Zeit- und Schichtarbeit als Risikofaktoren
Wenn Arbeit psychisch krank macht

Arbeit ist grundsätzlich etwas sehr Positives, sie stärkt das Selbstwertgefühl.
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Regensburg
09.05.2016
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Wer am Arbeitsplatz dauerhaft überlastet ist, kann psychisch krank werden. Aber auch wer seine Arbeit verliert, kann in eine seelische Krise geraten. Um den Betroffenen besser helfen zu können, sollen Mediziner sowie Berater aus Arbeitsagentur und Jobcenter künftig stärker zusammenarbeiten. Das war die Botschaft einer Fortbildungsveranstaltung des Bezirks Oberpfalz.

Die Gründe, warum Arbeit krank machen kann, sind vielfältig, erklärte Dr. Heribert Fleischmann, Ärztlicher Direktor des Bezirksklinikums Wöllershof (Kreis Neustadt/WN), in Regensburg. Zeitarbeit, Schichtarbeit, prekäre Arbeitsverhältnisse, hohe Arbeitsdichte oder auch mangelnde Unterstützung vom Chef würden zu den Risikofaktoren gehören. Es kann aber auch ein Ereignis von außen sein, dass eine psychische Krise auslöst: Ein Mitarbeiter hält etwa der Arbeitsbelastung in seiner Abteilung über 30 Jahre einigermaßen Stand, dann kommt ein privates Problem dazu - und alles bricht zusammen.

Dem jüngsten Gesundheitsreport der Krankenkasse DAK zufolge verursachten psychische Erkrankungen 16,6 Prozent des Krankenstandes. Am häufigsten seien depressive Störungen der Grund, sagte Fleischmann. Auch das Klima am Arbeitsplatz sei wichtig, betonte Professor Rainer Rupprecht, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Bezirksklinikum Regensburg. Stress führe immer häufiger zur Frühverrentung. Nicht zuletzt für die Wirtschaftsstärke des Landes sei es wichtig, dass ausreichend gesunde Fachkräfte zur Verfügung stünden. Die Bundesregierung wolle daher ein Forschungsprogramm zu dem Thema auflegen.

Aus dem Job in die Klinik


Wie groß die Herausforderungen sind, machte Bezirkstagspräsident Franz Löffler deutlich: Über 50 Prozent der Neuzugänge in den Werkstätten, die der Bezirk für Menschen mit Behinderung betreibt, kämen vom ersten Arbeitsmarkt. Sie sind mit den Belastungen an einem "normalen" Arbeitsplatz nicht mehr zurechtgekommen. Löffler appellierte an alle Beteiligten, Menschen mit einer Behinderung oder einer psychischen Erkrankung bestmöglich in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Daher begrüßte er ausdrücklich die gemeinsame Fortbildungsveranstaltung von Arbeitsagenturen, Jobcentern und Mitarbeitern der Medizinischen Einrichtungen des Bezirks Oberpfalz (Medbo), an der knapp 80 Vertreter teilnahmen. In Wöllershof waren vor kurzem bereits 120 Teilnehmer zu der Fortbildung zusammengekommen.

Auch Dr. Fleischmann betonte, dass Ärzte und Jobvermittler voneinander lernen müssten. Die Mediziner könnten bei den Arbeitsagentur-Mitarbeitern Verständnis für eventuelle psychische Erkrankungen ihrer Patienten wecken. Andersherum sollten die Ärzte stärker für Arbeitsmarktprobleme sensibilisiert werden. Denn: "Vielleicht ist ein bestimmtes Symptom auf die Langzeitarbeitslosigkeit des Patienten zurückzuführen, und keine Persönlichkeitsstörung."

Genauso wie Arbeit psychisch krank machen könne, sei auch Arbeitslosigkeit eine Gefahr für die Seele, sagte Fleischmann. "Arbeit ist grundsätzlich etwas sehr Positives, sie stärkt das Selbstwertgefühl." Wer seine Arbeit verliere, verspüre nicht nur häufig ein Nutzlosigkeitsgefühl und Scham. Auch die gewohnte Tagesstruktur und soziale Kontakte kämen plötzlich abhanden.
Arbeit ist grundsätzlich etwas sehr Positives, sie stärkt das Selbstwertgefühl.Dr. Heribert Fleischmann
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