Vermisste Personen in der Oberpfalz
Wie vom Erdboden verschluckt

Ein Absperrband der Polizei in einem Waldstück. Dieses Bild bietet sich immer, wenn alle Hoffnung verloren ist, dass Vermisste noch lebend gefunden werden können. Bild: dpa
Vermischtes
Regensburg
05.07.2016
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Einen "Fall Peggy" gibt es in der Oberpfalz nicht. Vermisst gemeldete Kinder tauchen in der Regel schnell wieder auf. Das Verschwinden von sechs Erwachsenen bleibt hingegen mysteriös.

"Es ist kein Kind bekannt, dass seit längerer Zeit verschwunden ist und vergleichbar mit dem Fall Peggy ist", sagt Albert Brück, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz, am Dienstag auf Nachfrage. Allerdings gebe es mehrere unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, die in der Oberpfalz untergebracht waren und nun vermisst gemeldet sind. Man gehe in diesen Fällen davon aus, dass die meisten jungen Leute auf dem Weg zu Verwandten oder Angehörigen sind.

Relativ häufig werden Kinder und Jugendliche bei der Polizei als vermisst gemeldet, weil sie zum Beispiel nicht in der Schule ankommen oder abends nicht rechtzeitig zu Hause sind. Fast immer tauchen sie nach relativ kurzer Zeit wieder auf. "In der absoluten Masse der Fälle klärt sich das glücklicherweise innerhalb weniger Stunden, weil das Kind zum Beispiel bei Freunden war und beim Spielen die Zeit vergessen hat", sagt Brück.

Liebeskummer als Motiv


Bei Jugendlichen würden die Gründe für das vorübergehende Verschwinden häufig im persönlichen Bereich liegen. Schulischer Druck oder Liebeskummer könnten der Anlass für das ungewöhnliche Wegbleiben sein. Sobald ein Kind als vermisste gemeldet wird, laufe bei der Polizei eine "große Maschinerie" an.

Brück appelliert an die Eltern, sich "lieber eher als später" an die Polizei zu wenden. Betroffene würden in einer solchen Situation verständlicherweise emotional reagieren, die Polizei bringe die Suche nach dem Kind auf eine sachliche Ebene. Die Beamten seien erfahren und würden nach einer bestimmten Struktur vorgehen, etwa alle üblichen Kontaktpersonen des Kindes abklappern. Bleibt die Suche erfolglos, löst die Polizei nach einer gewissen Zeit eine Öffentlichkeitsfahndung aus.

In diesem Jahr wurden in der Oberpfalz bislang insgesamt 557 Personen - Kinder, Jugendliche und Erwachsene - als vermisst gemeldet. Im vergangenen Jahr lag die Zahl zum gleichen Zeitpunkt bei 470. In der Regel tauchen die Personen relativ schnell wieder auf. Den Anstieg führt Brück wiederum auf die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge zurück, die derzeit in der Region untergebracht sind.

Fälle immer wieder geprüft


Sechs Erwachsene stehen derzeit auf der Vermissten-Liste der Oberpfälzer Polizei. In diesen Fällen, die bis in das Jahr 2007 zurück gehen, ließ sich bis heute nicht klären, wo die Personen abgeblieben sind. Jeder Vermissten-Fall habe einen eigenen polizeilichen Sachbearbeiter, erklärt Brück. Auch wenn es keine heiße Spur gibt, würden die Fälle turnusmäßig immer wieder geprüft. Wenn keinerlei Hinweise auf ein Gewaltverbrechen vorliegen, würden solche Fahndungen mit dem zu erwartenden natürlichen Ableben der vermissten Person abgeschlossen. Schon beim geringsten Zweifel, ob es doch zu einem Verbrechen gekommen sein könnte, bleibe die Akte aber geöffnet - auch wenn der Verschwundene auch auf natürliche Weise längst gestorben sein müsste.

HintergrundDer Fall Baumer

Für das wohl größte Aufsehen sorgte in den vergangenen Jahren der Vermissten-Fall Maria Baumer . Die damals 26-Jährige, die aus Muschenried (Kreis Schwandorf) stammte und in Regensburg lebte, verschwand im Mai 2012 spurlos. Im September 2013 wurden ihre sterblichen Überreste in einem Wald bei Bernhardswald (Kreis Regensburg) gefunden. Baumers Ex-Verlobter galt als dringend tatverdächtig und kam in U-Haft, wurde jedoch nach einer Neubewertung der Ermittlungsergebnisse wieder entlassen. Die Ermittlungen im Fall Maria Baumer würden weiterlaufen, sagt Theo Ziegler, Sprecher der Staatsanwaltschaft Regensburg, am Dienstag gegenüber unserer Zeitung. Er hofft, dass der Fall in diesem Jahr abgeschlossen werden kann.

Gegen Baumers Ex-Verlobten erhob die Staatsanwaltschaft Regensburg im April dieses Jahres Anklage wegen einer Reihe anderer Straftaten. Unter anderem soll er zwei Schüler des Domspatzen-Gymnasiums sexuell missbraucht haben. Das Landgericht Regensburg hat über die Zulassung der Klage noch nicht entschieden.

Der Fall Monika F.

Bereits am 25. Mai 1976 verschwand die damals zwölfjährige Monika F. aus Flossenbürg (Kreis Neustadt/WN.). Die Schülerin verließ am Nachmittag die elterliche Wohnung, um sich mit einem Bekannten zu treffen. Im Juli 2001 sagte der damalige Polizei-Pressesprecher Thomas Gallei unserer Zeitung: "Wir wissen bis heute nichts Genaues. Die Spurenlage ist sehr dünn." Die Beamten ermittelten in alle Richtungen, zunächst ergebnislos. Monika blieb verschwunden.

Jahre nach ihrem Verschwinden wurden die Recherchen neu aufgerollt. Nach einem Hinweis aus der Bevölkerung wurde tatsächlich ein Tatverdächtiger festgenommen, der sich bei den Vernehmungen in Widersprüche verstrickte. Doch der Beschuldigte, der das Mädchen kannte, leugnete die Tat. Die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren mangels Beweisen ein - wohl auch deshalb, weil keine Leiche gefunden wurde. Eine theoretische Chance, den Fall aufzuklären, hätte es nur gegeben, wenn der Leichnam des Mädchens entdeckt worden wäre.


In der absoluten Masse der Fälle klärt sich das glücklicherweise innerhalb weniger Stunden, weil das Kind zum Beispiel bei Freunden war und beim Spielen die Zeit vergessen hat.Albert Brück, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz

Die Vermissten Sechs - Nach diesen Oberpfälzern wird seit Jahren gesucht


Die am längsten verschwundene Oberpfälzerin ist Kerstin Langley aus Regensburg. Im Sommer 2007 meldete ihr Bruder die damals 39-Jährige als vermisst. Für die Kripo Regensburg liegt der Verdacht nahe, dass die Frau Opfer eines Gewaltverbrechens wurde. Die Ermittlungen gegen den tatverdächtigen, ehemaligen Lebensgefährten der Frau wurden 2012 wegen mangelnder Beweise eingestellt.



Seit Oktober 2007 fehlt jede Spur von Brigitte Neumayr aus Regensburg. Die 60-Jährige wurde damals wegen einer kriminalpolizeilichen Unterrichtung benötigt. Alle Versuche, die rothaarige Frau, die zuvor im Regensburger Vermessungsamt beschäftigt war, ausfindig zu machen, blieben jedoch erfolglos.




Verschwunden ist seit August 2011 der damals 59-jährige Lorenz Hornauer aus Schorndorf (Kreis Cham). Der Mann war gesundheitlich angeschlagen, die Trennung von seiner Familie war geplant. Die Polizei schließt einen Suizid nicht aus.





Im Juni 2012 wurde Anna Poddighe, damals 41, aus Amberg zum letzten Mal gesehen. Nach der Schilderung ihres Lebensgefährten hatte sich die gebürtige Italienerin von der gemeinsamen Wohnung allein auf den Weg gemacht, um das Altstadtfest zu besuchen - seitdem ist sie verschwunden. Die Polizei zieht auch eine mögliche Gewalttat in Betracht.




Ebenfalls im Juni 2012 verschwand der 63-jährige Matthias Mayer aus Velburg (Kreis Neumarkt). Nach dem jetzigen Kenntnisstand ist laut Polizei von keinem Gewaltverbrechen auszugehen.





Im Dezember 2013 wollte sich der 66-jährige Anton Thanner aus Neukirchen b. Hl. Blut (Kreis Cham) wegen einer Operation ins benachbarte Tschechien begeben. Ein Freund des Mannes hatte den auf einem Großparkplatz abgestellten Wagen des Mannes abgeholt, danach aber kein Lebenszeichen von Thanner mehr erhalten. Bis heute fehlt jede Spur von ihm.

Mehr im Internet: http://www.polizei.bayern.de/oberpfalz/fahndung/personen/vermisste/

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