Handwerk wählt Nachfolger von Hauptgeschäftsführer Toni Hinterdobler
„Mister Handwerk“ vor dem Abschied

Geordneter Übergang bei der Handwerkskammer: Der Ende 2017 aus dem Amt scheidende Hauptgeschäftsführer Toni Hinterdobler wird noch ein Jahr lang an der Seite seines Nachfolgers stehen. Bild: cf
Wirtschaft
Regensburg
03.11.2016
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Der 63-Jährige gilt als eine Art "Wirtschaftsminister" Ostbayerns. Fast 25 Jahre lang lenkte Toni Hinterdobler als Hauptgeschäftsführer die Geschicke der Handwerkskammer Niederbayern/Oberpfalz. Sechs Präsidenten arbeitete er zu. Am 11. November wählt die Vollversammlung in Passau seinen Nachfolger.

Regensburg/Passau. Anfang der 90er Jahre spürte der Jurist und Steuerfachmann, "welches Potenzial in den heimischen Betrieben und ihren Mitarbeitern steckt". Zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des Handwerks gehörte, dass Toni Hinterdobler auch zwei Bundesregierungen als Berater zuarbeitete. Von seinem Wirken hinter den politischen Kulissen, etwa in der "Brühler Kommission" zur Reform der Unternehmenssteuer, profitieren die Firmen bis heute. Auf Hinterdobler geht unter anderem die Anrechnung der Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer zurück. Damals spielte er mit Ludwig Stiegler, Vize der SPD-Bundestagsfraktion, diskret und effektiv "über Bande".

Legendär ist sein Treffen mit dem damaligen Kanzler Gerhard Schröder. Schröder baute dann wesentliche "Botschaften" des Handwerks in seine "Weidener Rede" ein. Unvergesslich sind für Hinterdobler die Begegnungen mit den EU-Kommissaren Gunther Verheugen und Michel Barnier. Der Franzose verinnerlichte, "dass sich in Ostbayern, an der Nahtstelle zwischen Ost und West, der Erfolg Europas entscheidet". Wie wahr.

Als signifikante Veränderungen in den vergangenen 25 Jahren sieht Hinterdobler die rasante Geschwindigkeit bei der Informationsverarbeitung, die Transparenz der Märkte und das gestiegene Anforderungsprofil an die Handwerker-Unternehmer: "Früher lagen die Herausforderungen in den manuellen Fähigkeiten als Handwerker, heute sind es die strukturierten Arbeitsprozesse." Nach Einschätzung des Hauptgeschäftsführers seien die Kunden anspruchsvoller geworden, gewachsene Verbindungen zählten weniger.

Attraktiver Arbeitgeber


Im Gespräch mit unserer Zeitung bezeichnet Hinterdobler den Mangel an qualifizierten Mitarbeitern als die "größte Herausforderung - und fast eine Wachstumsbremse". Zuversicht wecke die Zunahme der neuen Lehrverträge im Handwerk um sechs Prozent 2016. "Ein Arbeitgeber muss attraktiv sein", fordert der Ende nächsten Jahres aus dem Amt scheidende Hauptgeschäftsführer vor allem Empathie, ordentliche Arbeitsabläufe, Sicherheit und Marktwert in den Betrieben. Der Mitarbeiter-Mangel bedinge neue Strategien: "Nämlich die Konzentration auf Qualitätsarbeit und Individualisierung - oder die Automatisierung". "Den Fachkräften sind die wirklich anspruchsvollen Arbeiten vorbehalten." Zurückhaltend wertet er die Gewinnung von Flüchtlingen für den Arbeitsmarkt: "Ein sehr aufwendiger und langwieriger Prozess." Derzeit gibt es im ostbayerischen Handwerk 336 Lehrverhältnisse mit Flüchtlingen. "Wir investieren viel, der Return ist fraglich."

Toni Hinterdobler macht keinen Hehl daraus, dass die Digitalisierung 4.0 "unweigerlich das Handwerk erfassen" und zu neuen Geschäftsmodellen führen werde: Dass etwa der Zahntechniker den Zahnersatz über 3-D-Drucker fertigt. Als "sehr unterschiedlich" beurteilt er die Ausstattung der Berufsschulen. "Sie hängt von der Finanzkraft der Sachaufwandsträger ab." Dagegen liegen die Berufsbildungszentren der Handwerkskammer technologisch "auf der Höhe der Zeit".

Ich habe bisher kein digitalisiertes Modell ohne Handwerker-Leistung gefunden: Jemand muss qualifiziert das Dach decken, den Fußboden verlegen oder das Türschloss einstellen.Toni Hinterdobler, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Niederbayern/Oberpfalz


Der Mangel an qualifizierten Mitarbeitern ist die größte Herausforderung - und stellt fast eine Wachstumsbremse dar.Toni Hinterdobler
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