Zuwanderer dringend gebraucht: In der Oberpfalz fehlen 100 000 Fachkräfte bis 2030
Pannenbaustelle Ausländerpolitik

Wirtschaft
Regensburg
23.02.2015
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"Teuer, kompliziert, menschenverachtend", bringt Winfried Mellar, IHK-Geschäftsführer Fachkräfte, das deutsche Einwanderungsrecht auf einen kurzen Nenner. Zwar erkennt das Mitglied im "Bündnis für Migration in Amberg-Sulzbach" die Komplexität der Materie und auch gewisse Fortschritte an. Aber unterm Strich bleibe "Deutschland in Bezug auf Ausländerpolitik eine große Baustelle".

Deutschland werden in 15 Jahren rund 6 Millionen Fachkräfte fehlen. Ein Thema, das die IHK seit Jahren auf der Agenda hat. "Für den Kammerbezirk bedeutet das die Zahl von 100 000 Erwerbstätigen, die 2030 einfach nicht mehr da sind - so viel wie die Einwohner von Amberg, Weiden und Sulzbach-Rosenberg. Dann wird's eng." Bis September 2014 hätten im Kammerbezirk schon 3000 Ausbildungsplätze nicht mehr besetzt werden können. "Handwerker erwischt es ganz schlimm."

Mit anderen Worten: "Mit Blick auf die Wohlstandssicherung ist es geboten, qualifizierte Einwanderer ins Land zu holen", sagt Mellar. Wenn junge motivierte Ausländer kämen, nutze das vor allem auch der überalterten deutschen Bevölkerung, die ansonsten mit noch geringeren Renten und schlechteren Sozialleistungen auskommen müsste.

Zuwanderer als Geschenk

Die Begriffe "Wirtschaftsflüchtling" und "Sozialschmarotzer" empfindet der IHK-Vertreter als "typisch deutsch". "Wenn ich bereit wäre, meine Heimat aufzugeben, und mit nichts außer dem, was ich auf dem Leib habe, nach Togo zu gehen, dann muss das massive Gründe haben." Mellar erinnert sich an die Aussage eines jungen Kosovo-Albaners, der gut Deutsch sprach, weil die Eltern im Krieg hier Asyl fanden. "Seit drei Jahren lebe ich in einem Zelt, weil ich mir nichts anderes leisten kann - ich suche nach einem Job, den ich nicht bekomme. Ich habe die Schnauze voll." Wenn so einer zu uns komme, dann wolle der hier eine Existenz aufbauen. Er werde Steuern und Abgaben zahlen. "Dann ist der für das Land nicht eine Bedrohung, sondern ein Geschenk."

Was fehle, seien ein transparentes Asyl- und Einwanderungsrecht:

Politisch Verfolgte und Bürgerkriegsflüchtlinge müssten nach wie vor unabhängig von ihrer wirtschaftlichen Situation Asyl erhalten.

Darüberhinaus plädiert Mellar für ein Punktesystem wie in den USA und Kanada: Dadurch könne man die Facharbeiterlücke schließen.

Ähnlich wie die USA sollte jede deutsche Botschaft eine Beratungsstelle für Einwanderungswillige anbieten. "Wenn die Kosovaren wüssten, dass sie hier keine Chancen haben, hätten sie sicher nicht ihren letzten Besitz veräußert."
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