Wien als Vorbild für Regensburg
Rezepte gegen "Bau-Panik"

Über Wohnen in Ballungsräumen sprachen (von links) Ricarda Pätzold vom Deutschen Institut für Urbanistik, Christoph Chorherr, Landtagsabgeordneter in Wien, Elisabeth Merk, Stadtbaurätin von München, und der Regensburger Landtagsabgeordnete Jürgen Mistol. Bild: gib
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Regensburg
11.04.2016
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Wien ist nicht nur wegen Sehenswürdigkeiten wie dem Riesenrad, dem Prater oder dem Stephansdom eine Stadt, in der es sich gut leben lässt. Die Metropole bietet nachhaltigen, bezahlbaren Wohnraum. Bild: dpa

Die Menschen ziehen wieder vermehrt in die Städte. Bezahlbarer Wohnraum wird dort deshalb knapp. In manchen Städten macht sich derzeit eine wahre "Bau-Panik" breit. Doch wie dicht kann man eine Stadt bebauen, ohne dass sich Menschen beengt fühlen?

Studenten und Azubis ziehen zur Ausbildung in die Städte, junge Familien bleiben dort wohnen, die Generation 50 plus will zurück in den urbanen Raum, dazu kommen die Zuwanderer, die in die Städte streben. Kurz gesagt: Es wird voll in den deutschen Ballungsräumen. Gleichzeitig haben ländliche Regionen mit Abwanderung zu kämpfen.

Um Herausforderungen rund um das Thema Wohnen geht es bei der Fachgesprächsreihe "Bauen - Wohnen - Grüner leben", mit der die Grünen-Fraktion im Landtag derzeit durch Bayern tourt. Nun machte das Diskussionsforum im Regensburger Kaisersaal mit dem Thema "Wohnraumversorgung in Ballungsräumen" Station.

"Bayern ist sehr heterogen, einige Regionen wachsen, andere schrumpfen, was die Einwohnerzahl angeht. Die Instrumente auf Landesebene müssen darauf angepasst werden", sagte der Regensburger Grünen-Landtagsabgeordnete Jürgen Mistol. In den Ballungsräumen gehe es darum, nachhaltig und doch bezahlbar zu bauen. Lernen könnten die deutschen Städte dabei von Wien, meinte Mistol. Daher hatte er seinen Grünen-Kollegen Christoph Chorherr, Gemeinderat und Landtagsabgeordneter in Wien eingeladen.

Immobilien-Tycoon Wien


Das Geheimrezept der österreichischen Hauptstadt? "Wir haben 220 000 Gemeindewohnungen. Die Stadt ist der größte Immobilienbesitzer in Wien", sagte Chorherr. Dadurch könne die Stadt auf die Wohn- und Preisgestaltung Einfluss nehmen. Wenn die Stadt neue Bebauungsflächen ausweist, gebe es außerdem strenge Auflagen. In neuen Wohngebieten gelte im Erdgeschoss ein Wohnungsverbot - so dass sich auch Geschäfte und Dienstleistungsgewerbe ansiedeln. Umgekehrt würden Supermärkte dazu verpflichtet, über ihren Verkaufsflächen Wohnungen zu bauen.

Ganz klar "Ja zur Dichte" sagt Chorherr - und deutet dabei aus dem Fenster des Kaisersaals auf die Regensburger Altstadt: "Aus der ganzen Welt kommen Menschen in die am dichtesten besiedelten Orte, unsere mittelalterlichen Städte." Zudem sei Dichte ökologisch richtig: Dank der kurzen Wege würden die Menschen vom Auto aufs Fahrrad oder den öffentlichen Nahverkehr umsteigen.

Elisabeth Merk, Stadtbaurätin von München, gab zu bedenken, dass man die kulturelle Akzeptanz in der Frage, wie nahe Menschen zusammen leben können, berücksichtigen müsse. Dabei würden technische Kennwerte weniger helfen als ein Raumgefühl vor Ort. Auch die Architektur spiele eine wesentliche Rolle.

"Städte nicht unterschätzen"


Zu etwas Gelassenheit riet Ricarda Pätzold vom Deutschen Institut für Urbanistik den in Bau-Panik geratenen Städten. In Berlin etwa seien noch vor ein paar Jahren 6000 Wohnungen pro Jahr gebaut worden, jetzt sollen es plötzlich 20 000 sein.

"Man sollte die Aufnahmefähigkeit der Städte nicht unterschätzen", sagte Pätzold. Die Menschen würden sich auf die veränderte Situation einstellen, eher in Wohngemeinschaften ziehen oder sich mit weniger Platz zufrieden geben, glaubt sie.
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