Wasserversorgungsbilanz für die Oberpfalz
Wasser ungleich verteilt

Wasser ist die politischste Ressource.
Vermischtes
Regensburg
17.02.2016
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Wie selbstverständlich sprudelt das Wasser aus unseren Leitungen, 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. Wie viel Arbeit dahinter steckt, wurde bei der Vorstellung der Wasserversorgungsbilanz für die Oberpfalz am Dienstag in Regensburg deutlich.

Klimawandel und Nitratbelastung machen die Aufgabe nicht leichter. Mit einem abschreckenden Beispiel aus den USA eröffnete Regierungspräsident Axel Bartelt die Veranstaltung: Um Kosten zu sparen, koppelte sich die 100 000-Einwohner-Stadt Flint vom Trinkwassernetz Detroits ab und versorgte die Einwohner mit unzureichend aufbereitetem Flusswasser. Die fatalen Folgen: Hautausschlag und Erbrechen bei Bewohnern, große Schäden im Leitungssystem.

Keine Privatisierung


Für Bartelt ergibt sich daraus nur ein Schluss: "Sauberes Wasser ist lebensnotwendig und als zentrales Element der Daseinsvorsorge nicht verhandelbar." Damit verbindet er auch eine Absage an jegliche Privatisierungsgedanken. "Die dezentral organisierte öffentliche Wasserversorgung ist ein Erfolgsmodell", sagte Bartelt im Spiegelsaal der Regierung der Oberpfalz vor rund 100 Vertretern aus der Wasserwirtschaft sowie aus den Kommunen. Allerdings gebe es auch in der Oberpfalz Herausforderungen. "Rund 33 Prozent des Rohwassers weist Nitratgehalte von 25 Milligramm und mehr auf. Bei 3 Prozent liegt der Nitratgehalt über dem Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter. Diese Werte sind mir zu hoch", warnte der Regierungspräsident.

Hintergrund sei, dass es in der Oberpfalz weniger Niederschlag als etwa in Oberbayern gebe und das Grundwasser durch geologische Strukturen weniger Schutz finde. "Umso mehr müssen wir gemeinsam an einer Verbesserung der Situation arbeiten." Die Ergebnisse der Wasserversorgungsbilanz stellten die Leiter der regionalen Wasserwirtschaftsämter, Matthias Rosenmüller (Weiden) und Josef Feuchtgruber (Regensburg), vor. Die zentrale Botschaft: Das Grundwasservorkommen in der Oberpfalz ist ausreichend, regional allerdings ungleich verteilt. Vor allem im Oberpfälzer und im Bayerischen Wald könnte das Grundwasser in heißen Sommern künftig knapp werden. Um Engpässe zu vermeiden, sollen sich die Wasserversorger noch besser vernetzen und Verbünde gründen, rieten die Experten.

Die Versorgung von 76 Prozent der Bürger gilt der Bilanz zufolge als sicher. 20 Prozent der Bevölkerung decken ihren Trinkwasserbedarf aus Anlagen mit eingeschränkter, 4 Prozent mit stark eingeschränkter Versorgungssicherheit. Bei letzteren Anlagen bestehen meist strukturelle Defizite, weil ein zweites Standbein fehlt. Der Trend geht hin zu größeren Einheiten: Im Bereich des Wasserwirtschaftsamts Regensburg reduzierte sich die Zahl der Quellen und Brunnen in den vergangenen 25 Jahren um 108 auf 615, im Bereich Weiden sank die Zahl um 219 auf 663.

Eine "politische Ressource"


Dass Wasser - je nachdem ob zu viel oder zu wenig davon vorhanden ist - gesellschaftlichen Sprengstoff darstellt, betonte Professor Martin Grambow vom Bayerischen Umweltministerium. "Wasser ist die politischste Ressource." Wo Hochwasser auftreten oder Dürre herrscht, könnten Regionen schnell destabilisiert werden. "Für Flüchtlinge war oft der letzte Auslöser dafür, dass sie ihre Heimat verließen, dass das Trinkwasser abgestellt wurde." Der Klimawandel verschärfe aber auch die Lage hier vor Ort, wie das Hochwasserjahr 2013 und der extrem trockene Sommer 2015 gezeigt hätten.
Wasser ist die politischste Ressource.Professor Martin Grambow, Bayerisches Umweltministerium


Viel Nachfrage bei SteinwaldgruppeDer größte Wasserversorger in der nördlichen Oberpfalz ist die Steinwaldgruppe, die über 30 Gemeinden in den Kreisen Neustadt/WN und Tirschenreuth mit Trinkwasser beliefert. Der trockene Sommer 2015 habe für ein "Rekordjahr" gesorgt, berichtete Geschäftsleiter Bernhard Eigner unserer Zeitung am Rande der Wasserversorgungsbilanz in Regensburg. Viele Gemeinden waren auf zusätzliche Wasserlieferungen der Steinwaldgruppe, die über bis zu 160 Meter tiefe Brunnen verfügt, angewiesen. Eine Umfrage unter den Abnehmern habe ergeben, dass die Gemeinden bis 2025 noch deutlich mehr Wasser anfordern wollen. Die Gemeinden würden wohl Klimaänderungen erwarten oder mit dem Gedanken spielen, die eigene Wasserversorgung aufzugeben, vermutet Eigner, warnt aber auch: "Alles kann die Steinwaldgruppe nicht machen." (gib)
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