Wo Tradition die erste Geige spielt

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Regensburg
28.11.2014
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Seit drei Generationen baut und restauriert die Familie Goldfuss hochwertige Streichinstrumente.

Alles in der Werkstatt Goldfuss hat Stil, vom goldenen Klingelknopf an der Türe bis zur klassischen Musik, die in den Arbeitsräumen läuft. In der dritten Generation bauen, restaurieren und vermitteln die Geigenbaumeister hochwertige Streichinstrumente. Das derzeit wertvollste Stück im Laden kostet rund 220 000 Euro.

Thomas Goldfuss ist gewissermaßen in der Werkstatt seines Vaters Horst groß geworden. Von Kindheit an mochte er es, mit Holz umzugehen, bald stand fest, dass er die Geigenbauertradition seiner Familie fortführt. Den Grundstein für die Tradition hatte der verstorbene Großvater Johann gelegt, der aus Wildstein bei Eger im böhmisch-sächsischen Musikwinkel stammte. Nach Krieg und Gefangenschaft ließ er sich in Schwandorf mit einem Musikgeschäft und einer Werkstatt nieder.

Neue Geigen-Heimat

Seit 1985 hat der Geigenbau Goldfuss am Schwanenplatz in Regensburg seine Heimat. Eine perfekte Lage für die Werkstatt und das Geschäft: ruhig und doch zentrumsnah. Und wenn 2018 das Museum der Bayerischen Geschichte am Donaumarkt eröffnet, liegen die Geigenspezialisten nur wenige Schritte von dem prominenten Bau entfernt.

Wichtig ist auch, dass der Bahnhof in der Nähe ist, denn die Kundschaft der Geigenbauer kommt aus ganz Deutschland und darüber hinaus. Es handelt sich dabei um Orchestermusiker, um Sammler, um Privatleute, die ihre wertvollen Instrumente nur der Familie Goldfuss anvertrauen. Die Geigenbauer profitieren dabei von den Kontakten, die sie in drei Generationen gesammelt haben. Thomas Goldfuss nimmt aber auch die Durchschnittsgeige eines Schülers zur Reparatur an. "Das sind die Kunden von morgen", betont er.

Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf der Wartung, neu gebaut werden in der Werkstatt Goldfuss nur mehr zwei bis drei Streichinstrumente pro Jahr. Der Neubau ist enorm zeitintensiv, etwa zwei Monate arbeitet ein Spezialist daran. Entsprechend hoch ist der Preis: Ein Meisterinstrument kostet zwischen 8000 und 25 000 Euro, ein Orchesterinstrument bis zu 6000 Euro. Eine industriell hergestellte Schülergeige gibt es hingegen bereits für ein paar Hundert Euro. Die industriell produzierten Instrumente kommen heute hauptsächlich aus China, in Europa wird nur mehr das hochwertige Segment bedient.

Doch der Markt insgesamt hat sich stark nach Asien verlagert, von Japan aus breitete sich dort ab der 1930er Jahren die Liebe zu klassischer Musik aus - was nicht ohne Folgen für die Instrumente der alten Meister blieb.

Reisen quer durch Asien

Thomas Goldfuss erzählt von Orchesterreisen quer durch Asien, bei denen 400 Jahre alte Geigen verschiedensten Klimazonen von feucht bis trocken-heiß ausgesetzt sind. "Das beansprucht die Instrumente unglaublich, die von der Grundkonstruktion her auf europäisches Wetter ausgerichtet sind." Für die Geigenbauer bedeutet das viel Restaurations-Arbeit.

Die Meisterinstrumente aus den berühmten Geigenbau-Häusern stammen aus dem 17., 18. oder 19. Jahrhundert, wurden aber immer wieder an die Anforderungen der jeweiligen Zeit angepasst. So musste eine Geige damals vielleicht nur 30 Zuhörer an einem fürstlichen Hof unterhalten, heute sitzen in Konzerthallen bis zu 4000 Menschen.

Historische Instrumente werden mittlerweile wie Kunst gehandelt, die Preisskala nach oben hin ist offen. Das wertvollste Stück, das Thomas Goldfuss derzeit in seinem Geschäft hat, ist eine Geige, die um 1700 von Alessandro Gagliano in Neapel gefertigt wurde: Sie kostet rund 220 000 Euro und ist sicher in einem Safe verstaut.
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