Tourismus in Regensburg
Belastungsgrenze bei Kreuzfahrtschiffen erreicht

An der Anlegestelle auf der Donau herrscht mächtig Betrieb. Archivbild: Götz
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Regensburg
31.03.2016
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"Jetzt reicht's aber langsam mit den Touristen in der Stadt." Ein Satz, den man immer wieder von Regensburgern hört. Kommen dürfen gerne noch mehr, da sind sich Experten einig. Aber nicht per Schiff. Bei einer Podiumsdiskussion jüngst im Turmtheater sahen die Fachleute die Grenze bei den Touristenzahlen noch nicht erreicht. Lediglich der Schifffahrtstourismus solle nicht weiter ausgebaut werden, so das Fazit.

Peter Morsbach von den "Altstadtfreunden" erinnerte sich an die 70er Jahre, als er als junger Stadtführer einer "überschaubaren" Anzahl von Besuchern das "etwas angegammelte" Regensburg zeigte. Der Verkehr donnerte durch die Altstadt, am Samstag war die Stadt ab Mittag tot. Welch ein Unterschied zum heutigen Regensburg: "Die Gässchen gehören den Fußgängern, das pulsierende Leben steigert sich am Wochenende noch."

Verkehr einschränken


Wenn allerdings 50 Amerikaner, frisch von einem Kreuzfahrtschiff gestiegen, eine Altstadtgasse komplett blockieren, wenn an der Donaulände ein Dauerverkehr von Bussen, Taxis und Lieferwagen zu den Schiffen entsteht, dann ist das für Morsbach zu viel. "Der Tourismus findet seine Grenze, wo die Lebensqualität der Einheimischen leidet", sagte er.

Oberbürgermeister Joachim Wolbergs (SPD) beteuerte, man wolle die bisherigen Anlandungen von 1300 bis 1400 Schiffen pro Jahr nicht weiter erhöhen. Zwei geplante Anlegestellen würden gar nicht erst verwirklicht. Der Verkehr zur Donaulände werde deutlich eingeschränkt. "Dort wird der erste Poller gesetzt", sagte Wolbergs. Mit den Reedern wurde vereinbart, dass die Schiffsgäste nicht mehr mit Bussen zu Tagesausflügen abgeholt werden dürfen. Stadtführungen sollen künftig auf 25 Personen beschränkt werden. Ein großes Potenzial sehen die Touristikexperten im Tagungstourismus. "In Regensburg gibt es viele Forschungsinstitute und Unternehmen, die hier gerne mehr Kongresse abhalten würden", sagte Michael Quast, Geschäftsführer des Stadtmarketing Regensburg. Allein: Es fehlte bislang ausreichend Platz für Veranstaltungen mit mehr als 500 Personen. Das soll sich bald ändern: Zu den bestehenden Sälen im Kolpinghaus und im Antoniushaus gesellen sich Räumlichkeiten in der Continental-Arena, im Museum der Bayerischen Geschichte und im Marinaforum. Trotz dieses Angebots könne man sich die lange ersehnte und nun am Ernst-Reuter-Platz geplante Stadthalle nicht sparen, betonte Wolbergs. Die Veranstalter großer Kongresse bestünden auf ein tolles Drumherum, das sei vor den Toren der Altstadt gegeben. Das Regensburger Kultur- und Kongresszentrum (RKK) werde nicht zuletzt auch die Maximilianstraße - ein Sorgenkind in der Stadtplanung - aufwerten.

Als Segen bewertet Wolbergs den Tourismus für den Einzelhandel in der Altstadt. Hier könnten Umsätze, die durch die Konkurrenz im Internet wegfallen, kompensiert werden. Kathrin Fuchshuber, Juniorchefin des Hotels "Münchner Hof", bedauerte, dass kaum mehr traditionelle Handwerker in der Altstadt vorzufinden seien. Für Regensburg-Besucher wären sie eine Attraktion, sagte Fuchshuber. "Aber sie können sich die Mieten nicht mehr leisten."
Der Tourismus findet seine Grenze, wo die Lebensqualität der Einheimischen leidet.Peter Morsbach von den "Altstadtfreunden"
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