Uni Regensburg forscht für neue Software
Frewillige Helfer vernetzen

Mehr als 3000 freiwillige Helfer fanden sich nach der Unwetterkatastrophe in Simbach am Inn ein. Forscher arbeiten nun daran, dieses Engagement per Software zu optimieren. Bild: dpa
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Regensburg
14.06.2016
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Hätte es noch keinen Forschungsansatz gegeben, das große Unwetter von Simbach am Inn hätte einen geliefert. An der Universität Regensburg entwickeln Informatiker ein mobiles Computersystem für freiwillige Helfer, die bei Katastrophen mit anpacken.

/Amberg. Wenn irgendwo in Deutschland in größerem Ausmaß Menschen in Not geraten, rollt in der Regel eine Welle der Hilfsbereitschaft an. Nicht nur professionelle Rettungskräfte eilen dann zum Ort des Geschehens, sondern oft auch Ehrenamtliche diverser Hilfsorganisationen und Privatleute. Nach dem verheerenden Unwetter im niederbayerischen Simbach am Inn hatten bei der Stadtverwaltung täglich bis zu 3000 Menschen ihre spontane Hilfe angeboten.

Grenzen sozialer Medien


Diese Angebote zu vernetzen und die Hilfe damit zu optimieren ist Ziel eines Projektes an der Universität Regensburg, für das das Bundesforschungsministerium 1,3 Millionen Euro zur Verfügung stellt. "Koordination ungebundener Vor-Ort-Helfer zur Abwendung von Schadenslagen (Kubas)" lautet der Projektname. Unter der Leitung von Professor Guido Schryen (Wirtschaftsinformatik) hat sich eine Arbeitsgruppe gegründet. "Naturkatastrophen oder soziale Problemlagen, wie die aktuelle Frage der Versorgung von Tausenden von Flüchtenden, stellen alle Beteiligten vor große Herausforderungen", erklärt der Professor.

"Gerade hier wird immer wieder das enorme Engagement freiwilliger Helfer und deren Bereitschaft zur Bewältigung der Situation offensichtlich. Allerdings stößt die zu beobachtende Selbstorganisation auf Seite der Helfenden, insbesondere über soziale Medien wie Facebook oder Twitter, in den meisten Fällen schnell an ihre Grenzen." Wenn zahlreiche Helfer in kurzer Zeit aktiv werden wollen, führe dies nicht selten dazu, dass sie beispielsweise an überfüllten oder bereits abgearbeiteten Einsatzorten ankommen, während an anderen Stellen hilfreiche Hände fehlen. "Die dabei entstehende Dynamik stellt offizielle Stellen vor eine Vielzahl neuer und bislang unbekannter Aufgaben", sagt Schryen.

Koordiniert einsetzen


"Bewährte Ansätze zur zielgerichteten Koordination freiwilliger vor-Ort-Helfer existieren derzeit nicht." Vor diesem Hintergrund soll das Projekt Kubas Lösungen und Verfahren entwickeln, die dabei helfen sollen, das enorme Potenzial der ungebundenen Helfer zielführend und koordiniert einzusetzen. Die Regensburger Arbeitsgruppe kooperiert dabei mit Kollegen der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, der Katastrophenschutzbehörde Halle und der Esri Deutschland GmbH. Gemeinsam wollen die Beteiligten ein innovatives IT-basiertes System entwickeln, das automatisiert zwischen dem Hilfsbedarf aufseiten der Katastrophenschutzbehörde und den Hilfsangeboten aus der Bevölkerung vermittelt. Die neue Kubas-Plattform soll in die bestehende IT des Katastrophenschutzes integriert werden und die freiwilligen Helfer über ihre gewohnten Kommunikationskanäle (Apps, Soziale Netzwerke oder Telefon) alarmieren und informieren.

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Weitere Informationen:

www.kubas.uni-halle.de

Bewährte Ansätze zur zielgerichteten Koordination freiwilliger Vor-Ort-Helfer existieren derzeit nicht.Professor Guido Schryen
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