Urteil im Regensburger Rocker-Prozess
Geldstrafe für NPD-Funktionär Roßmüller

Sascha Roßmüller (rechts) Vorstandsmitglied der bayerischen NPD, erhielt im Regensburger Rockerprozess eine Geldstrafe aufgebrummt. Links sein Verteidiger Bernd Weishäupl. Bild: dpa
Vermischtes
Regensburg
17.12.2015
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Am Mittwoch verurteilte die 5. Strafkammer des Landgerichts Regensburg unter Vorsitz von Richter Georg Kimmerl ein ehemaliges Mitglied des MC "Bandidos" Chapters Regensburg wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten. Der NPD-Politiker und ehemalige Secretary/Treasury des MC Bandidos Sascha Roßmüller (42), sowie zwei weitere Mitglieder der Rockerbande im Alter 48 und 47 Jahren wurden wegen Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung zu jeweils Geldstrafen von 80 Tagessätzen zwischen 15 und 40 Euro verurteilt.

Oberstaatsanwalt Klaus Dieter Fiedler hatte für den das Messer führenden "Hauptangeklagten", in dem er eine der treibenden Kräfte sah, eine Gesamtfreiheitsstrafe von sechs Jahren gefordert. Dabei berücksichtigte er auch die 16 Vorstrafen, wenngleich das letzte Urteil auf das Jahr 2005 zurückgeht. Sascha Roßmüller hielt er zugute, dass er keine Verletzungen gesetzt hat und bislang strafrechtlich nicht in Erscheinung trat. Bei ihm plädierte er auf eine Freiheitsstrafe von drei Jahren. Die beiden verbliebenen Angeklagten stufte Fiedler als Mitläufer ein, die unter Gruppenzwang gehandelt hätten. Jeder von ihnen sollte nach seinem Willen zweieinhalb Jahre hinter Gitter. Die Verteidiger plädierten durchweg auf Freispruch für ihre Mandanten, die sie als Opfer und nicht als Täter einstuften.

Zur Abreibung bestellt


Nach den Feststellungen der Staatsanwaltschaft soll Roßmüller an Weihnachten 2010 weitere Mitglieder des MC "Bandidos" nach Straubing bestellt haben, um Mitgliedern der konkurrierenden Rockerbande "Gremium" eine Abreibung zu verpassen. Zu diesem Zweck hielt sich das Quintett - ausgerüstet mit Schlagwerkzeugen, Messern und großen Reizgasbehältern - zunächst im Lokal gegenüber der Stammkneipe des MC "Gremium" auf. Als gegen ein Uhr nachts Bandenmitglieder vor dem Lokal rauchten habe ein anderer Angeklagter das Kommando zu Angriff gegeben. Die Angeklagten und weitere Mitglieder des MC "Bandidos" sollen daraufhin bewaffnet auf die Straße gestürmt sein und die späteren Geschädigten massiv angegriffen haben. Als diesen der Wirt des "Blackout" zur Hilfe eilte sei er von Roßmüller und einem weiteren Bandenmitglied mit Messern angegriffen worden. Von dieser Attacke trug er einen sieben bis acht Zentimeter langen Schnitt im Gesicht und eine kleinere Schnittwunde am rechten Zeigefinger davon. Ein weiteres Mitglied des MC "Gremium" erlitt Stich- und Schnittverletzungen und Abschürfungen am Kopf. Andere wurden mit Reizgas besprüht und mit Füßen getreten. Auch der 48-jährige Mitangeklagte erlitt so schwere Schnittverletzungen, dass er im Krankenhaus behandelt werden musste.

Nach Überzeugung der Strafkammer, so der Gerichtsvorsitzende in seiner mündlichen Urteilsbegründung, sei die Auseinandersetzung "nicht von langer Hand geplant" gewesen. Die Strafkammer zeigte sich davon überzeugt, dass Ursache der Spannungen der frühere Ausstieg des Haupttäters beim MC "Gremium" war. Auch in der Tatnacht konnte der Maschinenbauer sicher sein, dass ihn seine Kumpel nicht alleine lassen würden. In dem seit Monaten währenden Prozess konnten am Ende nur die Stich- und Schnittverletzungen des Gastwirts aufgeklärt werden.
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