Bayerische Metall- und Elektro-Industrie fordert mehr Freiheiten bei der Umsetzung von ...
"Mehr Flexibilität in Tarifverträgen"

Gerold Hasel (links), Mitglied des Vorstands der VBM Region Regensburg, und Hermann Brandl, VBM-Geschäftsführer in der Oberpfalz, fordern flexiblere Tarifverträge. Bild: Hinterberger
Wirtschaft
Regensburg
04.11.2015
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Eine Tarifpolitik, die es Unternehmen ermöglicht, ihre Kosten im Griff zu behalten und ihnen die Flexibilität bietet, die durch den internationalen Wettbewerb notwendig geworden ist. Das sind die Forderungen des Verbands der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie (VBM) mit Blick auf die Tarifrunde im Frühjahr 2016. Die Gestaltung der Tarifverträge beeinflusse die Wettbewerbsfähigkeit und den Erfolg der Unternehmen, erklärte Gerold Hasel, Vorstandsmitglied der VBM-Region Regensburg.

Das Problem sei, dass dem stetigen Anstieg der Arbeitskosten ein nur sehr moderater Produktivitätswachstum gegenüber stehe. So lag die Produktivität der Metall- und Elektro-Industrie im Jahr 2014 nur gut eineinhalb Prozent über der von 2007. Die Tarifentgelte aber seien in den letzten Jahren kontinuierlich um 20 Prozent gestiegen, betonte Hasel. Diese Schere werde sich auch im Jahr 2015 weiter öffnen. So ziehe der letzte Tarifabschluss im Jahresdurchschnitt eine Kostensteigerung von 3,6 Prozent mit sich. "Die Produktivität ist von Januar bis Juli um lediglich 0,4 Prozent gestiegen", beschrieb Hasel die Situation.

Aus diesem Grund fordere der VBM wettbewerbsfähige Tarifverträge, die es den Unternehmen ermöglichen flexibel auf eine geringe Produktivität und Kostennachteile zu reagieren, betonte Hasel. Nur so könne die Oberpfälzer Metall- und Elektro-Industrie, die sich mit einer Beschäftigtenzahl von rund 90 000 derzeit auf Rekordniveau befinde, weiterhin erfolgreich sein.

Spielräume eröffnen

Die geforderte Flexibilität der Tarifverträge beziehe sich zum einen auf das Entgelt direkt. "Erforderlich sind Möglichkeiten zur betrieblichen Differenzierung - zum Beispiel zeitliche Verschiebungen von Tariferhöhungen", erklärte Hasel. Unternehmen sollen - je nach deren wirtschaftlicher Lage - einen gewissen Spielraum haben, wann sie die neuen Tarifverträge umsetzen. "Wir hatten in der Vergangenheit im Wirtschaftsraum Regensburg auch drei Unternehmen, die die Erhöhungen ein paar Monate vorgezogen haben", zeigte Hermann Brandl, Geschäftsführer des VBM in der Oberpfalz, eine weitere Möglichkeit auf. Ebenfalls mehr Flexibilität wünscht sich der Verband in der Arbeitsorganisation. Beschränkungen von Zeitarbeit, Werks- und Dienstverträgen, wie von Bundesarbeitsministerin Andres Nahles angedacht, lehnt der Verband ab. "Für die Arbeitnehmer ist die Zeitarbeit ein Sprungbrett in ein Stammarbeitsverhältnis", erläuterte Hasel. Laut einer Umfrage habe jedes zweite bayerische Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie zuletzt Zeitarbeiter übernommen - und zwar im Schnitt 12 Prozent. Das Prinzip der Arbeitsteilung habe sich bewährt und sei einer der Erfolgsfaktoren in Bayern und Deutschland, so Hasel weiter.
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