TomᚠHolub auf Freundschaftsbesuch
Der Skifahrer-Bischof

Bischof Rudolf Voderholzer (links) begrüßte den neuen Pilsener Oberhirten Tomás Holub (Mitte) sowie dessen Vorgänger Frantisek Radkovský in Regensburg. Bild: gib
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Regensburg
09.04.2016
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Der künftige Pilsener Oberhirte Tomás Holub ist auf Freundschaftsbesuch in Regensburg. Sozusagen eine erste Amtshandlung - noch vor seiner Weihe.

Das Bistum Pilsen bekommt mit Tomás Holub einen neuen Bischof. Noch vor seiner Weihe am 30. April besuchte der 48-Jährige Regensburg: Ein Zeichen dafür, dass er die enge Zusammenarbeit seines Vorgängers Frantisek Radkovský mit dem Nachbarbistum weiterführen will. Wie gut das Verhältnis der Bistümer Regensburg und Pilsen ist, zeigt folgendes Beispiel: Noch bevor die Ernennung von Holub als neuer Pilsener Bischof Mitte Februar bekannt gegeben wurde, griff der bisherige Oberhirte Radkovský zum Telefon und informierte Bischof Rudolf Voderholzer persönlich über seine Nachfolge. Und: Wenn Holub am 30. April in Pilsen zum Bischof geweiht wird, ist Voderholzer einer der Hauptzelebranten.

Holub ist mit 48 Jahren ein ausgesprochen junger Bischof. Das spiegelt sich auch in seinen Hobbys wieder, nach denen er bei einer Pressekonferenz im Regensburger Priesterseminar gefragt wird: Skifahren, Snowboarden, Tennis, Klettern und Fahrradfahren gehören dazu. Von 1996 bis 2006 leitete er die Katholische Militärseelsorge in Tschechien. Er begleitete militärische Einsätze in Bosnien, im Kosovo, im Irak und in Afghanistan. Zuletzt war er als Generalsekretär der tschechischen Bischofskonferenz tätig, was er für einen Vorteil hält. "Die anderen Bischöfe kenne ich schon ganz gut", schmunzelte er.

Freundschaft pflegen


Im Bistum Pilsen wolle er die Linie seines Vorgängers beibehalten, sagte Holub. Frantisek Radkovský, der aus Altersgründen als Bischof emeritiert und sich künftig für die tschechische Caritas engagieren will, galt als Oberhirte mit "offenen Armen" und in der Bevölkerung als bekannt und beliebt.

Zur Linie von Radkovský, der 1993 erster Bischof des neuerrichteten Bistums Pilsen wurde, gehörte immer auch der Brückenschlag nach Deutschland, ins Nachbarbistum Regensburg. Mit den Bischöfen Manfred Müller (1982 bis 2002) und Gerhard Ludwig Müller (2002 bis 2012) gab es eine freundschaftliche Zusammenarbeit. Bischof Voderholzer, der mütterlicherseits aus einer deutsch-böhmischen Familie stammt, nahm diese Tradition gerne auf. So wurde der Deutsche Katholikentag 2014 in Regensburg von der grenzüberschreitenden Freundschaft geprägt. Im vergangenen Dezember eröffneten die Bischöfe Voderholzer und Radkovský im böhmischen Kladrau eine gemeinsame Sternsingeraktion mit Hunderten von böhmischen und bayerischen Kindern.

"Viele Suchende"


Im vormals kommunistischen Tschechien hat die katholische Kirche bei weitem nicht den Stellenwert wie in Bayern. Gerade mal 17 Prozent der Einwohner im Bistum Pilsen sind katholisch - im Bistum Regensburg sind es 70 Prozent. Doch es gebe auch in Tschechien "viele Suchende", sagte Holub, der wie sein Vorgänger fließend Deutsch spricht. "Wir müssen Wege finden, an diese Leute heranzukommen."

Kritische Worte fand er zur harten Haltung der tschechischen Politik in der Flüchtlingsfrage. Das Land hat bislang sehr wenige Flüchtlinge aufgenommen. Er spreche sich gegen feindliche Strömungen und nationale Egoismen aus, betonte Holub. Vorgänger Radkovský wurde noch deutlicher. "Präsident Milos Zeman verhält sich sehr populistisch", sagte er. "Das ist schlimm."
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