Flüchtlingskrise dauert noch Jahre

Der afghanische Auszubildende Hussein Zamani (weißer Pullover) mit Minister Gerd Müller (Mitte), Philipp Graf Lerchenfeld (Dritter von rechts) und Kammerpräsident Georg Haber (rechts). Bild: hfz
Wirtschaft
Regensburg
16.11.2015
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Klartext spricht Entwicklungsminister Gerd Müller beim Handwerk: Schutzmauern helfen nicht weiter, und die bayerische Selbstdarstellung dürfe nicht nur ums "Fressen und Saufen" beim Oktoberfest kreisen.

(nt/az) Bundesentwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU) erklärte bei der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz, wie durch Berufsbildungsprogramme im In- und Ausland die Flüchtlingskrise abgemildert werden könne. "Wir sollten uns nicht einbilden, dass wir eine Schutzmauer um uns herum bauen können." Die Flüchtlingskrise werde "noch Jahre und Jahrzehnte" anhalten, da sich um Europa dauerhafte Krisenregionen gebildet hätten - wie auf dem Balkan, in Syrien, in Afghanistan oder Afrika - während die deutsche, vor allem die bayerische Selbstdarstellung "um Dinge wie das Oktoberfest, um Fressen und Saufen" kreise: "Sie müssen sich vorstellen, wie das auf junge hungrige Menschen wirkt."

Natürlich sei es unmöglich, dass alle Flüchtlinge dauerhaft in Deutschland unterkommen. Allerdings könne man ihnen mit einer fundierten Berufsausbildung Perspektiven für ein Arbeitsleben auch anderswo geben. "Deutsche Handwerker sind schließlich überall auf der Welt gefragt."

Müller drängte den Handwerkskammerpräsidenten Georg Haber, noch mehr Mitgliedsbetriebe zur Ausbildung von Flüchtlingen zu bewegen: "900 von 9000, die Interesse angemeldet haben, sind schon nicht schlecht. Es müssen aber 5000 werden." Für die Ausbildungsbetriebe forderte Müller "die Rechtssicherheit, dass mit dem Lehr- und Arbeitsverhältnis die Aufenthaltsgenehmigung besteht" und brachte die Formel "3 + 2" ins Spiel: also drei Jahre Ausbildung und zwei Jahre Beruf, ehe die Ausreise ansteht. "Deutschunterricht vom ersten Tag an" sei dazu unbedingt notwendig, erklärte er auch gegenüber dem Oberpfälzer Regierungs-Vizepräsidenten Walter Jonas.

Im Ausland helfen

Die Erfahrungen bei der Ausbildung von Flüchtlingen müssten dann aber auch im Ausland umgesetzt werden, etwa auf dem Balkan oder in türkischen Flüchtlingscamps. "Auch für deutsche Berufsbildungszentren im Ausland brauche ich euch, das Handwerk ist mein Partner", sagte er an die Adresse erfahrener Ausbilder, die "drei Monate im Ausland" helfen möchten, Zukunftspolitik zu gestalten. Müller traf den 20-jährigen afghanischen Elektrikerlehrling Hussein Zamani, dessen Gesellenprüfung trotz nachgeholtem Quali an der Abschiebung zu scheitern droht. Sein Ausbilder, Innungsobermeister Gerhard Gröschl, erklärte, dass natürlich nicht alle Flüchtlinge hierbleiben könnten. "Aber Leute wie den Hussein, die Bildung förmlich aufsaugen, muss man unterstützen." Deshalb bezahlte Gröschl ihm auch privat einen Englischkurs, damit Hussein sich auch international bewerben kann.
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