Oberpfälzer Volks- und Raiffeisenbanken stellen klar:
„Girokonto kostet Geld“

1
"Mit Einlagen zahlen wir drauf, das ist die Problematik." Zitat: Maximilian Zepf, Präsident Genossenschafts-Bezirksverband
Wirtschaft
Regensburg
19.08.2016
427
0

63 Prozent der Oberpfälzer sind Kunden der Volks- und Raiffeisenbanken. Für sie die gute Nachricht zuerst: Es wird keine Negativzinsen auf den privaten Girokonten geben. Dies bestätigt Maximilian Zepf, Bezirkspräsident der Genossenschaften in der Oberpfalz. An Kontoführungsgebühren gehe aber kein Weg vorbei.

Schwandorf/Regensburg. Die Erträge der Banken und Sparkassen schrumpfen dramatisch. Gleichzeitig sollen sie mehr Eigenkapital bilden, um die strengen gesetzlichen Auflagen zu erfüllen. Ein offensichtlicher Widerspruch. "Wir haben diese Situation nicht zu verantworten. Sollte EZB-Chef Mario Draghi weiter die Zinsschraube in den Negativbereich drehen, könnte die Situation für viele Banken existenzbedrohend werden", sagt Maximilian Zepf (62), "Chef" der 31 Oberpfälzer Volks- und Raiffeisenbanken sowie Vorstand der Raiffeisenbank Schwandorf-Nittenau.

Die Raiffeisenbank Gmund am Tegernsee erhebt "Verwahrgebühren" auf privaten Girokonten. Folgen die genossenschaftlichen Banken auf breiter Front?

Maximilian Zepf: Nein. Die Struktur in Gmund mit sehr reichen Kunden ist atypisch und trifft nur einen begrenzten Personenkreis. Überhaupt erlauben bei den Volks- und Raiffeisenbanken die Verträge für die privaten Girokonten keinerlei Negativverzinsung. Der Aufwand für die Umgestaltung Hunderttausender Verträge wäre enorm und würde in keinem Verhältnis stehen.

Und die Firmenkunden?

An Negativzinsen für gewerbliche Kunden kommen wir nicht umhin. Ein Sockelbetrag in sechsstelliger Höhe wird jedoch gebührenfrei sein. Seit andere Institute, etwa die Mittelstandsbank der Commerzbank, Firmenkunden auf dem Tagesgeldkonto zu Kasse bitten, wird verstärkt Liquidität zu uns verlagert. Wir schließen mit unseren gewerblichen Kunden Individualverträge und überlegen mit ihnen alternative Lösungen, etwa das Vorziehen von Investitionen oder eine Anlage im genossenschaftlichen Verbund in Geldmarktfonds.

Wird es generell zu privaten Kontoführungsgebühren kommen?

Davon gehe ich aus. Es wird neue Konten-Modelle geben. Wir kämpfen mit der Ertragslage. Mit Einlagen zahlen wir drauf, das ist die Problematik. Ein Girokonto kostet Geld: für Rechenzentrum, Logistik, Geldautomat u. a. Die Kostenseite verteuert sich permanent.

Ist Online-Banking billiger?

Online- bzw. Mobile-Banking sind die Zukunft. Digital wird sicher auch bepreist, aber wesentlich günstiger als ein traditionelles Konto sein.

In der Oberpfalz gibt es noch 31 selbstständige Volks- und Raiffeisenbanken mit 270 Geschäftsstellen und 3750 Beschäftigten. Wie viel wird am Ende dieses Jahrzehnts davon übrig bleiben?

Ich bleibe bei meiner Prognose, dass jede dritte Geschäftsstelle schließen wird. Es wird keinen Rückzug aus der Fläche geben, aber eine Konzentration; Fusionen kommen zwangsläufig. Jedes Haus muss selber für sich entscheiden. Denn größere Einheiten allein sind noch keine Garantie für eine verbesserte Ertragslage. Der derzeit hohe Personalstand ist sicherlich nicht zu halten. Hier kommt es zu einem Abbau durch natürliche Fluktuation.

Mit Einlagen zahlen wir drauf, das ist die Problematik.Maximilian Zepf, Präsident Genossenschafts-Bezirksverband


Zum Thema: Postbank bittet zur Kasse
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.