Situation in Pfarrheim eskaliert
Flüchtlinge treten in Hungerstreik

Ein Großaufgebot an Einsatzkräften der Polizei sicherte die weiter Umgebung des Pfarrheims.
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Regensburg
20.07.2016
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Die Lage der Flüchtlinge vom Balkan, die zuerst im Dom und dann im Pfarrheim Sankt Emmeram den Schutz der Kirche gesucht haben, ist am Mittwoch eskaliert. Anlass waren gescheiterte Gespräche mit Asylsozialberatern, die das Bistum, wie Pressesprecher Jakob Schötz sagte, als "unübersichtlich" interpretierte. Über diese Situation informierte das Bistum die Polizei, die daraufhin mit einem Großaufgebot an Einsatzwagen und Personal die Zufahrten zum Pfarrheim sicherte.

Die Polizei habe den Hinweis bekommen, sagte der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Albert Brück, die Flüchtlinge wollten geschlossen die Unterkunft verlassen. Daraufhin habe die Polizei die beiden Zufahrten gesichert. Die Kollegen der Streife seien inzwischen von der Bereitschaftspolizei aus Nürnberg abgelöst worden. An eine Räumung werde nicht gedacht.

Nach Aussage von Jakob Schötz haben die 36 Flüchtlinge das Angebot der Asylsozialberater, einen Dolmetscher zur Verfügung zu stellen, am Morgen abgelehnt. Es habe "keine Gesprächsbereitschaft" gegeben, er herrsche "eine Atmosphäre des Misstrauens". Die Lage sei unübersichtlich geworden, "es gab Unsicherheit und Unruhe". Darüber habe das Bistum die Polizei informiert.

Anders klingen die Aussagen von Albona Ademi, die für die Flüchtlinge spricht. Die Sozialberater hätten entgegen der Abmachung mit jedem Einzeln sprechen wollen. Sie würden aber nur geschlossen in der Gruppe verhandeln. Die Berater hätten verlangt, sie sollten in das Rückführungszentrum in Ingolstadt zurückkehren, oder sie würden abgeschoben. In das "Lager" werde sie auf keinen Fall zurückkehren. Die Zustände dort seien unmenschlich. Die Polizei habe alle sehr erschreckt, besonders die Kinder. Sie hätten eine Zusage vom Bistum, dass es keinen Polizeieinsatz geben würde. Keiner von ihnen werde das Pfarrheim verlassen. Bis ihr Sprecher Isen Asanovski, der Hausverbot habe, zurückkehre, die Polizei abziehe und sie ein Bleiberecht bekämen, träten sie in den Hungerstreik. Vom Bistum nähmen sie keine Lebensmittel mehr an.

Die Polizei hatte zwischenzeitlich befürchtet, die Flüchtlinge würden in den Dom zurückkehren. Dieser war bis um 18 Uhr am Abend geschlossen.
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