Kfz-Innung kritisiert unverhältnismäßige Absatzerwartungen und Investitionsvorgaben - ...
Hersteller überfordern Händler

Stefan Brandl (links) und Rudolf Angerer sprachen über Erfolge und Risiken im Kfz-Gewerbe. Bild: ehi
Wirtschaft
Regensburg
09.05.2015
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Mit knapp 150 000 Neuzulassungen bayernweit und 9500 in der Oberpfalz und Kelheim ist das Kfz-Gewerbe gut in das neue Jahr gestartet. Dieses Resümee zogen der Vorstandsvorsitzende der Innung des Kfz-Gewerbes Oberpfalz und Kreis Kelheim, Rudolf Angerer, und Geschäftsführer Stefan Brandl im Vorfeld ihrer Jahrestagung. "Wenn sich dieses Niveau hält, sind wir mit der Marktentwicklung zufrieden", erklärte Angerer.

Besser als der Bayernschnitt

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sei das ein Anstieg um 5,8 Prozent auf Landesebene und 0,3 Prozent in der Region. Mit rund 28 000 Besitzumschreibungen und einem Plus von 2,8 Prozent sei hier die Entwicklung des Innungsgebiets besser als in Bayern allgemein. Landesweit gab es in den ersten Monaten des Jahres gut 276 000 Besitzumschreibungen (Anstieg um 1,6 Prozent). Einbußen wiederum musste die Branche im Bereich der Werkstattauslastung hinnehmen. 2014 wurden bundesweit 68 Millionen Werkstattaufträge abgewickelt - sechs Millionen weniger als noch im Vorjahr. "Durch die Zunahme von Neufahrzeugen werden auch die Serviceintervalle länger", erklärte Angerer dieses Phänomen. Trotz allem sei der Service-Bereich aber weiterhin eine "tragende Säule". Außerdem dürfe nicht vergessen werden, dass die Zahl der Aufträge zwar abnehme, der Aufwand an den einzelnen Fahrzeugen jedoch steige: "Es benötigt mehr Zeit die immer komplexer werdenden Systeme in den Fahrzeugen zu reparieren."

Sorgen machen sich Angerer und Brandl um das Spannungsfeld zwischen Herstellern und Händlern sowie die Bedingungen der Kfz-Versicherungen. So würden Fahrzeughersteller von den Händlern Dinge verlangen, die in Anbetracht der Marktsituation nicht machbar seien: unverhältnismäßige Absatzerwartungen und Forderungen bei Vertragsstandards oder übertriebene Investitionsvorgaben. Immer mehr private Unternehmer würden ihre Standorte aufgeben, die dann von den Herstellern direkt geführt werden. "Im Raum Regensburg haben wir aber noch einen sehr hohen Anteil von privaten Betreibern", betonte Brandl.

Weniger Leistungen

Im Bereich der Versicherungen sei das Problem, dass die Unternehmen ihren Kunden größtenteils neue billigere Tarife anbieten, die jedoch nur noch einen Bruchteil der vorherigen Leistungen abdecken. "Zum Beispiel zahlen sie bei einem Mader-Schaden nur noch das angeknabberte Kabel, nicht aber den Folgeschaden an anderen Teilen", erläuterte Angerer.

Ebenso enthielten die Verträge oft Klauseln zur Werkstattbindung. "Wird diese nicht eingehalten, reduzieren manche Versicherungen ihre Ersatzleistungen auf Null", kritisierte der Vorstandsvorsitzende weiter. Autofahrer sollten deswegen ihre Versicherungen genau hinterfragen und prüfen. "Wir wollen die Menschen sensibilisieren, dass sie sich mit dem billigeren Tarif oft für den risikoreicheren Weg entscheiden", betonte Geschäftsführer Brandl.

Trotz all dieser Herausforderungen blicke man aber zuversichtlich nach vorne, wie sowohl Angerer als auch Brandl betonten. Die Kfz-Innung Oberpfalz und Kreis Kelheim vertritt insgesamt rund 800 Mitgliedsbetriebe mit 11 000 Beschäftigten und zwischen 1500 und 1600 Ausbildungsplätzen.
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