Anzeige der Tierschützer stößt auf Kritik
"Null Verständnis" für Peta

Manche Fische landen auf dem Teller, andere wieder im Wasser. Angler dürfen ihnen dabei nicht mehr Leid zufügen als unbedingt notwendig. Ob das Schnupperangeln der Reuther Fischer gegen das Tierschutzgesetz verstoßen hat, prüft augenblicklich die Staatsanwaltschaft Weiden. Bild: ggö
Vermischtes
Reuth bei Erbendorf
21.09.2016
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Sind die Reuther Angler Täter oder Opfer? Während die Anzeige von Peta wegen Tierquälerei im Raum steht, haben sich viele Menschen in der Region schon eine Meinung zur Aktion der Tierschutz-Organisation gebildet: Die Zustimmung hält sich in engen Grenzen.

Wie weit muss Tierschutz gehen? Und wie weit darf er gehen? Die Anzeige von Peta gegen den Angelsportverein Reuth bei Erbendorf (wir berichteten) schlägt hohe Wellen. Die Staatsanwaltschaft prüft, ob strafrechtliche Ermittlungen aufgenommen werden. Unabhängig vom Ergebnis sorgt der Fall für heftige Diskussionen. Viele Leute, die täglich mit Tieren zu tun haben, sehen das Peta-Vorgehen kritisch. Der Angelsportverein Reuth selbst verweist auf das laufende Verfahren und will sich derzeit nicht äußern.

Angst vor Tierschützern


Unter Anglern löst die Anzeige Verunsicherung aus. Der Vorsitzende eines anderen Fischereivereins der Region hat zwar viel zu dem Thema zu sagen, möchte aber auf keinen Fall namentlich genannt werden. Auch der Verein soll anonym bleiben. Aus Angst, dass sich die Tierschützer ihn als nächstes vornehmen könnten.

Sein Verein lege zwar großen Wert auf die Einhaltung der Gesetze, die Öffentlichkeit meidet er aber. Der Vorsitzende ist misstrauisch, schließlich könnte sich hinter jedem neugierigen Zuschauer ein Tierschützer verbergen. In seinen Augen leiden nicht die Fische, sondern die Angler.

Der Tirschenreuther Amtstierarzt Klemens Dötsch verweist auf das Tierschutzgesetz. "Wenn einem Tier Schmerzen zugefügt werden, darf das nicht ohne vernünftigen Grund geschehen." Und bei Fischen müssen Schonzeiten und -maße eingehalten werden. Grundsätzlich sei es nicht verwerflich, wenn ein Verein Nachwuchs werben will. "Bei einem Schnupperangeln für Kinder müssen aber fachlich qualifizierte Aufsichtspersonen anwesend sein. "Jeder Angler lernt beim Erwerb des Angelscheins, wie er mit den Tieren umgehen muss. Deshalb muss man generell davon ausgehen, dass ein Angler dem Fisch nicht mehr Schmerzen zufügt als unbedingt notwendig."

Empfindungen ungewiss


Über das Schmerzempfinden von Fischen werde in Fachkreisen diskutiert, sagt Dötsch. "Die Ergebnisse von Studien weichen stark voneinander ab. Das Nervensystem eines Fisches ist nicht vergleichbar mit dem von Säugetieren, aber er hat ein Nervensystem. Und auch ein Fisch versucht, Gefahren und Schmerzen zu vermeiden."

Umsetzung fragwürdig


Werner Kennel , Vorsitzender des Kleintierzuchtvereins Eschenbach, ist selbst Angler. Manche Ziele von Peta seien sinnvoll, es hapere aber an der Umsetzung. "Aktionisten schießen gern über das Ziel hinaus." Auch er selber hat schon negative Erfahrungen mit der Organisation gemacht. Bei einer Taubenzuchtschau hätten Aktivisten Busse auf dem Parkplatz fotografiert und dann die Busunternehmer angezeigt, weil die Tauben angeblich nicht artgerecht transportiert wurden. "Ein großer Teil der Anzeigen ist willkürlich. Auch wenn nichts dabei herauskommt, hat man jede Menge Ärger." Natürlich gebe es auch schwarze Schafe, die angeprangert werden sollten. "Aber nicht so."

Nicht nur Angler, auch Landwirte haben mit einem schlechten Ruf zu kämpfen, was den Tierschutz angeht. Der Vorsitzende des Rings junger Landwirte Kemnath, Tobias Voge l, hat schon häufig mitbekommen, dass Bauern vor allem wegen der Anbindehaltung kritisiert werden. Die aktuelle Aktion von Peta findet er übertrieben. "Tierschutz ist wichtig, aber das ist nicht praxisnah."

Was kommt danach?


Vogel versteht nicht, was sich die Tierschützer dabei gedacht haben. Als Betriebshelfer kommt er viel herum und trifft viele Leute. Auf seinen Einsätzen hat er auch schon Fälle von nicht artgerechter Haltung mitbekommen. "Peta sollte sich lieber darum kümmern als ums Schnupperangeln." Auch Albert Schrembs vom Reitstall Erlhammer hat für Peta "null Verständnis". Er lasse sich Tierschutz eingehen, aber das gehe eindeutig zu weit. "Denn beim Angelsportverein geht es los und bei den Pferden geht es weiter." Forderungen nach einem Verbot des Springreitens würden folgen.

Jeder Angler lernt beim Erwerb des staatlichen Angelscheins, wie er richtig mit den Tieren umgehen muss. Deshalb muss man generell davon ausgehen, dass ein Angler dem Fisch nicht mehr Schmerzen zufügt als unbedingt notwendig.Klemens Dötsch
Weitere Beiträge zu den Themen: Tierschutz (13)Peta (6)Angelsportverein Reuth (3)
2 Kommentare
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Nina Schüttauf aus Falkenstein | 21.09.2016 | 10:47  
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Manuela Langer aus Neumarkt in der Oberpfalz | 22.09.2016 | 11:47  
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