, Parkplätze wegzunehmen", weiß aber auch sie. "Das ist immer ein heikles Thema." Um den Autoverkehr auf den Straßen einzudämmen, fordert Behr ein generelles Tempolimit von 30 Stundenkilometern sowie Sonderparkplätze für Carsharing-Autos. Um den Wohnraum wieder bezahlbarer zu machen, rät Behr den Stadtverwaltungen, bei Grundstücksverkäufen auf Höchstpreise zu verzichten und genossenschaftlichem Bauen eine Chance zu geben. Auch bei der Wohnungsausstattung könne man unter Umständen den Standard senken, um Kosten zu sparen. "Wir müssen sehen, was man sinnvoll reduzieren kann, ohne dass ein Billigbau daraus wird", stimmte Pronold zu. Auch die mannigfaltigen Bauvorschriften auf Bundes-, Länder- und Kommunalebene gehörten zu den Kostentreibern, räumte er ein.

Mietpreise eindämmen


Wer sich mit Wohnungsbau beschäftigt, stoße ständig auf Zielkonflikte, sagte Regensburgs dritter Bürgermeister Jürgen Huber (Grüne). Insbesondere in einer Stadt wie Regensburg, in der in den nächsten zehn Jahren jährlich 1700 Neubürger erwartet werden - die Flüchtlinge noch nicht mitgezählt. Um die steil ansteigenden Wohnungspreise einzudämmen, setze die Stadt weiter auf die Regelung, dass in jedem neuen Baugebiet 20 Prozent Sozialwohnungen geschaffen werden müssen, sagte Huber. Derzeit überlege man, die Quote "unter bestimmten Umständen" auf 30 Prozent zu erhöhen.
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