Vorteile und Hürden einer gemeinsamen Wirtschaftsregion zwischen Ostbayern und Tschechien
Jenseits der Grenze daheim

Ludwig Rechenmacher von der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz sieht viele Potenziale in einer grenzübergreifenden Wirtschaftsregion. Bild: hfz
Wirtschaft
Regensburg
31.10.2014
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(nt/az) Für die Arbeit ins Nachbarland: Bei den siebten Marienbader Gesprächen am 13. November diskutieren Unternehmen und Behörden aus Ostbayern, Österreich, Tschechien und der Slowakei über eine gemeinsame Wirtschaftsregion. Welche Potenziale und Hürden gibt es dabei?

Obwohl sie direkt nebeneinander liegen, unterscheiden sich die Länder im Grenzraum in einigen Punkten. Schulsysteme, staatliche Strukturen oder Arbeitsrichtlinien sind nicht überall konform miteinander. Doch der Organisator Ludwig Rechenmacher von der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz sieht gerade in der Unterschiedlichkeit die Potenziale: "Wir können uns ergänzen." Die tschechischen Auszubildenden seien fit in der Theorie, weil sie drei Jahre lang ausschließlich Berufsschulen besuchen würden. "Deutschland hingegen punktet mit dem dualen Ausbildungssystem", sagt Rechenmacher.

Gemeinsame Ausbildung

Das demografische Problem und den Mangel an Auszubildenden in Ostbayern könnten tschechische Lehrlinge zwar nicht lösen. Aber zumindest entgegenwirken. "Etliche Betriebe, gerade im Nahrungsmittel- und Baubereich, beschäftigen erfolgreich Auszubildende aus dem Nachbarland", sagt Rechenmacher. Mit Blick auf die rückläufigen Schülerzahlen im Grenzraum könne sich der Experte vorstellen, die Lehrlingsausbildung in Teilbereichen zu bündeln. "Einige Berufsschulen haben das bereits im Fokus." Damit Tschechen auch später in Bayern - und umgekehrt - ihren Beruf ausüben können, müssten die Berufsabschlüsse gegenseitig anerkannt werden. "Gleichwertigkeit heißt nicht immer, dass die Arbeitskräfte auch das Gleiche können", erklärt Rechenmacher. In vielen Fällen sei eine ergänzende Qualifikation sinnvoll.

Auch die Sprachbarrieren müssten durch Kurse für die Mitarbeiter überwunden werden. "Wichtig ist der Fokus auf die jeweilige Fachsprache. Elektriker brauchen einen anderen Wortschatz als Angestellte im Nahrungsmittelbereich." Etliche Betriebe würden sich bereits darum kümmern.

Wohnung im Nachbarland

Die Betriebe sorgen außerdem dafür, dass die Arbeitnehmer aus dem Nachbarland eine Wohnung finden, einen Internetanschluss und ein Handy bekommen. "Sie begleiten die ausländischen Kräfte sogar auf das Einwohnermeldeamt", sagt er. Dadurch vernetze sich die Region immer mehr miteinander. Beim Zusammenwachsen der Grenzregion helfen zudem Großereignisse. "2015 ist Pilsen die Kulturhauptstadt Europas. Das wird hoffentlich viele Gäste aus Ostbayern anziehen." Wichtig sei, dass Deutsche und Tschechen zusammenkommen und gemeinsam etwas erleben können - ob durch die Arbeit oder in der Freizeit.
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