Weniger wollen mit der Hand ans Werk

In der Oberpfalz fehlt dem Handwerk der Nachwuchs. Können Bewerber aus anderen Ländern die Lücke stopfen? Die Ungarn Szabolcs Nemeth (im Vordergrund rechts) und Balint Fauszt (im Vordergrund links) wollen sich bei der BHS Corrugated in Weiherhammer zu Elektronikern ausbilden lassen. Bild: sbü
Wirtschaft
Regensburg
23.01.2015
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Es trifft das Handwerk nicht ganz überraschend: Der demografische Wandel hinterlässt auch in der nördlichen Oberpfalz Spuren. Immer weniger Ausbildungsverträge werden abgeschlossen.

"Der Fachkräftebedarf wird in den kommenden Jahren die größte Herausforderung für das Handwerk sein", sagte der neue Handwerkskammerpräsident von Niederbayern und der Oberpfalz, Georg Haber, bei seinem Besuch im Weidener Rathaus. Wie sehr sich die Feststellung schon im abgelaufenen Jahr vor allem im Norden der Oberpfalz bewahrheiten würde, konnte Haber vor einigen Wochen noch nicht wissen.

Doch zwischenzeitlich liegen die Ergebnisse vor, die das Bundesinstitut für Berufsbildung zum 30. September 2014 über die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge erhoben hat. 606 Verträge waren es in den Landkreisen Neustadt/WN, Tirschenreuth und der Stadt Weiden. Im Vergleich zum Vorjahr sind dies 102 Verträge weniger.

Fast zweistelliges Minus

Auch für den Raum Schwandorf, Amberg und Cham ist diese Veränderungsrate mit minus 9,3 Prozent fast zweistellig. Nur der Kammerbereich Regensburg liegt mit 1059 neuen Ausbildungsverträgen sogar mit 0,5 Prozent über dem Vorjahresergebnis. Auch Bayern insgesamt weist konstante Zahlen auf.

Der für die Nordoberpfalz zuständige Kreishandwerksmeister, Karl Arnold, zeigte sich über den Rückgang der Ausbildungsverträge in den Handwerksberufen sehr betroffen. Er will diese Entwicklung nicht hinnehmen und mit Image- und Aufklärungsarbeit in den kommenden Monaten "vor allem über die hervorragenden Berufschancen in Handwerksberufen" informieren. Weil Jugendliche, wenn sie Metzger werden wollen, aber in Eschenbach wohnen, eine lange Fahrzeit bis zur Berufsschule in Sulzbach-Rosenberg auf sich nehmen müssten, könne sie das laut Arnold von der Wahl des Handwerkberufs abhalten.

Dasselbe gelte auch für Zimmerer, die bis nach Furth im Wald fahren müssten. Das könne ein triftiger Grund sein, einen anderen Beruf zu wählen. Industrie und Handel haben - zumindest in der Oberpfalz - bei der Werbung um Berufsnachwuchs noch die besseren Chancen. Oftmals sind es die größeren Betriebe, die schon wegen ihres Bekanntheitsgrades attraktiv für Bewerber sind.

Stagnation beim Handel

Ausstellungsstände auf Messen, Schülerpraktika, wie Witron in Parkstein mit der Aktion "young talents" bietet, oder die eigene Internet-Ausbildungsseite von Constantia Hueck Folien in Pirk bei Weiden sind Beispiele. Allerdings kann auch für Industrie und Handel bestenfalls von einer stagnierenden Zahl abgeschlossener Ausbildungsverträge gesprochen werden.

Für den Kammerbereich Weiden errechnen sich minus 2,3 Prozent, für Schwandorf plus 1,8 Prozent und für Regensburg minus 0,5 Prozent. Bayernweit gibt es bei Industrie und Handel ein kleines Minus von 1,5 Prozent. Auch die meisten Personalchefs der Industriebetriebe berichten, dass die Bewerberzahlen für gewerblich-technischen Berufe stark abgenommen hätten. Überall in der Oberpfalz ist die Gesamtzahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge rückläufig.

Weiden: minus 8,3 Prozent

Das Minus ist in Regensburg mit 0,4 Prozent noch gering, im Großraum Schwandorf mit 3,4 bereits höher und in Weiden liegt der Wert bei 8,3 Prozent. Handwerkskammerpräsident Haber ahnte dies wohl, als er sagte: "Ich wehre mich gegen diesen Akademikerwahn."
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