Zahnarzt wegen Meineids und uneidlicher Falschaussage ab Mittwoch in Regensburg vor Gericht
Für Gustl Mollath gelogen?

Gustl Mollath vor Verhandlungsbeginn im Landgericht in Regensburg. Ein Zeuge im Fall Mollath steht ab Mittwoch wegen Meineides vor Gericht. Archivbild: dpa
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Regensburg
20.03.2017
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Ein Zahnarzt und Freund von Gustl Mollath muss sich ab Mittwoch vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts Regensburg wegen Meineids und uneidlicher Falschaussage verantworten. Er soll im Juni 2013 vor dem Untersuchungsausschuss "Fall Mollath" des Landtags und im Juli 2014 vor der 6. Strafkammer des Landgerichts Regensburg zugunsten seines Freundes in dessen Wiederaufnahmeverfahren falsch ausgesagt haben.

Der Dentist war mit den Eheleuten Mollath seit Jahren eng befreundet, deren Beziehung er als "hundertprozentig harmonisch" einstufte. Die beiden Männer teilten ihr Faible für schnelle Sportwagen. Doch dann kam der Tag, an dem ihm Gustl Mollath zum ersten Mal etwas von unseriösen Geldgeschäften seiner Ehefrau - einer Bankerin - erzählt habe, von denen er einiges mitbekommen haben will und die ihn schwer belasten würden. Von da an sei eine "gewisse Disharmonie" zu spüren gewesen. Vor dem Untersuchungsausschuss und dem Landgericht berichtete der nunmehrige Angeklagte, dass er im Mai 2002 von Mollaths Ehefrau angerufen worden sei. Diese habe ihm auf dem Anrufbeantworter eine Nachricht hinterlassen, etwa mit dem Inhalt, er solle sich doch mal mit dem Gustl befassen, der mische sich in ihren Beruf ein, sie lasse sich das nicht mehr gefallen.

Da er hierauf nicht reagiert habe, sei er exakt am 31. Mai 2002 erneut von der hysterisch klingenden Frau Mollath angerufen worden. Dabei habe sie ihm wörtlich mitgeteilt "Wenn Gustl mich und meine Bank anzeigt, mache ich ihn fertig. Ich habe sehr gute Beziehungen, dann zeig' ich ihn auch an. Das kannst du ihm sagen: Der ist doch irre, den lass ich auf seinen Geisteszustand überprüfen. Dem häng' ich was an, und ich weiß auch schon, was. Wenn er die Klappe hält, kann er 500 000 Euro von seinem Vermögen behalten". Den Inhalt dieses Telefongesprächs will sich der Angeklagte sofort auf seiner Schreibtischunterlage notiert haben. Wie bereits zu Beginn seiner Vernehmung wurde der Angeklagte nach seiner Aussage - welche im Wortlaut protokolliert wurde - von der Gerichtsvorsitzenden nochmals eindringlich belehrt und auf seine Wahrheitspflicht hingewiesen. Immerhin seien falsche Aussagen mit empfindlichen Strafen bedroht: Bei einer uneidlichen Falschaussage beträgt der Strafrahmen zwischen drei Monaten und fünf Jahren Freiheitsstrafe, bei einem Meineid sind es zwischen einem und fünfzehn Jahre. Als ihm eröffnet wurde, dass er seine Angaben zu beeiden habe, wollte der Angeklagte diesen Eid nur in Bezug auf seine "Kernaussage" beschwören. Nach einem Hinweis, dass dies nicht gehe, entschloss er sich dazu, umfassend zu schwören.

Kein Telefongespräch


Nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft hat das vom Angeklagten behauptete Telefongespräch zu keiner Zeit stattgefunden. Auch soll er die zeitnahe Notiz auf seiner Schreibtischunterlage erst Jahre später gefertigt haben. Für den Prozess sind acht Verhandlungstage angesetzt, das Urteil ist für Ende April geplant.
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