Weitere Missbrauchsopfer gemeldet
Domspatzen-Skandal weitet sich aus

Vermischtes
Regensburg
20.01.2016
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Der Zwischenbericht zu den Missbrauchsfällen bei den Regensburger Domspatzen hat offenbar weitere Betroffene ermutigt, sich zu melden. Seit der Pressekonferenz hätten 60 weitere Personen von körperlicher Gewalt berichtet, erzählte Anwalt Ulrich Weber.

Regensburg/Berlin. "Meine Neutralität ist der Grund dafür, dass sich erneut Opfer bei mir melden. Sie haben den Eindruck, bei mir Gehör zu finden", sagte Weber am Dienstag dem BR. Im Zwischenbericht wurden 231 Fälle von Misshandlung und 62 Fälle sexueller Gewalt aufgelistet. Das Bistum Regensburg wollte sich nicht äußern. "Unabhängigkeit bedeutet, dass wir die Arbeit von Herrn Weber nicht kommentieren", so ein Sprecher.

Gleichzeitig erhob ein früheres Mitglied des weltberühmten Knabenchors den Vorwurf, viele Lehrer seien nicht nur gewalttätig und sexuell übergriffig gewesen, sondern hätten auch eine NS-Vergangenheit gehabt. "Das waren ja lauter frühere SA-, SS- und NSDAP-Leute, die an einer normalen Schule nicht unterrichten durften", sagte Udo Kaiser der Berliner "Taz". Es werde aber nichts zur Aufklärung getan.

Geschichte wird geprüft


Das Bistum erklärte dazu, es gebe bereits einen Untersuchungsauftrag zur Geschichte der Domspatzen. Sobald dieser abgeschlossen sei, könne man sich auch dazu qualifiziert äußern. Kaiser war im Alter von acht Jahren zu den Domspatzen gekommen und hatte fünf Jahre Vorschule und Gymnasium des Chores besucht. In dieser Zeit sei er sexuell missbraucht worden; das Bistum Regensburg habe dies bis heute aber nicht anerkannt.

Weber attestierte im BR einem weiteren Opfer, glaubwürdig zu sein. Alexander Probst gibt an, in den 1970er Jahren von seinem Präfekten ein Jahr lang missbraucht worden zu sein. Als er seinen Eltern davon erzählt habe, habe sein Vater den damaligen Domkapellmeister Georg Ratzinger damit konfrontiert und seinen Sohn von der Schule genommen. Zu der Frage, ob der Bruder des emeritierten Papstes Benedikt XVI. von sexuellem Missbrauch gewusst habe, habe Weber sich laut BR bedeckt gehalten. Der Anwalt verwies auf den Bericht, den er nach Abschluss seiner Tätigkeit vorlegen wolle.
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