Arbeitgebervertreter Bertram Brossardt kritisiert "ungerechtfertigte" Warnstreiks und ruft die ...
Wenig Spielraum für Lohnerhöhungen

Die Warnstreiks sind vollkommen ungerechtfertigt und gefährden die Produktionsketten. Das sollte man lassen. Wir haben ein attraktives Angebot vorgelegt und wollen zügig und auf gutem Niveau abschließen.
Wirtschaft
Regensburg
07.02.2015
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Die Tarifverhandlungen in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie gehen am Montag in die dritte Runde. Die IG Metall fordert 5,5 Prozent mehr Lohn sowie eine geförderte Bildungsteilzeit und verbesserte Altersteilzeit-Regelungen. Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Arbeitgeberverbände VBM und Bayme, bremst im Interview mit unserer Zeitung allerdings die Erwartungen.

Sie kommen gerade von der Bayme-VBM-Regionalversammlung der Regionen Oberpfalz-Nord und Regensburg. Was bewegt die Unternehmer in Ostbayern?

Bertram Brossardt: Selbstverständlich beschäftigt sie am allermeisten die Tarifrunde, weil wir jetzt in der heißen Phase stecken. Die Oberpfalz ist stark produktionsorientiert. Daher sind die Auswirkungen dessen, was wir in der Tarifpolitik tun und was wir nicht tun, besonders folgenreich.

Die IG Metall fordert 5,5 Prozent mehr Lohn. Das Angebot der Arbeitgeber liegt bei 2,2 Prozent. Wo ist Ihre Schmerzgrenze?

Brossardt: Wir haben wenig Spielraum. Die letzte Lohnerhöhung von 2,2 Prozent liegt erst acht Monate zurück. Ich erinnere daran, dass der Durchschnittsverdienst in der Metall- und Elektroindustrie 53 000 Euro brutto pro Jahr beträgt. Seit 2007 hatten wir einen Anstieg der Arbeitskosten um 18 Prozent und nur 2 Prozent Produktivitätszuwachs. Die IG Metall muss sich besinnen und auch die Sicherheit der Arbeitsplätze und der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen in den Blick nehmen.

Es gab bereits etliche Warnstreiks, zuletzt am Freitag. Wie hart werden die Tarifverhandlungen?

Brossardt: Die Warnstreiks sind vollkommen ungerechtfertigt und gefährden die Produktionsketten. Das sollte man lassen. Wir haben ein attraktives Angebot vorgelegt und wollen zügig und auf gutem Niveau abschließen.

Die Gewerkschaften argumentieren, dass die Lohnerhöhung den privaten Konsum und damit das Wirtschaftswachstum stabilisiert.

Brossardt: Für die Metall- und Elektroindustrie ist diese Argumentation schlichtweg unsinnig, weil 60 Prozent unserer Produkte ins Ausland, und nicht ins Inland gehen. Das Konsumverhalten in Deutschland wird weniger durch die Lohnhöhe als durch die Breite der Erwerbstätigkeit bestimmt.

Die Metall- und Elektroindustrie habe 2014 mit einer Netto-Umsatzrendite von 3,6 Prozent ein sehr gutes Ergebnis erzielt, sagt die IG Metall. Die Beschäftigten wollen an den Gewinnen beteiligt werden.

Brossardt: Die Beschäftigten sind angemessen beteiligt. In den vergangenen beiden Tarifrunden hat es einen deutlichen Reallohnanstieg gegeben, und auch unser jetziges Angebot sieht das vor.

Ist die Forderung der IG Metall nach einer Teilzeitregelung für die Weiterbildung für Sie ein rotes Tuch?

Brossardt: Wir hatten in Bayern bereits einen Qualifizierungstarifvertrag und einen Tarifvertrag zur Bildungsteilzeit, den sonst in der Bundesrepublik niemand hatte. Diese beiden Tarifverträge wurden durch die IG Metall Bayern gekündigt. Unabhängig vom Tarifvertrag sind 95 Prozent unserer Unternehmen in der Weiterbildung aktiv. Die IG Metall will hier ein Problem lösen, das es überhaupt nicht gibt.

Bereits zu Beginn des Jahres hat die Einführung des Mindestlohns in vielen Branchen zu Veränderungen geführt. Auch in der Metall- und Elektroindustrie?

Brossardt: Grundsätzlich liegen wir mit unseren Tarifen ohnehin über dem Mindestlohn, dennoch gibt es gravierendste bürokratische Auswirkungen. Bei den Minijobs sind die Aufzeichnungspflichten für die Unternehmen sehr aufwendig. Mit Blick auf die Nachunternehmerhaftung müssen sich die Unternehmen zudem bei all ihren Zulieferern versichern, dass dort Mindestlohn bezahlt wird. Außerdem werden die klassischen beruflichen Eintrittstüren teilweise verschlossen, weil nur bestimmte Praktika vom Mindestlohn ausgenommen sind. Das bedeutet für die jungen Menschen weniger Chancen.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.baymevbm.de
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