Regensburger Presseclub
Leidenschaft für das Gehirn

Vermischtes
Regensburg
11.04.2016
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Fast liebevoll streicht Dr. Dr. Helmut Hausner über das Plastikgehirn, das er in den Presseclub mitgebracht hat. Es ist das Organ, um das sich die Arbeit der Medizinischen Einrichtungen des Bezirks Oberpfalz (Medbo) dreht.

In seinem neuen Amt ist er ein "Wolpertinger" sagt Hausner vor einer Runde von Journalisten und Interessierten. Als Mediziner und Jurist mit doppeltem Doktortitel bringt er ideale Voraussetzungen mit, um die Medbo zu führen: Er versteht sich nach wie vor als Arzt - sein Kittel hängt im Vorstandsbüro -, täglich hat er aber auch mit juristischen Fragestellungen zu tun.

Bevor er vor 100 Tagen den Posten in Regensburg übernahm, leitete er das Psychiatrische Zentrum Cham. Nun ist er Herr über das 2900 Mitarbeiter starke Kommunalunternehmen mit Standorten in Weiden, Amberg, Parsberg, Wöllershof, Cham und Regensburg. In Hausners Augen blitzt Leidenschaft auf, wenn er über sein Lieblingsorgan spricht. "Wir beschäftigen uns mit dem Gehirn mit all seinen Facetten und Erkrankungen", sagt er. Das Spektrum reiche von Aufmerksamkeits-, Bindungs- oder Sprachstörungen bei Kindern über Burnout, Depression oder Psychosen bei Erwachsenen bis zu den typischen Altersleiden wie Demenz oder Parkinson.

Begeistern kann sich Hausner für neue Behandlungsmethoden, die die moderne Technik ermöglicht. Mit der transkraniellen Magnetstimulation etwa sei eine Art Liveschaltung ins menschliche Gehirn möglich, erklärt er. Hirnareale könnten durch eine Reizstrombehandlung so "trainiert" werden, dass Symptome gemildert werden oder ganz wegfallen. Bei der Art von Tinnitus, bei der das Geräusch im Gehirn entsteht, würden damit tolle Erfolge erzielen. "Da sind wir Weltspitze", schwärmt Hausner.

Balanceakt Forensik


Zudem kümmert sich die Medbo auch um psychisch kranke Straftäter in geschlossenen Einrichtungen. Das sei das "schwierigste Geschäft, das wir betreiben", sagt Hausner. Die Forensik habe einen ständigen Balanceakt zu bestehen: Einerseits sollen die Betroffenen langsam wieder an das "normale" Leben gewöhnt werden. Andererseits gilt es, die Bevölkerung zu schützen.

Eine Mission ist für Hausner die Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen. Es handle sich bei Depressionen und Co. nicht um eine Charakterschwäche, sondern um eine Erkrankung des Gehirns, betont Hausner. Und: Es kann jeden treffen.
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