Richtfest für Museum der Bayerischen Geschichte in Regensburg
Im Himmel der Bayern

Die Baustelle des Museums der Bayerischen Geschichte in Regensburg aus der Vogelperspektive. Bild: dpa
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Regensburg
10.06.2016
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So soll das Foyer des Museums in zwei Jahren aussehen: Es ist für jeden geöffnet und dient als Durchgang zum Donauufer. Bild: Gibbs

Richtfest am Regensburger Donaumarkt: Das neue Museum der Bayerischen Geschichte verändert die Silhouette der Stadt. Der Oberbürgermeister widerspricht den Kritikern.

Die künftigen Besuchern können sich wie im Himmel der Bayern fühlen: Ein rautenförmiges Glasdach über dem Eingangsfoyer wird bei gutem Wetter den Blick hoch zum weiß-blauen Himmel freigeben. Bis zur Fertigstellung des Museums der Bayerischen Geschichte am Regensburger Donaumarkt dauert es noch zwei Jahre. Am Freitag wurde mit viel Politprominenz Richtfest gefeiert.

"Das ist ein Leuchtturmprojekt für Regensburg und ganz Bayern", sagte der Bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) vor über 360 geladenen Gästen im Stahlbetonrohbau des Museums. Insgesamt 67,3 Millionen Euro investiert der Freistaat in das neue Museum, das in der Darstellung der jüngeren Geschichte Bayerns ab 1800 eine Lücke schließen soll.

In unmittelbarer Nähe zur Altstadt und in Sichtweite zum Dom habe Regensburg einen Bauplatz in bester Lage zur Verfügung gestellt, betonte Herrmann. In Regensburg komme Heimatliebe und Weltoffenheit zusammen. "Das Museum ist hier am richtigen Ort." Es sei auch wichtig, dass es nicht als "soundsovieltes Museum in München" gebaut werde.

1200 Exponate


Im Mittelpunkt des Museums solle die Lebensleistung der Menschen in Bayern stehen, sagte der Innenminister. "Das ist der größte Schatz, den wir haben." Die Bürger seien aufgefordert, historisch wertvolle Exponate für die Ausstellungsräume beizusteuern. 1200 Objekte sind bereits zusammengekommen. Darunter ist das legendäre "Brett vorm Kopf", das Rudolf Forster 1986 trug, um gegen die Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf (Kreis Schwandorf) zu demonstrieren. "Ein Museum von und mit Bürgern für Bürger - dieser Ansatz ist einzigartig", merkte Bayerns Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle (CSU) an.

Der Bau wird die Silhouette der Stadt von der Donau aus deutlich verändern. Oberbürgermeister Joachim Wolbergs (SPD) kennt die Bedenken so mancher Bürger, am Donau-Ufer werde ein "Koloss" entstehen, der nicht zum Stadtbild passt. "Es ist aber ganz anders", meinte der OB. Vielmehr werde der Donaumarkt, der bislang als Parkplatz diente, endlich eine Aufenthaltsqualität erhalten. "Ich bin sehr, sehr glücklich." Regensburg hatte sich 2011 gegen 24 Mitbewerber als Standort für das Bayern-Museum durchgesetzt.

"Haus der Zukunft"


Von einem "großen Tag" sprach Museumsplaner Richard Loibl vom Haus der Bayerischen Geschichte. Zusammen mit seinem Team plant er die Ausstellungsflächen des neuen Museums, sammelt und wacht über die Exponate. Loibl bezeichnet das Museum als "Haus der Zukunft für die Geschichte der Gegenwart", das die Besucher mit moderner Architektur und multimedialer Präsentation begeisterten soll.

Bei einem Presserundgang berichteten Bauamtsleiter Hans Weber und Architekt Stefan Traxler von den Herausforderungen auf der Baustelle. Um für die Exponate die richtige Temperatur und Lüftung bereit zu stellen, sei enorm viel Technik notwendig. Auch der Standort an der Donau sei baulich nicht einfach: Eine wasserdichte Wanne schützt das Gebäude von unten, sodass es einem hundertjährigen Hochwasser standhält.

Im Rohbau lässt sich das künftige Raumgefühl erahnen. Das großzügige Foyer wird für alle Besucher offen stehen - und auch als Durchgang von der Stadt zur Uferpromenade an der Donau dienen. Ein seitlich angeschlossener "schwarzer Raum" wird ebenfalls ohne Eintrittskarte zugänglich sein - und soll mit einem Film über die Geschichte Bayerns bis 1800 Lust auf mehr machen. Erst für die Ausstellungsflächen im Obergeschoss wird der Besucher den Geldbeutel zücken müssen. Ein großer Raum für Sonderausstellungen, der Platz für 1000 Menschen bietet, und die Bavariathek, die ein geschichtliches Archiv beherbergt, runden den Museumskomplex ab.

Das MuseumDas Frankfurter Architekturbüro Wörner-Traxler-Richter hat sich 2013 mit einem schlicht-modernen Entwurf für das Bayern-Museum gegen 253 weitere Vorschläge durchgesetzt. Die Jury beeindruckte, dass der Entwurf Bezug auf das historische Stadtgefüge nehme und Platz und Gassenfolgen innerhalb des Bauwerkes abbilde. So verbindet das bis zu 18 Meter hohe und verglaste Foyer am Ort des ehemaligen Hunnenplatzes die neugestaltete Promenade an der Donaulände mit der Altstadt. Insgesamt 18 Ingenieurbüros und Fachberater arbeiten an der Planung und Umsetzung des Entwurfs. Am 22. Mai 2015 erfolgte die Grundsteinlegung. 2018 soll das Museum seine Pforten öffnen - genau 200 Jahre nach dem Erlass der Verfassung des Königreichs Bayern. (gib)
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