Umfrage der IHK zur Unternehmensnachfolge
Wenn der Chef alt wird

"Eine Erbengemeinschaft stellt das größte Risiko dar und bedeutet langfristig den Tod des Unternehmens", sagt Dr. Reinhard Rieger. Der IHK-Geschäftsführer berät "neutral" bei diesem sensiblen Thema. Bild: cf
Wirtschaft
Regensburg
29.06.2016
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Bei etwa 12 000 kleinen und großen Unternehmen in der Oberpfalz steht der Generationswechsel an. Statt der Übergabe an einen jungen, fähigen Nachfolger kommt es oft zur Aufgabe des Betriebs. Die IHK Regensburg befragte Tausende von Firmenchefs, die älter als 55 Jahre sind. Die Ergebnisse der Untersuchung überraschen.

Da bisher belastbares statistisches Material fehlte, stocherte die IHK bei der Unternehmensnachfolge im "diffusen Nebel". Dr. Reinhard Rieger sind die in der "Region verankerten, bodenständigen" Betriebe ein Anliegen. Denn in weniger als der Hälfte der Fälle kommt es noch zu einer Lösung innerhalb der Familie. Der für die Studie verantwortliche IHK-Geschäftsführer Dr. Rieger sandte mehr als 6000 Unternehmern im Alter von mindestens 55 Jahren die detaillierten Erhebungsbögen zu; die Rücklaufquote betrug rund 10 Prozent. Insgesamt sind bei der IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim 76 000 Mitgliedunternehmen (ohne das Handwerk) gelistet.

Dr. Rieger berichtet von einer "wahnsinnigen telefonischen Reaktion". Viele Unternehmer hat das Thema offenbar kalt erwischt, denn 69 Prozent der Befragten haben nicht einmal Vorsorge für eine "unvorhergesehene Nachfolge" zu Lebzeiten getroffen. Und zwei von drei Betriebsinhabern befassten sich überhaupt noch nicht mit der Übergabe: "Weil sie sich mit 55 Jahren zu jung fühlen, um sich damit auseinander zu setzen. Sie haben eine Nachfolge noch nicht verinnerlicht", sagt Rieger. Eine weitere Schlussfolgerung offenbart die Studie: Um so größer das Unternehmen ist, desto planvoller werden Vorkehrungen getroffen. "Weil das Thema zu lange vor sich hergeschoben wird" (Rieger), nannten 67 Prozent "Altersgründe" für eine Aufgabe des Betriebs.

Von den Firmenchefs, die sich mit einer Übergabe beschäftigen, planen 52 Prozent diesen Schritt in den nächsten fünf Jahren. Das Finden eines Nachfolgers stellt dabei die größte Herausforderung dar.

Beruhigend ist, dass 78 Prozent der Betriebsinhaber, die sich mit einer Nachfolge beschäftigen, bereits eine Lösung gefunden haben. Zwei Drittel dieser Unternehmer streben eine Übergabe in der Familie an. 26 Prozent denken an Verkauf, dabei steht eine Einmalzahlung im Vordergrund. Rieger mahnt - wohl aus gutem Grund - "das Unternehmen nicht schön zu rechnen und lieber den einen oder anderen Abstrich beim Preis zu machen". Nach wie vor gilt der Steuerberater als erster Ansprechpartner, wenn es um die Suche nach einem Nachfolger geht. Für die "Übergeber" steht die Zukunftssicherung für das Unternehmen im Vordergrund, gefolgt von der "Sicherung des eigenen Lebensunterhalts".

Es geht letztendlich um die Existenz unserer mittelständischen Struktur.IHK-Geschäftsführer Dr. Reinhard Rieger
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