Überfall auf Regensburger Juweliergeschäft vor Gericht
Angeklagter gesteht Juwelenraub

Vier Männer hatten im August 2015 die Vitrinen im Regensburger Juweliergeschäft geleert. Von der Beute fehlt bis heute jede Spur. Symbolbild: dpa
Vermischtes
Regensburg
10.02.2016
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Der Bericht des Ermittlers gleicht einem "Tatort"-Drehbuch. Umso wortkarger war zunächst der 23-jährige Angeklagte. Schließlich legte der mutmaßliche Täter zum Prozessauftakt um den Raub bei einem Regensburger Juwelier aber ein umfassen-des Geständnis ab.

Am ersten Verhandlungstag vor der 7. Strafkammer des Landgerichts Regensburg wegen schweren Raubes, gefährlicher Körperverletzung in vier Fällen und Sachbeschädigung änderte der aus Litauen stammende Angeklagte nach einer detailreichen Zeugenaussage des Sachbearbeiters der Regensburger Kripo seine Meinung.

Wie berichtet, suchten vier maskierte Männer im August letzten Jahres das Juweliergeschäft heim. Mit Reizgas und zwei Äxten bewaffnet schüchterten sie das Verkaufspersonal ein, zertrümmerten die Glasvitrinen und entwendeten 35 Luxusuhren im Gesamtwert von 383 630 Euro. Nach nur 74 Sekunden war der ganze Spuk vorüber, und die Täter entkamen mit Fahrrädern, anschließend mit einem gestohlenen Pkw unerkannt. Eine Kripo-Beamtin, die privat unterwegs war, hatte den Überfall beobachtet. Als sie in das Geschäft wollte, um einzugreifen, blockte sie der Angeklagte mit einem Schub Reizgas ab. Daraufhin verständigte sie telefonisch ihre Kollegen. Zwei Tage später wurde der Angeklagte in Kelheim gefasst. Er war beim Versuch, ein Fahrrad zu stehlen, von einem Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes ertappt und festgehalten worden. Den Beamten der Polizeiinspektion Kelheim fiel die Ähnlichkeit mit einem der Regensburger Räuber auf, der von einer Überwachungskamera festgehalten wurde. Auch das Fluchtfahrzeug wurde bei Kelheim gefunden.

Anfangs stritt der Angeklagte eine Tatbeteiligung ab. Die ausgewerteten Videos und Ermittlungen ergaben jedoch, dass er bereits in Berlin wegen Autodiebstahls erkennungsdienstlich behandelt worden war. Auch war er wenige Tage vor dem Überfall in dem Juweliergeschäft, um die Örtlichkeit auszukundschaften. Die Überwachungskamera zeigte den Mann auch, als er beim Überfall unmaskiert das Geschäft betrat, seinen Komplizen die Türe aufhielt und dann dort stehenblieb. Erst dann schob er sich einen Schal ins Gesicht.

Übers Internet angeheuert


Mit diesen Erkenntnissen konfrontiert, legte er ein Geständnis ab. Demnach will er im Internet Arbeit gesucht haben. Drei Männer aus Russland hätten ihm einen Job in Spanien versprochen. Stattdessen sei die Fahrt in eine ihm völlig unbekannte Gegend in Deutschland gegangen. In Regensburg angekommen, sei er gezwungen worden, am Raubüberfall teilzunehmen. Dabei wurde ihm gedroht, dass andernfalls seiner Familie etwas zustoßen würde. Der Überfall und die Ausführung seien von den Hintermännern bis ins kleinste Detail geplant gewesen. Diese hätten auch die Äxte, das Reizgas und das Fluchtauto besorgt. Im Navi sei das Ziel programmiert gewesen.

Nach dem Überfall habe sich das Quartett mit den Russen getroffen und die Beute übergeben. Für die Tat sei ihm nichts versprochen worden und er habe auch nichts erhalten. Er kenne weder die Namen der Hintermänner, noch die seiner Komplizen. Ihnen sei verboten worden, sich mit Namen anzusprechen. Von der Beute fehlt bis heute jegliche Spur.

Auf die Spur seiner Komplizen kamen die Fahnder aufgrund der im Fluchtfahrzeug gesicherten DNA-Spuren. Einer der Täter befindet sich bereits in Deutschland in Untersuchungshaft, die beiden anderen warten in Litauen auf ihre Auslieferung. Ein Verdacht der Ermittler, dass das Quartett auch einen Raubüberfall in Mühldorf begangen haben könnte, ließ sich nicht erhärten. Der Prozess wird fortgesetzt. Das Urteil soll am 10. März verkündet werden.
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