Bilanz Oberpfälzer Volks- und Raiffeisenbanken
Nullzins vergällt die Geschäftslaune

"Auch in Zukunft bleibt der persönliche Kontakt eine der wichtigsten Vertriebsquellen", betont Maximilian Zepf, "Chef" der Volks- und Raiffeisenbanken in der Oberpfalz. Ihr Marktanteil beträgt fast 20 Prozent (plus 3,4 Prozent seit 2010). Bild: cf
Wirtschaft
Regensburg
21.03.2016
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Die gute Nachricht zuerst: 2015 wuchsen die 30 selbstständigen Oberpfälzer Volks- und Raiffeisenbanken kräftig - um 4,6 Prozent bei den Krediten auf 8,6 Milliarden Euro, Spareinlagen plus 7,6 Prozent auf 15,1 Milliarden Euro; die Bilanzsumme kletterte um 6,6 Prozent auf 18,5 Milliarden Euro. Die Niedrigstzinsen schlagen jedoch merklich durch.

Das Betriebsergebnis schrumpfte ebenso wie die Zinsspanne. Verbandspräsident Maximilian Zepf rechnet damit, dass sich bis 2020 die Erlöse aus dem Zinsgeschäft "halbieren" werden: 2015 ging diese Haupteinnahmequelle von 349 auf 343 Millionen Euro zurück. Zepf: "Wir leben von den Kreditverträgen der Vergangenheit." Das "bereinigte Ergebnis" vor Ertragssteuern der Oberpfälzer Volks- und Raiffeisenbanken sackte um ein Drittel von 159 auf 105 Millionen Euro. Der Jahresüberschuss mit 0,24 Prozent der Bilanzsumme veränderte sich nicht. Dazu trugen die wachsenden "Provisionserlöse" (Gebühren) und der sinkende Verwaltungsaufwand bei.

Ein Drittel weniger Filialen


Nachdem die Personalkosten am stärksten ins Gewicht fallen: Durch Fluktuation verminderte sich die Zahl der Mitarbeiter um 2,1 Prozent. Gleichzeitig nahm 2015 die Zahl der Geschäftsstellen von 281 auf 270 (Raiffeisenbanken Chamer Land und Oberpfalz Süd) ab. Bei der Bilanzpressekonferenz am Montag in Regensburg untermauerte der Verbandspräsident seine Prognose, dass sich bis 2020 die Zahl der Filialen in der Oberpfalz um ein Drittel verringern wird: von heute 270 auf dann rund 180. Zepf rechnete vor, dass in kleinen Geschäftsstellen allein EDV-Kosten von 10 000 Euro im Jahr anfallen. Der Kostendruck ist allerorten spürbar. So ließ Zepf keinen Zweifel daran, dass sich das gebührenfreie Girokonto (ab 1500 Euro Guthaben) "nicht mehr aufrechterhalten" lasse. "Wir können uns eine Quersubventionierung nicht mehr leisten." Im Hintergrund steht, dass die DZ Bank noch 2016 für das von den Volks- und Raiffeisenbanken geparkte Geld "Strafzinsen" verlangen werde. Ein Trend zu Verwahrgebühren zeichne sich auch bei größeren Geldsummen von Firmenkunden und institutionellen Anlegern ab.

Massive Kritik übte Maximilian Zepf an der Geldpolitik der EZB: "Sie ist darauf angelegt, die genossenschaftlichen Banken und Sparkassen kaputt zu machen." Der Verbandspräsident verwahrte sich gegen Dirigismus und Gleichmacherei ("der Staat ist nicht der bessere Banker"). Aufgebracht ist Zepf über die geplante europäische Einlagensicherung: Letztendlich solle der deutsche Sparer für Risikogeschäfte ausländischer Banken haften.

Angemerkt

Sparen wird zum Unwort

Von Clemens Fütterer

Die Niedrigstzinsen schmälern bisher nicht den Fleiß der Oberpfälzer beim Sparen. Diese Tugend bildete über Jahrhunderte die Basis für das erfolgreiche Geschäftsmodell der Volks- und Raiffeisenbanken sowie Sparkassen: Nämlich die Spareinlagen als Kredite - zum wesentlich höheren Zins - an die regionale Wirtschaft wieder auszureichen. Bis zum "billigen Geld" der EZB funktionierte dieser Kreislauf bestens.

Heute wird Liquidität zur Belastung, wenn nicht sogar zum "Fluch". Auf rund 10 Milliarden Euro sitzen allein die Oberpfälzer Volks- und Raiffeisenbanken. Der Kostendruck wächst dramatisch. Die Tendenz geht zu "Verwahr-Gebühren" für geparktes Geld, zum allgemein kostenpflichtigen Girokonto sowie zu Filialschließungen und Fusionen. Dazu kommt die Digitalisierung, die für die Banken einen strukturellen Umbruch bedeutet. Als ob das nicht reichen würde, schurigeln und gängeln EZB und Bankenaufsicht mit immer neuen Regelwerken. Das Motto "Wir machen den Weg frei" mutet an wie Ironie in eigener Sache. Denn wo dieser Weg hinführt oder endet, weiß niemand.
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