Draußen unterwegs mit Christian Rudolf - Geduldsprobe Feuermachen
Wildnis Oberpfalz

Draußen macht‘s jede Menge Spaß. (Foto: mna)
Freizeit
Rieden
11.05.2016
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(Manuela Madsen)

Sich einmal ganz der Wildnis unserer oberpfälzer Natur hingeben: Das ist sowohl für Kinder und Jugendliche, als auch für Erwachsene ein unvergessliches Erlebnis. Wenn man sich traut.

Wir treffen Christian Rudolf von der Wildnisschule Oberpfalz und sprechen über die Ansätze einer sogenannten "Wildnispädagogik". Denn ohne erlernte Grundtechniken wird es auch bei uns schwer mit der Wildnis.

Der Begriff Wildnis umfasst übrigens alle Landschaftsformen und ebenso Landnutzungsformen - also alles, was die „unberührte Natur“ sozusagen hergibt. Das eine oder andere kann jeder Interessierte auch auf sehr spannende Weise erleben. Möglichkeiten haben wir in der Oberpfalz reichlich. Sei es in unseren Wäldern, an unseren Gewässern oder anderen gegebenen Landschaftsformen wie Bergen, Tälern, Steinwänden... Alles wartet nur darauf, erlebt zu werden.

Für Christian Rudolf, den ausgebildeten Berufsjäger und ehemaligen Revierleiter einer privaten Forstverwaltung, gibt es eigentlich nur einen „wildnispädagogischen Ansatz“ - nämlich Menschen die ökologischen Zusammenhänge zu vermitteln und ihnen ihre ursprüngliche Abhängigkeit von ihrer natürlichen Umgebung vor Augen zu führen.

Unter anderem als Survival Training angeboten, führt Christian Rudolf Menschen vom Kleinkind-Alter bis ins hohe Erwachsenen-Alter durch die Natur. Je nach Anspruch kann dieses Training einen bis drei Tage dauern, der Spaß steht hierbei im Vordergrund und niemand wird hier wirklichen Gefahren ausgesetzt.

Nicht zu unterschätzen ist dennoch das Wissen, das wir Menschen fürs Überleben in der Wildnis brauchen. Ohne die notwendigen Kenntnisse, die in alten Zeiten schließlich von Mensch zu Mensch weitergegeben wurden, wird die Wildnis kein positives Erlebnis hinterlassen.

Da ist zum Beispiel das Feuermachen: Feuer ist eines der wichtigsten Elemente des Menschseins. Was man in vielen Fernsehsendungen sieht und was dort ganz einfach zu sein scheint, ist in der Praxis eine wahnsinnig große Aufgabe, eine regelrechte Geduldsprobe.

Das Feuermachen mit Feuerstahl oder mit Feuerstein und Funkeneisen kann aber jeder ambitionierte Erwachsene lernen. Für Kinder ist das schon eine echte Herausforderung und super-spannend. Feuermachen mit dem Handdrill bedarf aber auch mit dem geeigneten Material einiger Übung. Es geht meistens auch darum, das geeignete Material selbst finden zu können, was sowieso nicht zu jeder Zeit möglich ist. Eine starke Abhängigkeit von Wetterfaktoren wird einem in der Wildnis erst richtig bewusst.

Aber eine Auswahl an geeigneten Materialien finden wir in unserer Gegend reichlich. Als Feuerbrett eignen sich Weide oder Pappel. Als Spindel ist Beifuß oder Goldrute bzw. auch die Königskerze, der Holunder oder die Hundsrose geeignet. Als Feuerstarter kann man Distelblüten, Clematis oder Rohrkolben verwenden. Für Zundermaterial ist trockenes Gras nötig. Und Brennmaterial, was wesentlich leichter und ohne große botanische Kenntnisse zu finden ist, bekommt man in Form von trockenem Holz.

Ganz wichtig ist Durchhaltevermögen - eine Eigenschaft, die nicht jedem Menschen in die Wiege gelegt ist. Aber fürs Überleben in der Wildnis und beim Feuermachen an sich ist es ungemein notwendig. Bei unserem Treffen funktionierte dies zuerst auch nicht. Ausdauer und Durchhaltevermögen brachten uns jedoch schließlich zum Erfolg. Und zu einem unvergessenen Erlebnis des "Ur-Mensch-Seins". Ganz ähnlich einem früher überlebenswichtigen Jagderfolg.

Aber auch andere, in der Wildnis sehr wichtige Kenntnisse, können Menschen mit entsprechendem Interesse erlernen. Sei es der richtige Bau eines Lagers, das Jagen und Ausweiden eines erlegten Tieres oder auch wichtige Anhaltspunkte zur Orientierung - oder auch nur den richtigen Umgang mit einem Messer oder einer Axt. Ganz abgesehen vom Spurenlesen. Nicht jeder Mensch ist hier von Natur aus begabt, aber Lernfähigkeit zeichnet uns hier doch aus.

Vielleicht reicht es aber auch als erster Ansatz, das Buch "Ronja Räubertochter" von Astrid Lindgren zu lesen. Denn genau hierum geht es: Wir Menschen können den richtigem Umgang mit allen Ressourcen unserer natürlichen Umgebung anzuwenden lernen. Dabei tut es wirklich gut, sich den alltäglichen Gefahren der Wildnis einfach einmal selbst auszusetzen.
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