Sozialmedizinische Familiennachsorge schließt Lücke
Nach der Klinik nicht alleine

Die erste Spende für das Nachsorge-Projekt in Höhe von 5000 Euro kam von der Stiftung für krebskranke und behinderte Kinder. Von links: Prior Frater Seraphim Schorer (Barmherzige Brüder), Andreas Podeswik (Bundesverband Bunter Kreis), Sabine Beiser (Klinik St. Hedwig), Staatssekretär Albert Füracker, Ludwig Faltermeier (Krebeki) und Renate Fabritius-Glaßner (Bunter Kreis Kuno Familiennachsorge Regensburg). Bild: gib
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Regensburg
14.03.2016
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An der Klinik sind Kinder mit schweren, seltenen oder chronischen Erkrankungen rund um die Uhr versorgt. Zurück zu Hause ist die Familie auf einmal auf sich selbst gestellt. Ein sozialmedizinisches Nachsorgeteam schließt eine Lücke in Ostbayern: Es kümmert sich bei besonderem Versorgungsbedarf nicht nur um das erkrankte Kind, sondern auch um Eltern und Geschwister.

Das "Gesicht" der neuen Familiennachsorge an der Klinik St. Hedwig der Barmherzigen Brüder in Regensburg ist Renate Fabritius-Glaßner vom "Bunten Kreis". Sie leitet das aus fünf Kinderkrankenschwestern, zwei Case-Managerinnen sowie einer Sozialpädagogin und Kinderpsychotherapeutin bestehende Nachsorge-Team. Das Projekt läuft seit Oktober vergangenen Jahres. 42 Familien hat das Team seitdem begleitet. "Wir holen die Familien zu Hause dort ab, wo sie gerade stehen", sagte Fabritius-Glaßner beim Festakt zum Start des Nachsorge-Projekts. Die einen bräuchten praktische Hilfe, etwa wie sie mit der Magensonde ihres Kindes umgehen. Die anderen hätten seit Tagen nicht mehr geschlafen oder bräuchten psychische Hilfe.

Nicht zuletzt stellt das Team Kontakte zu ambulanten Diensten her und lotst die Familien durch das komplexe Gesundheits- und Sozialsystem. Denn: "Angebote gibt es viele, aber die Eltern sind oft in einer solchen Schockstarre, dass sie nicht wissen, wohin sie sich mit ihren Problemen wenden sollen." 20 Stunden steht das Nachsorgeteam den betroffenen Familien wöchentlich zur Verfügung, bis zu 12 Wochen lang. So lange übernehmen die Krankenkassen die Kosten. Damit Familien flächendeckend auf das Angebot zurückgreifen können, kooperiert Fabritius-Glaßner mit Kollegen von den "Bunten Kreisen" in Amberg, Weiden, Deggendorf und Passau.

Staatssekretär Albert Füracker erinnerte an die Bürgerbewegung und die enorme Spendenbereitschaft, die 2010 zur Eröffnung der Kinder-Uniklinik Ostbayern (Kuno) geführt habe. Als Schirmherr der Familiennachsorge setzt er nun erneut auf Spenden. Denn: Die Krankenkassen tragen nur ein Drittel der Kosten. Füracker ist das Projekt ein persönliches Anliegen, nachdem er vor über 20 Jahren zwei Cousins im Alter von vier und sieben Jahren an Krebs verloren hat. Damals habe es weder Palliativmedizin noch ein Hospiz gegeben. "Wir waren sehr hilflos."

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Weitere Informationen:

www.barmherzige-regensburg.de/5688.html
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