"Tod des Mineralwassers"

Vor der Halle der Schlossbrauerei hatten Jugendliche einen Stand mit Flyern, Unterschriftslisten, Buttons und Plakaten aufgebaut. Bilder: wrt (2)
Lokales
Reuth bei Erbendorf
16.03.2015
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Die Fracking-Pläne des Bundeswirtschaftsministers und der -umweltministerin soll das Kabinett am 25. März auf den Weg bringen. Doch die Liste der Gegner ist lang - und es stehen viele Jugendliche aus der Region drauf. Das zeigte der Aktionstag in Reuth.

Die Jugendorganisation des Bundes Naturschutz (BN) hatte zur Protestveranstaltung zur bundesweiten Aktionswoche "Ausnahmsloses Fracking-Verbot statt Täuschung der Öffentlichkeit" organisiert. "Ausg'frackt" hieß es am Sonntag in der Halle der Schlossbrauerei, in der Umweltaktivisten, Vertreter von Bürgerinitiativen, Interessengemeinschaften sowie Interessierte aller Altersgruppen zusammenkamen.

Umweltschützer befürchten, dass die ursprünglich als Fracking-Verbot bezeichneten Pläne nach mehreren Änderungsentwürfen genau das Gegenteil bewirken und Fracking in fast allen Gebieten und Tiefen möglich sein wird. Ein absolutes Fracking-Verbot war deshalb das Anliegen sämtlicher Redner in Reuth.

Tatjana Bodmer vom Landesvorstand der BN-Jugendorganisation moderierte die Veranstaltung im voll besetzten Stadl. Hausherr Rigobert Bergler, Geschäftsführer der Schlossbrauerei Reuth, sieht die Brauer unmittelbar betroffen. Die Regelungen reichten nicht aus, um reines Trinkwasser zu gewährleisten. Sämtliche Brauerei-Verbände seien gegen Fracking: "Wasser ist das Lebensmittel Nummer eins. Ist es verunreinigt, hilft auch das Reinheitsgebot nicht weiter." Wasser könne nicht über große Entfernungen transportiert werden, die Entnahme sei nur über kurze Leitungen möglich. "Fracking ist der Tod des Mineralwassers", warnte er.

Auf Grundrecht pochen

Sonja Schuhmacher vom Bündnis Weidener Becken gegen Fracking betonte ebenfalls vehement, dass nur ein generelles Verbot akzeptiert werden könne. Lippenbekenntnis helfen nicht, war die Meinung aller Redner. Bürgermeister Werner Prucker appellierte: "Lassen wir uns das Grundrecht auf sauberes Wasser nicht nehmen." Diese Grundlage dürfe der Bevölkerung nicht entzogen und "dem Kommerz geopfert" werden.

Laurin Kerle vom BN-Landesvorstand führte aus, dass er im Namen sämtlicher Jugendverbände klar sagen könne: "Wir wollen kein Fracking", Fracking habe nichts mit erneuerbarer Energie zu tun. Er forderte alle auf, über Alternativen nachzudenken und beispielsweise öfters auf das Auto zu verzichten. Marius Brey ("Abgefrackt"-Bündnis Weidener Becken) prangerte an, dass die Verantwortlichen in den betreffenden Ministerien wenig Ahnung hätten und bestehende Gesetze ignorierten.

Wie auch andere Redner bezog er sich auf die Aarhus-Konvention, die von der Bundesrepublik unterzeichnet wurde und Regelungen in Bezug auf Umwelt-Angelegenheiten und Öffentlichkeitsbeteiligung beinhaltet. Brey rief dazu auf, es nicht hinzunehmen, dass wirtschaftliche Interessen und Profitgier die maßgeblichen Kriterien darstellten.

Auch Josef Siller (BN-Kreisgruppe Tirschenreuth) führte das Anliegen aus, Wasser als wichtigstes Lebensmittel zu schützen und die Bevölkerung zu sensibilisieren. Pfarrer Andreas Schlagenhaufer verglich das aktuelle Thema mit seinen Erfahrungen beim Protest gegen die Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf. Der 73-Jährige erzählte, wie er erst im Alter von 40 Jahren "aufgewacht" sei, sich engagiert und dann die Erfahrung gemacht habe, dass "man angelogen wird".

Aus den USA lieferte Richard Miles einen Bericht: Durch Fracking seien in den Bundesstaaten Wyoming und Montana Quellen verseucht worden. Eltern kauften zum Schutz ihrer Kinder sauberes Trinkwasser ein. Verunreinigtes Wasser bleibe für immer verseucht.

Ebenfalls auf englisch brachte Hilde Lindner-Hausner vom Bündnis Weidener Becken gegen Fracking die Sache auf den Punkt: "You can live without Love but only three days without Water" ("Man kann ohne Liebe leben, aber nur drei Tage ohne Wasser") und folgerte: "Wir müssen uns wehren, unser Wasser und unsere Böden sind es wert."

Stellvertretender BN-Landesvorsitzender Sebastian Schönauer klagte die Politik an, die die Gefahren klein rede. Eindringlich warnte auch er davor, dass Konzern- und Finanzinteressen und -spekulationen mehr zählten als die Gesundheit. Es werde verbrannte Erde hinterlassen. Schönauer versicherte, dass auch Gebiete, die nicht unmittelbar vom Fracking bedroht sind, sich solidarisch verhalten werden: "Wir lassen euch nicht allein." (Hintergrund)
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