Sozialministerin Emilia Müller betont bei Vollversammlung Notwendigkeit von Integration - ...
Handwerkskammer sieht Flüchtlinge als Chance

Staatsministerin Emilia Müller. Bild: Hinterberger
Wirtschaft
Regensburg
17.11.2015
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Die Flüchtlingssituation sowie deren Folgen und Chancen für das Handwerk standen im Mittelpunkt der Vollversammlung der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz. Es handele sich dabei um die größte Herausforderung seit der Nachkriegszeit, betonte Arbeitsministerin Emilia Müller (CSU) in ihrem Gastvortrag. Grundsätzlich waren sich die Anwesenden aber einige: Die Flüchtlinge sind eine Chance für den Arbeitsmarkt. Es muss aber gewisse Rahmenbedingungen geben.

Sobald jemand fähig, gewillt und mit einer Portion Leidenschaft den Weg ins Handwerk beschreiten wolle, solle er eine unterstützende Hand und die nötige Orientierung erhalten, erklärte Georg Haber, Präsident der Handwerkskammer. In Ostbayern würden derzeit rund 1500 berufsschulpflichtige Flüchtlinge und Asylbewerber Integrationsklassen besuchen. Das bedeute, dass es im kommenden Jahr rund 550 mehr Schulabgänger und damit potenzielle Auszubildende gebe. "Das sind Menschen, die dringend eine berufliche Perspektive benötigen. Auf der anderen Seite sucht das ostbayerische Handwerk dringend Fachkräfte und Auszubildende", beschrieb Haber eine möglich Win-win-Situation.

Ausbildungsbegleitung

Um Flüchtlingen allerdings tatsächlich eine fundierte Berufsausbildung gewährleisten zu können, habe das Handwerk einige Forderungen an die Politik. So seien beschleunigte und vereinfachte Asylverfahren notwendig, um den Betrieben Planungssicherheit zu geben. Ebenso bräuchten die Betroffenen Transparenz und Perspektiven. "Es darf keine Abschiebung in oder nach der Ausbildung geben", betonte Haber. Um die Integration zu fördern, fordere die Handwerkskammer außerdem eine Ausbildungsbegleitung während der Ausbildungszeit. Ebenfalls ein Anliegen war Haber das Festhalten am alten Berufsprinzip. Er sprach sich deutlich gegen eine Modularisierung der Ausbildung aus. "Den Gesellenbrief gibt es nur nach erfolgreich abgelegter Gesellenprüfung", erklärte er.

Müller gab Haber bei all seinen Forderungen Recht. Sie riet den Betrieben aber auch, nur solche Flüchtlinge einzustellen, die tatsächlich eine Bleibeperspektive haben. Also jene aus Krisengebieten und nicht aus sicheren Herkunftsländern. Denn: Die Flüchtlingskrise könne nur gemeistert werden, wenn es eine Trennung gebe zwischen denen, die bleiben dürfen und denen, die zurück in ihre Heimat müssen. Gerade Rückführungen müssten schnell und konsequent durchgeführt werden.

Sprache als Schlüssel

Der Schlüssel für die Integration in den Arbeitsmarkt sei dabei die deutsche Sprache. "Je besser jemand unsere Sprache beherrscht, desto größer ist die Chance, dass er hier integriert wird", betonte Müller. Es sei deswegen wichtig, damit schon in den Aufnahmeeinrichtungen zu beginnen. Grundsätzlich sei eine Integration der Asylbewerber aber auch deswegen wichtig, um Bayerns niedrige Arbeitslosenquote zu halten. "Sobald sie anerkannt sind, tauchen sie auch in unseren Statistiken auf", erläuterte die Ministerin.
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