Treue Kunden in der Oberpfalz

Der direkte Draht zwischen Kunde und Berater schützt das wichtigste Gut im Bankgeschäft - das Vertrauen.
Wirtschaft
Regensburg
25.10.2014
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Freude und Ärger: Beide Gefühle kennt Stephan Götzl als Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern gut. Glücklich stimmt ihn das große Vertrauen der Kunden in die Volks- und Raiffeisenbanken. Die Bankenpolitik der EU treibt ihm hingegen die Zornesröte ins Gesicht.

Die Genossenschaftsbanken verzichten auf Lockmittel wie etwa ein Startguthaben auf dem neuen Girokonto. Und doch tragen die Oberpfälzer ihr Geld zu den Volks- und Raiffeisenbanken. Die Kundengelder haben im Bezirk seit Jahresbeginn um 1,8 Prozent auf 13,7 Milliarden Euro zugelegt. "Die Menschen vertrauen uns, dass wir ordentlich mit Ihrem Geld umgehen", erklärte Stephan Götzl als Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern am Donnerstagabend in Donaustauf (Kreis Regensburg).

Noch 285 Filialen

Seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 gehen die Anleger auf Nummer sicher. Das macht sich laut Götzl dadurch bemerkbar, dass die Sparer ihr Geld zunehmend von länger- zu kurzfristigen Einlagen verlagern. Entscheidend sei vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen die Rolle der Genossenschaftsbanken als Kreditgeber. Auch wenn sich die Kreditnachfrage wegen der Konjunktureintrübung etwas verringert habe, liege sie weiterhin auf einem hohen Niveau. In den ersten neun Monaten des Jahres stiegen die Firmenkredite um 132 Millionen Euro auf 3,5 Milliarden Euro an. Das Online-Banking ist auf dem Vormarsch, die Genossenschaftsbanken stehen aber weiter zu ihrem dichten Filialnetz. "Der direkte Draht zwischen Kunde und Berater schützt das wichtigste Gut im Bankgeschäft - das Vertrauen", betonte Götzl, der in Kemnath (Kreis Tirschenreuth) geboren wurde. Dennoch gab es in den vergangenen Jahren einen leichten Rückgang: 285 Filialen haben die Volks- und Raiffeisenbanken derzeit in der Oberpfalz, 2012 waren es noch 296. Einige sehr kleine, halbtags geöffnete Filialen seien geschlossen worden, erklärte Götzl. Kunden verloren habe man deshalb nicht.

Mehr Beschäftigte

Beim Personal wurde in der Oberpfalz ordentlich aufgestockt: Mit 3867 Beschäftigten arbeiteten 2013 rund 300 mehr Menschen bei den Volks- und Raiffeisenbanken als 2011. Als Grund führte Götzl das erhöhte Geschäftsvolumen an.

Widerstand will der Verbandschef gegen die zunehmende Bankenregulierung durch die EU organisieren. Das Reformpaket Basel III mit seinen erhöhten Eigenkapitalanforderungen würde die Kreditvergabe an mittelständische Unternehmen deutlich erschweren. Völlig gegen den Strich geht Götzl auch die geplante Berechnung der Abgabe für den europäischen Bankenabwicklungsfonds. Für ihn sei nicht nachvollziehbar, warum regional tätige Kreditinstitute mit der Abgabe belastet werden, obwohl sie aufgrund ihrer geringen Größe und der eigenen Institutssicherheit nie Gelder aus dem Abwicklungstopf beanspruchen würden. "Wir haben nichts davon, sollen aber einzahlen."
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