Regisseur Johannes Pölzgutter inszeniert "Martha" am Theater Regensburg
Amüsantes Musiktheater-Update

Nancy als Dienstmagd Julia (Vera Semieniuk) und Lady Harriet als Dienerin Martha (Theodora Varga) sind auf dem Bauernhof von Lyonel (Angelo Pollak) und Plumkett (Jongmin Yoon) angekommen. Bild: Juliane Zitzlsperger
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Regensburg
02.11.2016
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Wie setzt man eine Musiktheaterkomödie aus dem Jahr 1847, in der Dienstmädchen gemietet werden können, in unserer Zeit und nicht frauenfeindlich um? Diese Frage stellte sich Regisseur Johannes Pölzgutter bei seiner Neuinszenierung der Oper "Martha" von Friedrich von Flotow am Theater Regensburg.

Der österreichische Regisseur fand eine beeindruckende und aktuelle Lösung, indem er die Dienstmägde als Roboter-Dienerinnen darstellt. Aber das ist nicht der einzige humorvolle Einfall, den diese Inszenierung bietet. So erlebt man ein wahres Feuerwerk aus amüsanten Details, die offensichtlich oder hier und da auch etwas versteckt in Erscheinung treten.

Raffiniertes Bühnenbild


Ob das nun der Fahrrad-Heimtrainer ist, der bei Stromausfall im Bauernhof von Lyonel und Plumkett den Fernsehabend rettet, die kleinen Software-Mängel in der künstlichen Dienerschaft von Lady Harriet oder die erotische Leidenschaft, die Lady Harriet und Nancy beim Anblick eines Jungbauern-Kalenders in ihren Koloraturen umsetzen.

All das bereichert diese unterhaltsame Inszenierung auf amüsante Weise. Zudem erlebt das Publikum einen geschickten und unaufdringlichen Einsatz der Drehbühne sowie sehr gut durchdachte Bewegungsabläufe, welche die dramaturgische Struktur des Sujets raffiniert unterstützen und vorantreiben. Ebenso viel Raffinesse und Sinn für amüsante Unterhaltung weisen das von Nikolaus Webern gestaltete Bühnenbild und die von Janina Ammon entworfenen Kostüme auf.

Insgesamt verpassen Pölzgutter und sein Team diesem Werk ein humorvolles Update, ohne dabei die Substanz des Stoffes zu verletzen - und das ist das Entscheidende. Denn diese Komödie verträgt diese Aktualisierung in jeder Hinsicht.

Von den Bühnenakteuren, die für den Premierenabend durchwegs Lob verdienen, sind in erster Linie Angelo Pollak als Lyonel und Vera Semieniuk in der Rolle der Nancy zu nennen. Beide können durch eine geschmeidige Stimme und eine verständliche Textartikulation beeindrucken. Aber auch Theodora Varga als Lady Harriet Durham, Jongmin Yoon als Plumkett, Mario Klein als Lord Tristan Mickleford und Seymur Karimov als Richter tragen zum bestechenden Gesamteindruck bei. Selbiges gilt auch für den von Alistair Lilley wieder einmal hervorragend einstudierten Chor.

Dynamische Nuancen


Das Orchester zeigt unter der Leitung von Tom Woods viel musikalisches Gespür für dynamische Nuancen und Spannungsbögen. Auch lässt es der Klangkörper nicht an der angemessenen Energie und Leidenschaft vermissen. So war der langanhaltende und intensive Schlussapplaus im gut gefüllten Regensburger Theater am Bismarckplatz an diesem Premierenabend von "Martha" in jeder Hinsicht gerechtfertigt.
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