Podiumsdiskussion bei Infineon
Autonomes Fahren im Fokus

Von links nach rechts: Dr. Erwin Hammerl, Prof. Dr. Stefan Geisler, Ralf Bornefeld, Ilka Meierhofer, Prof. Dr. Karsten Weber, Hubert Obermaier, Berthold Hellenthal und Ludwig Heitzer (Innovationsmanager Infineon Regensburg). Bilder: gib (1), hfz
Wirtschaft
Regensburg
22.06.2016
264
1
 
"Über 90 Prozent der Unfälle entstehen durch Fehler des Fahrers." Zitat: Berthold Hellenthal, Audi

Für Otto Normalverbraucher ist die Vorstellung noch gewöhnungsbedürftig. Doch die Autobranche sieht in selbstständig fahrenden Autos die Zukunft. Der Markt dafür sei da, hieß es am Dienstag bei einer Podiumsdiskussion bei Infineon Regensburg. Das Unternehmen stellt Sensoren her, die das sogenannte autonome Fahren möglich machen.

Erwin Hammerl, Sprecher der Betriebsleitung von Infineon Regensburg, sprach von einer "Revolution". Das autonome Fahren werde einen massiven Einfluss auf das tägliche Leben haben, "wenn es kommt, wie wir denken". Der Halbleiterhersteller Infineon werde an den Entwicklungen großen Anteil haben, denn: "80 bis 90 Prozent der Innovationen werden per Halbleiter ins Fahrzeug kommen."

Vom wirklich autonomen Fahren sei man noch ein gutes Stück entfernt, sagte Berthold Hellenthal vom Kompetenzcenter für elektronische Hardware und Halbleiter der Audi AG. Aktuell befinde man sich am Sprung von assistierten Systemen wie Einparkhilfen hin zu "pilotierten Funktionen" wie einem Staupiloten, der den Fahrer entspannt durch den Stop-and-go-Verkehr bringt.

Die Vorteile des autonomen Fahrens liegen für Hellenthal auf der Hand. Zum einen erhöhe sich die Sicherheit im Straßenverkehr, denn: "Über 90 Prozent der Unfälle entstehen durch Fehler des Fahrers." Durch Funktionen wie das eigenständige Parken werde das Autofahren deutlich komfortabler - und biete Städten ganz neue Möglichkeiten: Wenn Autos sich selbst parken, sei weniger Abstand zwischen Fahrzeugen nötig - und Parkhäuser könnten deutlich mehr Pkws unterbringen. Durch das vernetzte Fahren könne der Verkehr zudem effizienter und umweltfreundlicher gestaltet werden.

"Der Markt ist da", zeigte sich Hubert Obermaier, Redakteur beim "Straubinger Tagblatt", überzeugt. 44 Prozent der Deutschen könnten sich einer Umfrage zufolge vorstellen, ein autonomes Fahrzeug zu fahren. Männer und Vielfahrer würden der Entwicklung positiver gegenüber stehen als Frauen und Menschen, die das Auto nur wenig nutzen, ergänzte Informatik-Professor Stefan Geisler von der Hochschule Ruhr West. Er wies darauf hin, dass das autonome Fahren in einem Land wie China, wo die Tradition, sich fahren zu lassen stärker sei und in den Großstädten extremer Verkehr herrsche, noch ein ganz andere Rolle spielen könnte.

Auf dem Podium gingen die Meinungen auseinander, was das Vertrauen in autonom fahrende Autos angeht. Professor Karsten Weber vom Institut für Sozialforschung und Technikfolgenabschätzung der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) Regensburg vertraut einem autonomen Fahrzeug im Straßenverkehr eher als einem Menschen. "Ein Mensch kann unaufmerksam oder von seinem Smartphone abgelenkt sein, Technik wird nie müde und altert nicht", sagte er. Ralf Bornefeld, Leiter des Geschäftsbereichs "Sense und Control" bei Infineon, hat hingegen noch Zweifel: Ein Mensch lerne im Laufe seines Lebens, Verkehrssituationen einzuschätzen. "Das nachzubilden, fordert von einem Computer sehr viel."

Über 90 Prozent der Unfälle entstehen durch Fehler des Fahrers.Berthold Hellenthal, Audi
1 Kommentar
9
Sigismund Ruestig aus Sulzbach-Rosenberg | 22.06.2016 | 21:45  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.