Thema Tracht
Die Oberpfalz packt aus

Der G.-Erdmann-Verlag in Würzburg bot um 1900 die Postkarten-Serie "Bayerische Volkstrachten" an. Auf dieser "Oberpfalz und Regensburg"-Karte ist in der Mitte ein Nabburger Brautpaar abgebildet. Bild: Paul Ernst Rattelmüller
Vermischtes
Regensburg
20.05.2016
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Es ist ein bayernweit wohl einzigartiges Ausstellungsprojekt: Neun Museen in der Oberpfalz nähern sich in diesem Jahr dem Thema Tracht aus verschiedenen Blickwinkeln. Dazu gibt es nun das passende Buch.

Von einem "Meilenstein der Trachtengeschichte und Trachtenforschung über die Oberpfalz hinaus" sprach Bezirkstagspräsident Franz Löffler am Mittwoch bei der Buchvorstellung in der Weinschenkvilla in Regensburg. In dem nach dem Ausstellungsprojekt benannten Werk "Tracht im Blick. Die Oberpfalz packt aus" beleuchten 14 Autoren das Thema auf 288 Seiten mit viel Sachverstand und Liebe zur Region. Fast 300 Abbildungen machen die traditionelle Oberpfälzer Tracht zusätzlich lebendig.

Allerdings: Auf der Suche nach der einen Tracht, die die Oberpfalz repräsentiert, wird man in dem Buch nicht fündig. "Das Thema Tracht in der Oberpfalz ist sehr facettenreich", sagte Bezirksheimatpfleger Tobias Appl. Dazu kommt, dass die Trachtengeschichte im Bezirk relativ jung ist. Erst seit 1898 existieren Trachtenvereine in der Oberpfalz. Anfangs orientierten sie sich stark an den oberbayerischen Gewändern. "Erst später wollte man sich auch in der Tracht nach außen als Oberpfälzer präsentieren", sagte Appl.

Erstmals Fentsch-Skizzen


Zusammen mit seinem Stellvertreter Hans Wax, Trachtenbeauftragter des Bezirks, hat Appl das Buch herausgegeben. Beide treten auch als Autoren auf. Erstmals überhaupt werden in dem Werk Notizen und Skizzen des "Ethnographen" Eduard Fentsch publiziert, der einen Blick in die Bekleidungsgewohnheiten der Oberpfälzer in der Mitte des 19. Jahrhunderts gewährt. "Das ist ein echter Schatz", meinte Appl.

In mehreren Beiträgen geht es um ganz konkrete Kleidungsstücke: Vom Dirndl über Kopfbedeckungen und die Regensburger Riegelhaubenstickerinnen bis zum Rosenberger Kirwa-Trachtengewand. Dabei wird auch der Blick unter die Tracht nicht ausgespart: Im Kapitel "Unten drunter geblickt auf Wäsche und Strümpfe" geht es um alle Bekleidungsstücke, die der Betrachter von außen nicht gleich sieht.

Bezirkstagspräsident Löffler bezeichnete das Ausstellungsprojekt der Oberpfälzer Museen als überaus erfolgreich. "Mit dem Thema Tracht haben wir wohl ins Schwarze getroffen und einen Bereich der Kultur- und Heimatpflege besetzt, der viele Menschen anspricht, interessiert und begeistert", sagte er. Das Jahresthema gehe auf die Anregung des früheren Kulturreferenten des Bezirks, Peter Braun, zurück.

Künftiges Standardwerk


Bezirksheimatpfleger Appl geht davon aus, dass sich das Begleitbuch zum Standardwerk zur Oberpfälzer Tracht entwickeln wird. Vollständigkeit bescheinigt er der Publikation aber keinesfalls. "Das Thema ist noch längst nicht ausgeforscht. Es gibt noch jede Menge Fragen, die es wert wären, untersucht zu werden."

"Tracht im Blick. Die Oberpfalz packt aus" (288 Seiten) ist im Verlag Friedrich Pustet erschienen und kostet 24,95 Euro.
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