Bayerns Unternehmer ärgern sich über neue Regelung aus Brüssel
Engagement muss freiwillig sein

Markus Zorzi, Bertram Brossardt und Johannes Heimwerker (von links) waren sich einig: Soziales Engagement von Unternehmen darf nicht reguliert werden. Bild: Hinterberger
Wirtschaft
Regensburg
13.07.2015
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Unternehmen, die von öffentlichem Interesse sind und mehr als 500 Mitarbeiter haben, sollen ab 2016 ihr soziales Engagement öffentlich machen. So will es eine neue EU-Richtlinie. Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) ist von dieser Regelung allerdings wenig begeistert, wie die Unternehmer in Regensburg zeigten. Sie waren sich einig: Corporate Social Responsibility (CSR) - wie soziales und ökologisches Engagement genannt wird - müsse freiwillig bleiben.

Soziales Engagement habe in Bayern schon lange Tradition, betonte vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt. "Schon länger als es den Begriff CSR überhaupt gibt." Neben ihrem eigentlichen Geschäft helfen die Bayerischen Unternehmer "freiwillig und aus Überzeugung". Die vbw lehne die Regulierung des CSR und die damit verbundene Berichtspflicht ab, ergänzte er. Das sei ein "Eingriff in die unternehmerische Freiheit". "Die Bundesregierung darf bei der Umsetzung der Richtlinie keine Ergänzung auf den Weg bringen", fuhr Brossardt fort. Eine Ausweitung der Regelung auf den Mittelstand behindere nur das gesellschaftliche Engagement der Unternehmen.

Berichte verändern nichts

Der entstehende Bürokratieaufwand bremse das Engagement. "Vom Berichte schreiben hat sich die Welt noch nicht verändert. Das geschieht nur, wenn man etwas tut", so der Hauptgeschäftsführer. Zustimmung erhielt Brossardt von Arbeitsstaatssekretär Johannes Hintersberger. "Es wäre grundfalsch, wenn die Politik den Firmen Vorgaben machen würde, wie sie sich sozial, kulturell oder gesellschaftlich engagieren sollen", erklärte er. Die Staatsregierung setze ebenfalls auf freiwilliges Engagement. Sie werde sich deswegen gegen bürokratische Hemmnisse oder unnötige Berichtspflichten einsetzen. "Soziales Engagement ist in vielen Bereichen unverzichtbar, was nicht bedeutet, dass man es verpflichtend machen muss", ergänzte Ministerialdirigent Markus Zorzi.

Beispiele, wie ein Unternehmen helfen könne, gab Johannes Helmberger. Wie der Vorstandsvorsitzende der vbw Region Oberpfalz und Geschäftsführer der Druckerei Franz Anton Niedermayr betonte, unterstütze seine Firma viele Vereine und Projekte. "Wir Familienunternehmer sind in der Region und Gesellschaft verwurzelt: Wir helfen schnell und unbürokratisch." Dazu brauche es keine Richtlinien aus Brüssel.
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