Wettbewerb von Ingenieursstudenten
Junge Brückenbauer

Sie waren die Favoriten. Doch beim Traglast-Test flatterten ihnen die Nerven: die späteren Sieger (kniend von links) Elisabeth Weiß, Alexander Bauer und Michael Raum vor ihrer Brücke. Professor Joachim Gschwind (ganz links) leitet das Labor für Tragsysteme an der Hochschule und überwachte die Tests. Bild: Gibbs
Vermischtes
Regensburg
18.12.2015
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Bauingenieurstudenten messen sich im Wettbewerb - mit Brücken aus Papier und Pappe. So lernen sie fürs Berufsleben, für Brücken aus Stahl und Beton.

Die Erbauer der Steinernen Brücke in Regensburg erschufen ein Meisterwerk mittelalterlicher Baukunst. Nicht minder ehrgeizig geht am Mittwoch eine Gruppe von Bauingenieurstudenten beim zwölften Brückenbauwettbewerb der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) Regensburg ans Werk.

Man könnte eine Stecknadel fallen hören, so leise ist es, als das Favoritenteam um Alexander Bauer antritt. Vorsichtig legen die drei Studenten ihre gut ein Kilo schwere Papp-Brücke in das Test-Gerät. Dann wird es ernst: Eine hydraulische Presse übt stetig immer mehr Druck aus, die Brücke biegt sich unter der Belastung - hält aber Stand. Bei 424 Kilo Traglast knackst es. Enttäuschte Gesichter bei Alexander Bauer und seinen Teamkollegen. "Ich hätte mir mehr erwartet", sagt Bauer - dabei reicht es am Ende für den Sieg. Bauer ist im Master-Studium, nimmt zum vierten Mal an dem Wettbewerb teil. Zusammen mit Elisabeth Weiß und Michael Raum, die im Bachelor-Studium stecken und erstmals mitgemacht haben, wollte er ein früheres Modell optimieren. Was ihn antreibt? "Ich will einfach wissen, ob sich eine neue Konstruktion besser unter Beweis stellen kann."

Diesmal hat das nicht ganz geklappt. Sein Team fährt zwar den Sieg ein: Das Verhältnis Traglast zum Eigengewicht der Brücke, auf das es beim Wettbewerb ankommt, liegt bei knapp 399, das beste Ergebnis unter den acht Teams. 2013 schaffte eine von Bauer mitkonstruierte Brücke aber schon ein Verhältnis von 522.

Was nehmen die Studenten aus dem Wettbewerb mit? "Dass ich es in der Praxis besser mache", sagt Raum. Gut 20 Stunden hatten die Sieger an ihrer Brücke gebastelt. Wie alle anderen Teilnehmer durften sie nur die von der Fachschaft ausgegebenen Materialien benutzen: Karton, Kleber und Schnur. "Die Studenten lernen, Schwachstellen herauszufinden und die Vor- und Nachteile bestimmter Tragwerk-Systeme zu erkennen", erklärt Professor Joachim Gschwind, der den Wettbewerb vor zwölf Jahren ins Leben gerufen hat und bis heute leitet. Die Studenten machen dabei wichtige Erfahrungen für die Arbeit als Bauingenieur, denn: "Im richtigen Leben sind die Brücken nicht aus Karton, fehlerhafte Bauwerke müssen teils für viele Millionen Euro saniert werden." Zum Beispiel lernen die Studenten, dass es nicht schlecht sein muss, wenn sich eine Brücke verformt. Das sei vielmehr ein Warnsignal, dass sie bald brechen könnte.

Legendärer Sieger von 2012


Warum ein Brückenbauwettbewerb? "Die Brücke ist ein klassisches Bauwerk für Bauingenieure. Es geht zunächst nicht um das architektonische Design, sondern um die Traglast." Dass die Wettbewerbsbeiträge teils sehr attraktiv kreiert sind, ist ein schöner Nebeneffekt, wird aber nicht bewertet. Es zählt allein die Traglast im Verhältnis zum Eigengewicht. Legendär ist die Siegerbrücke von 2012: Sie war rund 15 Kilo schwer und schaffte eine Traglast von sage und schreibe fünf Tonnen. Das Modell ist heute in einem Schaukasten an der OTH ausgestellt.
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